G20-Kompromiss im US-Handelsstreit Risiken für die Weltwirtschaft bleiben vorerst bestehen

Xi Jingping und Donald Trump (v.l.): USA und China nähern sich im Handelsstreit an. | © Getty Images

Xi Jingping und Donald Trump (v.l.): USA und China nähern sich im Handelsstreit an. Foto: Getty Images

Thomas Kruse, CIO Deutschland bei Amundi

Das G20-Treffen in Buenos Aires hat – zumindest vorübergehend – verbesserte Handelsbeziehungen zwischen den USA und China gebracht. Für drei Monate will US-Präsident Donald Trump die angedrohte Erhöhung von Einfuhrzöllen gegenüber China aussetzen. Von 10 auf 25 Prozent wären die Zölle sonst ab dem 1. Januar 2019 gestiegen.

China verpflichtet sich im Gegenzug, mehr Agrarerzeugnisse und Industrieprodukte aus den USA zu kaufen – und macht dem Weißen Haus Zugeständnisse bei weiteren sensiblen Themen. Wie Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, besteht offenbar sogar die Aussicht, dass bereits beiderseitig eingeführte Zölle zum Teil wieder zurückgenommen werden könnten.

Darüber hinaus wurde beim G20-Treffen zwischen den USA und China vereinbart: Sofortige Verhandlungen zu Themen sollen beginnen, die den USA besonders auf den Nägeln brennen. Dazu gehören unfaire Handelspraktiken, unfreiwillig erzielter Technologietransfer; etwa durch Firmenübernahmen, und Diebstahl geistigen Eigentums.

Nach dem Willen der US-Regierung sollen die Verhandlungen innerhalb der drei Monate nach dem Jahreswechsel abgeschlossen sein. Unserer Einschätzung nach könnte der Zeitraum von 90 Tagen ein- oder zweimal verlängert werden, sofern die Verhandlungen in der von den USA gewünschten Richtung vorankommen. Sollte eine endgültige Einigung fehlschlagen, werden die USA unweigerlich Importzölle auf chinesische Produkte in Höhe von 25 Prozent erheben.

US-Druck dürfte zu Reformen in China führen

Mit dem ab dem Jahreswechsel geltenden, zeitlich begrenzten Kompromiss gewinnt die chinesische Regierung wertvolle Monate, um Maßnahmen zur Bewältigung des Konjunkturabschwungs in China auf den Weg zu bringen. So sollen Reformen umgesetzt und die Öffnung der Wirtschaft und des Finanzmarktes für ausländische Kapitalgeber vorangetrieben werden.

Einzelne Reformen waren schon in der Vergangenheit geplant worden; ihre Umsetzung hatte sich jedoch teils verzögert, weil die Regierung in Peking sich gegenüber regionalen politischen Entscheidungsträgern nicht nachdrücklich genug gezeigt hatte. Durch den äußeren Druck auf China dürfte es jetzt rasch zu Effizienzsteigerungen in staatlichen Unternehmen und zu Fortschritten in der Öffnung des Finanzmarktes kommen.

Unsicherheiten und Risiken bestehen weiter

Unserer Einschätzung nach sollten Anleger sich jedoch nicht in Sicherheit wiegen. Es besteht weiterhin das Risiko, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und China wieder verschlechtern und es zu einer ernstlichen wirtschaftlichen Schwächung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft nach den USA kommt. Eine harte Landung nach den ökonomischen Höhenflügen Chinas in den vergangenen Jahrzehnten wäre eine gefährliche Gemengelage, nicht nur für die Schwellenländer, sondern auch für die Weltwirtschaft insgesamt.

Mittelfristig bleiben Unsicherheiten und Risiken deshalb bestehen. Der in Buenos Aires erzielte Deal beendet nicht die Handelsstreitigkeiten. Die Wähler von Donald Trump fordern unverändert einen weitreichenden Schutz des Agrar- und Industriesektors der USA vor ausländischer Billigkonkurrenz. Es besteht die Gefahr, dass sich die Rhetorik im Handelsstreit wieder verschärft – spätestens im Zusammenhang mit der nächsten Präsidentschaftskampagne in den USA. Die Volatilität an den Finanzmärkten, die nicht zuletzt vom spätzyklischen Umfeld geprägt sind, dürfte deshalb weiterhin hoch bleiben.

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