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Flossbach von Storch zur Impfstoffentwicklung Geduld ist gefragt – ebenso wie Vorsicht

Gesundheitsminister Jens Spahn auf Firmenbesuch bei einem Impfstoffhersteller

Gesundheitsminister Jens Spahn auf Firmenbesuch bei einem Impfstoffhersteller: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO werden derzeit weltweit 44 Impfstoffkandidaten erforscht. Foto: imago images / photothek

Vielleicht erinnern Sie sich noch an unser „ABC der Corona-Ökonomie“, als wir die Erwartungen für den Verlauf der Konjunkturkurve als Abbild der Wirtschaftserholung mit verschiedenen Buchstaben charakterisierten. „V“ stand für eine schnelle Erholung, „U“ für eine langsame, „W“ für ein Auf und Ab, „L“ für eine dauerhafte Rezession und „J“ für einen neuen Boom.

Dabei hatten wir betont, dass die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts die unterschiedliche Dynamik der einzelnen Wirtschaftsbereiche nur unzureichend widerspiegelt. Während sich einige Sektoren trotz einer kurzfristigen Erholung als langfristige Verlierer der Corona-Krise erweisen dürften, haben andere bereits ihr Vorkrisenniveau überschritten.

Diese Unternehmen könnten sogar nachhaltig von veränderten Konsum- und Investitionsgewohnheiten profitieren. Diese Divergenz wird durch den Buchstaben „K“ beschrieben, der nicht auf die Wirtschaftsentwicklung als Ganzes abstellt, sondern auf die sich öffnende Schere zwischen Pandemie-Gewinnern und Pandemie-Verlierern.

Rückkehr zu der Welt von gestern?

Ob, wann und wie weit sich diese Schere wieder schließen wird, hängt davon ab, wann die Menschen wieder so leben können und wollen wie vor der Pandemie. Eine Rückkehr zur Welt von gestern ist aber nicht zu erwarten, denn dazu haben sich inzwischen zu viele Dinge geändert. Die Akzeptanz des Homeoffice und die Implikationen für den Bedarf an Büroraum, der Siegeszug des Online-Shoppings oder des bargeldlosen Zahlens sind nur einige offensichtliche Beispiele.

Da das Virus nicht von selbst verschwinden wird, bedarf es mindestens eines wirksamen Impfstoffs, der nicht nur in ausreichender Menge hergestellt, sondern auch der Mehrheit der Bevölkerung verabreicht werden müsste. Derzeit forschen dutzende Unternehmen an Vakzinen, die sich in unterschiedlichen Phasen der klinischen Erprobung befinden. Welche Unternehmen das Rennen gewinnen werden (es dürften mehrere sein), lässt sich nicht seriös prognostizieren. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es in absehbarer Zeit einen wirksamen Impfschutz gibt, ist hoch.

Hoffnung auf den Impfstoff

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO werden derzeit (Stand 19. Oktober 2020) weltweit 44 Impfstoffkandidaten in einer der klinischen Studienphasen I, II oder III erforscht. Darüber hinaus befinden sich 154 weitere Impfstoffkandidaten in der präklinischen Entwicklung. Besonders aussichtsreich sind aktuell zehn potenzielle Impfstoffe, die bereits in der abschließenden Studienphase III erforscht werden. Ein erfolgreicher Abschluss der dritten klinischen Studienphase ist Voraussetzung, um ein neues Arzneimittel für die Produktlizenzierung bei den zuständigen Behörden einreichen zu können.

Selbst wenn in den kommenden Monaten ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung stehen sollte, muss dieser noch in ausreichender Menge produziert und einem Großteil der Bevölkerung injiziert werden. Hierbei sind auch erhebliche logistische Hürden zu nehmen, die nicht nur die Verabreichung durch die Ärzte vor Ort umfassen. Bei einigen der am weitesten entwickelten Impfstoffe muss während der Lagerung und des gesamten Transports eine Kühlung bei Temperaturen von minus 20 bis zu minus 80 Grad Celsius gewährleistet werden.

Diese extreme Kühlung ist notwendig, da bislang noch keine validen Stabilitätsdaten vorliegen. Eine Impfung von Kindern und Jugendlichen ist zunächst kaum möglich, da die bisherigen Tests nur an Erwachsenen vorgenommen wurden. Zwar leiden Kinder selbst kaum unter dem Virus, doch ohne Impfung blieben sie als potenzielle Überträger ein Risiko für ungeimpfte ältere Menschen. Auch chronische Impfgegner könnten die Immunisierung der Bevölkerung hinauszögern.

Die Pandemie ist auch 2021 noch nicht vorbei

Es ist also unwahrscheinlich, dass bereits im kommenden Jahr ein hinreichender Teil der Bevölkerung geimpft sein wird und wir unser gewohntes Leben weiterführen können – eine Einschätzung, die auch Mitglieder der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts teilen. Der Chef des Mainzer Biotechnologieunternehmens Biontech, Ugur Sahin, hält es sogar für möglich, dass das Virus noch zehn Jahre herumschwirrt, bis alle Menschen immun sind.

In der Zwischenzeit könnten wirksame Medikamente die Folgen ernsthafter Infektionen mildern. Erste Medikamente wie Remdesivir oder Dexamethason werden derzeit in schweren Fällen verabreicht. Vielversprechender sind Antikörpertherapien, die bereits bei milderen Fällen eingesetzt werden können, um ein Fortschreiten des Krankheitsverlaufs zu verhindern. Da es lange dauern dürfte, bis die Welt gegen Covid-19 immun ist, könnten wirksame Therapiemöglichkeiten das soziale und wirtschaftliche Leben auch vor Erreichen eines wirksamen Impfschutzes wieder ein Stück weit normalisieren.

Die Pandemie,und damit auch die negativen Auswirkungen, bleiben uns wohl noch ziemlich lange erhalten. Geduld ist gefragt, ebenso wie Vorsicht. Das gilt für die eigene Gesundheit ebenso wie bei unternehmerischen Entscheidungen und der privaten Finanzplanung.

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