Gegen den Trend Was aktives Portfoliomanagement gegenüber ETFs leisten kann

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Benchmarks engen den Anlagespielraum unnötig ein

Bei der Diskussion um aktive oder passive Managementansätze sollte in einigen Marktsegmenten zusätzlich auch das Für und Wider von Benchmarks diskutiert werden. Viele Anleger sind heutzutage deutlich besser informiert als früher. Sie beurteilen aktive Fonds kritisch, die nah am Index investieren, sogenannte Index-Schmuser. Warum sollten Anleger für ein derartiges Produkt höhere Gebühren zahlen?

Aktive Portfoliomanager sollten keinerlei Restriktionen in Bezug auf Anlagestile oder Faktoren unterliegen – Benchmarks dementsprechend lediglich als Orientierungsgröße dienen – um einzuschätzen, wie das eigene Produkt im Vergleich zum Markt abschneidet. Dahinter steht das Prinzip, Aktien nach ihren inneren Qualitäten und günstigen Bewertungen auszuwählen. Diese Maxime sollten auch für das Rentensegment gelten.

Beispiel Schwellenländer-Staatsanleihen: Klassische Emerging-Markets-Debt-Benchmarks, wie etwa von Bloomberg Barclays oder J.P. Morgan, orientieren sich zu sehr an großen, Rohstoffe produzierenden und exportierenden Ländern. Sie vernachlässigen so die Vielfalt, welche das Schwellenländer-Universum eigentlich mitbringt.

Vielleicht erscheint es auf den ersten Blick logisch, dass große Rohstoffländer für ausländisches Kapital besonders interessant sind und somit Staaten wie Brasilien, Russland oder Südafrika zu den Schwergewichten in den Schwellenländer-Indizes zählen. Aktives Management sucht abseits der großen Indizes nach Chancen und ist dadurch in der Lage, das Risiko breiter zu streuen.

Aktive Ansätze berücksichtigen nämlich auch andere wirtschaftliche Erfolgsmodelle – fernab von Öl, Kupfer und Eisenerz: vor allem solche Schwellenländer, die zu den Netto-Importeuren von Rohstoffen zählen, wie zum Beispiel Indien oder die Regionen Südostasien, Zentraleuropa und Ostafrika. Sie alle profitieren von den derzeit niedrigen Preisen für Energie-Rohstoffe. Sinkende Inflation und verbesserte Handelsbilanzen sind die Folge, was die Wettbewerbsfähigkeit insgesamt stärkt.

Werden Rohstoffimporteure wie -exporteure gleichermaßen in Betracht gezogen, bringt das mehr Gleichgewicht in ein Schwellenländer-Anleihen-Portfolio. Nehmen wir das Beispiel Öl: Ein Ausblick mit Aufwärtsbewegungen auf das Schwarze Gold erfordert noch lange nicht, dass man wirklich jeden Ölproduzenten des Schwellenlanduniversums im Portfolio haben muss.



Über die Autoren:
Guy Lerminiaux ist Investmentchef für Aktien bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM), Peter De Coensel leitet in der gleichen Funktion die Anlageklasse Anleihen beim Vermögensverwalter mit Sitz in Brüssel.

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