Trends, Renditemöglichkeiten, Anbieter Das eine Private Debt gibt es nicht

Privatmarktanlagen sind sein Metier: Pascal N. Charles Goettmann, Mercer Investment Solutions | © Mercer

Privatmarktanlagen sind sein Metier: Pascal N. Charles Goettmann, Mercer Investment Solutions Foto: Mercer

Private Debt oder auch Alternative Credit sind Oberbegriffe für eine Gruppe ganz unterschiedlicher Anlageklassen. Allen gemein ist, dass es sich um Kredite an Unternehmen, Organisationen beziehungsweise Projekte handelt. Sie korrelieren kaum mit den traditionellen Anleihe- und Aktienmärkten. Allerdings sind die Darlehen schwer zu handeln, sprich, illiquide.

Der Leiter für Festzinsanlagen bei der Fondsgesellschaft NN Investment Partners, Han Rijken, sieht darin aber kein Problem. Im Gegenteil. Er sagt, dass die Illiquidität der Private-Debt-Märkte sowie ihre Komplexität Investoren erheblichen Spielraum eröffnen. Sie könnten durch aktives Management Zusatzrenditen generieren. Und das Interesse der Anleger ist groß.

Laut einer weltweiten Umfrage von NN Investment Partners unter 100 institutionellen Investoren, durchgeführt im Dezember 2017, steigt die Nachfrage nach Private Debt. Ein Grund für das wachsende Interesse: Investoren erwarten steigende Zinsen und wenden sich deshalb von festverzinslichen Anlageformen ab. Diese Entscheidung dürfte ihnen nicht schwerfallen, schließlich werfen Anleihen bonitätsstarker Emittenten heute kaum noch nennenswerte Renditen ab; und die Aussicht auf wieder ansteigende Kapitalmarktzinsen hängt mehr denn je wie ein Damoklesschwert über den Kursen der Festzinsanleihen. Die meisten Anlageklassen im Bereich Private Debt sind im Gegensatz dazu flexibel verzinst. 

Juristisch gesehen handelt es sich bei Private Debt um ein Darlehen. Eine Anleihe wiederum ist ein Wertpapier. Wirtschaftlich betrachtet vergeben Investoren aber wie bei einer Anleihe einen Kredit und erwarten dafür einen Zinsertrag und am Laufzeitende das geliehene Kapital zurück. Dabei greifen Anleger meist auf spezialisierte Kreditfonds zurück. Die Alternative dazu ist die bilaterale Kreditvergabe ohne zwischengeschaltete Fondsmanager. Das trauen sich aber nur wenige Anleger zu. 

Risikoanalyse aus Expertenhand 

Mithilfe von Fonds können institutionelle Investoren Mittelstandskredite vergeben, ohne eigene Kreditrisikoabteilungen aufzubauen, die für Finanzinstitute typisch sind. Europa ist als Marktplatz für Private-Debt-Fonds bis dato aber eher von untergeordneter Bedeutung. Vorreiter sind die USA. Während jenseits des Atlantiks ein Großteil der Unternehmenskredite von Kreditfonds und nicht über Banken bereitgestellt wird, ist der Anteil in Europa deutlich kleiner.

In Europa konzentrieren sich die Banken erst seit der Veröffentlichung von Basel III im Jahr 2010 auf die besseren Bonitäten in ihren Kreditportfolios. Pascal N. Charles Goettmann, Leiter Mercer Investment Solutions in Deutschland und Österreich, erläutert: „In den Bankbilanzen finden Sie nach wie vor substanzielle Portfolios, und sowohl das Bestands- als auch das Neugeschäft muss unter den neuen regulatorischen Aspekten betrachtet werden. Das bedeutet eine höhere Eigenkapitalunterlegung oder Veräußerung von Bestandsportfolios.“