Gegen den Trend Was aktives Portfoliomanagement gegenüber ETFs leisten kann

Investmentchefs bei Degroof Petercam AM: Guy Lerminiaux (r.) ist für Aktien zuständig, Peter De Coensel verantwortet die Anlageklasse Anleihen beim belgischen Asset Manager. | © Degroof Petercam Asset Management

Investmentchefs bei Degroof Petercam AM: Guy Lerminiaux (r.) ist für Aktien zuständig, Peter De Coensel verantwortet die Anlageklasse Anleihen beim belgischen Asset Manager. Foto: Degroof Petercam Asset Management

Nach Angaben von Morningstar zogen europäische Anleger 2016 90,4 Milliarden Euro aus aktiv gemanagten Aktienfonds ab, um sie fast im gleichen Atemzug in passiv gemanagten Instrumenten – wie börsengehandelten Exchange Traded Funds (ETFs) – anzulegen. Ein Trend, der im laufenden Jahr sogar noch an Fahrt aufzunehmen scheint.

Anleger mögen passive Instrumente in erster Linie aufgrund ihrer Gebührenstrukturen und Einfachheit. Während die Börsen rund um den Globus tendenziell immer weiter nach oben klettern, lässt sich die Wertentwicklung der einzelnen Märkte über passive, Marktindizes abbildende ETFs leicht und günstig abschöpfen.

Getrieben durch die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken stiegen die Notierungen an den Aktien- und Rentenmärkten immer weiter. Die steigenden Korrelationen und abnehmenden Schwankungen verringerten demgegenüber die Selektionsmöglichkeiten aktiver Portfoliomanager.

Selbstverständlich hat es auch sehr erfolgreiche Strategien gegeben, wie zum Beispiel qualitative Wachstumsaktien. In der Summe muss man aber feststellen, dass das aktive Portfoliomanagement in vielen Fällen nur schwer eine Outperformance zum jeweiligen Markt erzielen konnte.

Allmächtige ETFs?

Indexfonds decken aktuell bereits rund 25 Prozent des Aktienmarktes in Europa ab. Es muss davon ausgegangen werden, dass bei weiterhin gleich starken Wachstumsraten womöglich in weniger als 15 Jahren der gesamte europäische Aktienmarkt von passiven Instrumenten gehalten werden könnte.

Aktien von Unternehmen, die in Indizes hoch gewichtet sind, ziehen automatisch mehr Geld an. Dadurch können Fehlallokationen entstehen – auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Dies birgt einerseits die Gefahr von Bewertungsblasen. Andererseits können innovativere kleinere Unternehmen auf der Strecke bleiben, wenn fundamentale Faktoren, wie Produktivität und Wachstum in den Hintergrund treten und nur die Indexgewichtung für das Anlegerinteresse verantwortlich ist.

Doch soweit muss es nicht kommen. Es sind aktuell durchaus zahlreiche Faktoren erkennbar, die aktivem Management zu neuer Popularität verhelfen können. Obwohl noch keine große Wende in der Politik der Notenbanken erkennbar ist, sollte die Zeit der extremen quantitativen Lockerungen langsam zu Ende gehen und damit den Blick der Investoren wieder mehr auf die fundamentalen Daten der Unternehmen lenken. Mit einem schwindenden Einfluss der Notenbanken dürfte die Volatilität an den Märkten wieder zurückkehren und die Korrelationen innerhalb von Anlageklassen und Indizes geringer werden.