Bei den geopolitischen Risiken standen in der jüngsten Vergangenheit vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die anhaltenden territorialen Streitigkeiten im Südchinesischen Meer und der schwelende Konflikt mit Taiwan im Vordergrund der Berichterstattung. Zuletzt kam noch der Ukrainekrieg hinzu, der zwar geographisch weit entfernt ist, aber dennoch wirtschaftliche Kosten in der Asien-Pazifik-Region zur Folge hätte, falls die USA mit Sanktionen auf ein Heranrücken Chinas an Russland reagieren würden.
Ein weiterer Risikofaktor ist die aktuell oft diskutierte Entflechtung von Lieferketten (Decoupling) im Zusammenhang mit der erneuten Einteilung der Welt in Blöcke. Dies könnte zu einer Abnahme des globalen Handels und zu verstärkter lokaler Produktion führen (Nearshoring/Reshoring statt Offshoring). Im Vergleich mit Europa oder den USA, dürfte Asien aber gut aufgestellt sein, um diese Entwicklung zu kompensieren. Hohes Wachstum und steigende Kaufkraft, sowie eine Zunahme des innerasiatischen Handels dürften die Nachfrage nach Logistikkapazitäten in Asien-Pazifik auch dann noch befördern, wenn weniger Güter aus Asien in andere Regionen der Welt exportiert werden.
Es ist zudem fraglich, ob die Befürchtungen im Zusammenhang mit Near- oder Reshoring tatsächlich gerechtfertigt sind, denn statt einer Rückverlagerung von Produktionsprozessen aus China nach Europa oder in die USA, wo die Produktion deutlich teurer wäre, sind derzeit eher Ausweichbewegungen in südostasiatische Niedriglohnländer, wie etwa Vietnam oder Indonesien zu beobachten.
Fazit
Die Region Asien-Pazifik wächst stärker als Europa oder Nordamerika, wobei sich vor allem der steigende Wohlstand positiv auf den privaten Konsum sowie auf den intraregionalen Handel auswirkt. Verstärkt durch aktuelle Trends, wie den expandierenden Onlinehandel und den zunehmenden Fokus auf Vorratshaltung, steigt der Bedarf an modernen zukunftsfähigen Logistikimmobilien stetig an.
Dieser hohen Nachfrage steht ein überalterter Bestand und eine unzureichende Entwicklungspipeline in vielen asiatischen Märkten gegenüber, was zu niedrigen Leerständen und kontinuierlichem Mietwachstum führt.
Während sich in Europa die Logistikrenditen auch im Vergleich zu anderen Sektoren auf einem historisch niedrigen Niveau bewegen, sind sie in Asien-Pazifik teilweise deutlich höher und weisen zudem größere Abstände zu anderen Nutzungsarten sowie zu den Fremdkapitalkosten auf, wodurch eventuelle Zinserhöhungen besser aufgefangen werden können als in Europa oder den USA. Eine gewisse Vorsicht ist aber mit Blick auf geopolitische Entwicklungen in der APAC-Region sowie auf die Situation am chinesischen Immobilienmarkt geboten.
Chancen für Investoren eröffnen sich vor allem durch die Zusammenarbeit mit panasiatischen Logistik-Entwicklern, welche die genannten Trends und Entwicklungen verstehen, über die nötige technische Expertise, vor allem aber über einen guten Zugang zu umkämpften Top-Standorten, wie Singapur, Seoul oder Tokyo, sowie zu aufstrebenden Märkten in Indien, China und Südostasien verfügen.
Über den Autor
Jakub Uleri ist bei Primera Advisors für Research und Wettbewerbsanalyse zuständig. Die Boutique unterstützt institutionelle Investoren bei Beurteilung und Auswahl von Investmentlösungen aus dem Immobilienbereich und berät internationale Fonds-Manager bei der Entwicklung von Investmentprodukten für deutschsprachige Investoren. Zuvor war er vier Jahre beim deutsch-amerikanischen Immobilieninvestmentmanager US Treuhand, sowie fünf Jahre in der Geschäftsentwicklung und Investor Relations vom Immobilienfondsanbieter Savills Investment Management tätig.
