Nach neun Monaten Verhandlung Gehälter der Beschäftigten in Privatbanken steigen um 5 Prozent

Sabine Schmittroth, Verhandlungsführerin der Banken-Arbeitgeber

Sabine Schmittroth, Verhandlungsführerin der Banken-Arbeitgeber: „Das Tarifergebnis ist ein gerade noch tragfähiger Kompromiss, der allen Beteiligten viel abverlangt hat.“ Foto: Commerzbank AG

5 Prozent mehr Gehalt bis Mai 2024. Das ist im Kern das Ergebnis der Tarifverhandlungen im privaten Bankengewerbe, auf das sich die Verhandlungspartner gestern nach mehr als neun Monaten geeinigt haben. Der vereinbarte Tarifabschluss hat eine Laufzeit von 35 Monaten, von Juli 2021 bis Mai 2024.

Konkret steigen die Gehälter für die etwa 135.000 Beschäftigten laut Arbeitgeberverband AGV Banken – die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi spricht von rund 140.000 Angestellten – in zwei Stufen: ab August 2022 um 3 Prozent und ab August 2023 um weitere 2 Prozent. Darüber hinaus erhalten die Tarifbeschäftigten zwei Einmalzahlungen in Höhe von je 500 Euro im April 2022 und im Januar 2023. Auszubildende bekommen jeweils 100 Euro. Nach Beispielrechnung des AGV Banken bekommen ein Privatkundenberater im Filialgeschäft – Tarifgruppe 7, 9. Berufsjahr – demnach über die Tarif-Laufzeit hinweg insgesamt rund 7 Prozent mehr Geld.

Über den Gehaltsabschluss hinaus haben sich die Tarifparteien zudem darauf verständigt, die Öffnungsklausel zur Beschäftigungssicherung (31-Stunden-Klausel), die Rahmenregelung zu Langzeitkonten, den Altersteilzeit-Tarifvertrag und den Kurzarbeits-Tarifvertrag bis Jahresende 2024 zu verlängern.

AGV Banken und Verdi: Einschätzungen zum Tarifabschluss bei den privaten Banken

„Mit diesem Tarifabschluss erkennen wir die Leistung unserer Beschäftigten in schwierigen Zeiten an und mildern deutlich die Folgen der erhöhten Inflation insbesondere für die Beschäftigten in den unteren und mittleren Vergütungsgruppen“, kommentiert Sabine Schmittroth, Verhandlungsführerin der Banken-Arbeitgeber. „Zugleich halten wir Maß mit Blick auf die absehbar erhöhte Belastung unserer Mitgliedsunternehmen, schaffen Planungssicherheit durch die lange Laufzeit und stärken die Berufsausbildung im privaten Bankgewerbe.“

„Ohne die Streiks und das Engagement der Kolleginnen und Kollegen hätte die Hängepartie noch länger gedauert. Die jetzt erreichten Gehaltssteigerungen schaffen eine wichtige finanzielle Entlastung“, betont Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck nach Abschluss der Verhandlungen. Enttäuschend sei allerdings aus Verdi- und Beschäftigten-Sicht, dass es zu den Themen Nachwuchskräftetarifvertrag und beim mobilen Arbeiten nicht für eine Einigung gereicht hat. Diese Themen blieben jedoch auf Wiedervorlage, so Duscheck.

Die Tarifverhandlungen wurden auf Arbeitgeberseite vom Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) geführt, auf Gewerkschaftsseite von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und dem Deutschen Bankangestellten-Verband (DBV).