Die Volksbank Mittelhessen fusioniert mit der Raiffeisenbank im Hochtaunus. Nach monatelangen Verhandlungen stimmten die Vertreterversammlungen beider Genossenschaftsbanken der Verschmelzung mit deutlicher Mehrheit zu. Bereits am 18. August hatten sich 95,9 Prozent der Vertreter der Raiffeisenbank im Hochtaunus für die Fusion ausgesprochen. Acht Tage später folgte die Volksbank Mittelhessen mit einer noch höheren Zustimmung von 98,6 Prozent.
Fusion tritt rückwirkend zum 1. Januar 2025 in Kraft
Rückwirkend zum 1. Januar 2025 tritt die Verschmelzung in Kraft, während die technische Zusammenführung der IT-Systeme erst für Ende November 2025 geplant ist. Hintergrund der Fusion ist eine Schieflage der Raiffeisenbank, die sich mit Immobilienkrediten verspekuliert hatte. Entsprechende Verhandlungen zwischen beiden Instituten begannen bereits im März 2025. Medienberichten zufolge benötigt die Bank eine Stützung von 440 Millionen Euro durch die Sicherungseinrichtung des Branchenverbandes BVR.
Entstanden ist dieser Fehlbetrag durch Wertberichtigungen auf Immobilienkredite, wobei sich die Verluste 2024 auf über 500 Millionen Euro beliefen. Zwar kann die Bank einen Teil des Finanzlochs aus eigenen Vorsorgereserven decken, jedoch reicht dies nicht für eine vollständige Sanierung aus eigener Kraft.
Ursächlich für diese Verluste war eine riskante Geschäftsstrategie der Raiffeisenbank. Spezialisiert auf die Finanzierung des gewerblichen Wohnimmobilienbaus, hatte sie im Herbst 2022 einen radikalen Schritt gewagt: Alle Filialen wurden geschlossen, um stattdessen bundesweit mit Online-Banking Kunden von sich zu überzeugen. Was zunächst vom Immobilienboom profitierte, entwickelte sich mit der Marktkrise zu einem Problem.
Organisatorische Verantwortung liegt bei Volksbank Mittelhessen
Entsprechend grundlegend fällt nun die strategische Neuausrichtung aus. Nach der Fusion kehrt die Raiffeisenbank zum klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft zurück und plant gleichzeitig die Wiedereröffnung von Filialen in Oberursel und Wehrheim. Künftig wird auch das Private Banking der Volksbank Mittelhessen im Hochtaunuskreis verfügbar sein, wobei Berater vor Ort präsent werden. Erhalten bleibt hingegen der bestehende Standort in Bad Homburg.
Trotz dieser Rückkehr zu traditionellen Strukturen wird das digitale Angebot „MeineBank“ der Raiffeisenbank fortgeführt.
Die organisatorische Leitung der Volksbank Mittelhessen liegt beim Vorstand mit Peter Hanker, Lars Witteck, Michael Müller und Karen Weber. Auch Aufsichtsratschef Michael Koch übernimmt Verantwortung in diesem Bereich. Über die Zukunft des bisherigen Vorstands der Raiffeisenbank im Hochtaunus machen beide Institute bislang keine Angaben.
Mit der Eintragung der Fusion trägt das Institut weiterhin den Namen Volksbank Mittelhessen und behält seinen Hauptsitz in Gießen. Bereits mit einer Bilanzsumme von 11,6 Milliarden Euro gehört die Volksbank Mittelhessen nach eigenen Aussagen zu den zehn größten Genossenschaftsbanken in Deutschland - eine Position, die durch weitere geplante Fusionen noch ausgebaut werden soll.