Öffentliche Märkte bestimmten jahrzehntelang das Geschäft der Vermögensverwalter. Alternative Anlagen wie Private Equity oder Venture Capital blieben Insidern vorbehalten; der Zugang war begrenzt, die Komplexität hoch und Daten waren kaum verfügbar. Inzwischen öffnet sich der Markt: Immer mehr Family Offices, unabhängige Vermögensverwalter und Privatbanken investieren in alternative Anlagen.
Laut einer Analyse des Finanzdaten-Spezialisten Preqin, soll das verwaltete Vermögen in Private Equity bis 2029 auf rund 11,97 Billionen US-Dollar steigen. Das wäre mehr als doppelt so viel wie 2023. Parallel dazu zeigen sich besonders starke Wachstumsaussichten im Bereich Private Debt: Dort erwarten Experten einen durchschnittlichen Ertrag von 12 Prozent zwischen Ende 2023 und 2029 – die Nachfrage im Wealth Management dürfte entsprechend hoch ausfallen.
Mandate werden komplexer
Früher schätzten Anleger diese Anlagen vor allem wegen hoher Renditechancen. Nun stehen andere Qualitäten im Vordergrund: Diversifikation, Stabilität und langfristige Wertschöpfung. In einer Zeit sinkender Zinsen, volatiler Märkte und geopolitischer Unsicherheiten erscheinen klassische 60/40-Portfolios vielen Anlegern nicht mehr ausreichend. Gefragt sind unkorrelierte, oft illiquide Vermögenswerte mit einem anderen Risiko-Rendite-Profil.
Vermögensprofis betreuen daher zunehmend komplexe Mandate. Ein Family Office kann zum Beispiel Beteiligungen an Start-ups, digitale Vermögenswerte und nachhaltige Anlagen verwalten. Oder unabhängige Wealth Manager, die HNWI mit Private-Equity- und Private-Debt-Strukturen sowie Vermögenswerte aus verschiedenen SPVs betreuen. Wealth Management wird über alle Bereiche hinweg zunehmend vielschichtig und erfordert neue technologische Lösungen, um Portfolios strukturiert und transparent abzubilden.
Drei Hürden fallen langsam
Historisch gab es drei zentrale Hürden für alternative Anlagen: Erstens der Zugang, komplexe Fondsstrukturen und hohe Mindestinvestitionen schlossen viele Anleger aus. Zweitens die Transparenz: verlässliche Daten zu Zahlungsströmen, Bewertungen und Performance waren oft schwer oder gar nicht zu bekommen. Drittens die Skalierbarkeit: manuelle Prozesse, Excel-Tabellen und nicht vernetzte Systeme erschwerten eine effiziente Verwaltung.
Doch diese Hürden fallen langsam. Neue Fondsstrukturen ermöglichen breiteren Zugang und moderne Technologien machen es möglich, illiquide Assets mit derselben Klarheit zu verwalten wie liquide Anlagen.
Plattformen mit strukturierten Datenmodellen, integrierter Buchhaltung und automatisierten Reports schaffen die Grundlage dafür, das gesamte Anlageuniversum, von börsennotierten Aktien bis zu Private Placements, in einem einheitlichen operativen Rahmen zu verwalten. Einen Technologiepartner zu haben, der diese „Single Source of Truth“ ermöglicht, ist essenziell für das erfolgreiche Management komplexer Portfolios.
Family Offices unter Druck
Gerade Family Offices galten lange als besonders erfahren im Umgang mit alternativen Anlagen, da Private Markets traditionell ein zentraler Bestandteil ihrer Investmentstrategie waren. Doch auch bei ihnen steigen die Anforderungen. Excel-Tabellen, Insellösungen und unstrukturierten Reports sind nicht mehr zeitgemäß. Sich auf dem einstigen Vorsprung auszuruhen, kann sich auch ein etabliertes Family Office nicht erlauben.
Inzwischen geht es um institutionelle Standards, Echtzeitdaten und strategische Kontrolle über zunehmend komplexe Vermögensstrukturen. Gleichzeitig erkennen unabhängige Vermögensverwalter und Privatbanken, dass der Zugang zu alternativen Investments ein wichtiger Differenzierungsfaktor sein kann, insbesondere bei vermögenden oder wachstumsstarken Kundengruppen. Private Märkte bieten die Möglichkeit, sich vom Wettbewerb abzuheben und Kundenbeziehungen zu vertiefen.
Dabei geht es jedoch längst nicht mehr nur um alternative Anlagen. Vielmehr ist der Anspruch, das gesamte Spektrum an Vermögenswerten zu beherrschen. Die Portfolios heutiger Kunden sind komplex, sie reichen über Ländergrenzen, über unterschiedliche rechtliche Strukturen und oft auch über Generationen hinweg. Die richtige digitale Infrastruktur ermöglicht es, Strategien für private Märkte skalierbar, regelkonform und transparent anzubieten.
Mehrere Vorteile durch moderne Technik
Vermögensverwalter, die sich dieser Herausforderung stellen und das gesamte Spektrum der Vermögenswerte mit der passenden Technologie managen, sichern sich eine Reihe strategischer Vorteile:
- Sie schaffen tieferes Vertrauen durch eine ganzheitliche und präzise Darstellung des Kundenvermögens.
- Sie eröffnen neue Umsatzmöglichkeiten durch maßgeschneiderte Angebote über verschiedene Assetklassen hinweg.
- Sie erreichen eine bessere Diversifikation des Kundenportfolios durch die Verbindung von Exposures in öffentlichen und privaten Märkten.
- Und sie steigern ihre Effizienz durch integrierte Daten und automatisierte Prozesse. Vor allem aber gewinnen sie neue Einblicke durch eine einheitliche Sicht auf das Gesamtportfolio.
Die Herausforderungen im modernen Portfolio-Management sind real, sie wachsen mit jedem neuen Asset und jeder regulatorischen Anpassung. Doch mit der richtigen technologischen Basis lassen sie sich bewältigen. Digitale Plattformen schaffen die strukturellen Voraussetzungen, um Transparenz herzustellen, Prozesse zu automatisieren und individuelle Kundenbedürfnisse auf einem neuen Niveau zu erfüllen. Die Zukunft der Vermögensverwaltung liegt nicht in der Hoffnung auf eine einfachere Realität, sondern in ihrer strukturierten Beherrschbarkeit.
Über den Autor:
Kai Linde gründete 2012 gemeinsam mit Philipp Pötzl und Mathias Lindermeir das Münchner Wealth-Tech-Unternehmen Qplix. Die Firma entwickelt Software für das operative Portfoliomanagement von Family Offices, Privatbanken und institutionellen Investoren.
