Fuchs | Richter Prüfinstanz „Von deutschen Anbietern kommt sehr viel Standardware“

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Wie berücksichtigen die Anbieter in der Breite Nachhaltigkeitskriterien?

Vielhaber: Hier sind deutliche Unterschiede erkennbar. Einige Häuser haben sich schon intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Man kann die schweizerische Globalance nennen, die ihr Geschäftsmodell darauf aufbaut. Aber auch die Neue Bank in Liechtenstein oder Hauck und Aufhäuser. Hier kann der Kunde nachvollziehen, wie Nachhaltigkeit im Anlageprozess verankert ist. Doch nach wie vor ist eigene Nachhaltigkeitsexpertise die Ausnahme, nicht die Regel. Viele Häuser nehmen sich die Hilfe von spezialisierten Instituten bei der Auswahl der Anlagen hinzu, kommen in der Beratung aber auch nicht darüber hinaus.

Wie wollen analoge und digitale Häuser dem Niedrigzins-Dilemma begegnen?

Vielhaber: Indem sie die Kunden stärker ins Risiko führen und natürlich dann auch begleiten, wenn es auf den Märkten unruhig wird. Das wird noch eine große Herausforderung. Aber hier liegt auch eine große Chance für die Branche – die Kunden mitzunehmen, zu begleiten, Krisen und ihren Verlauf klug vorwegzunehmen. Da sehe ich den Robo-Advisor klar im Nachteil. Der Berater kann Ängste nehmen, was sehr viel wert ist. Leider hat die Branche in der Vergangenheit – insbesondere 2008 – nicht selten gekniffen, als es darauf ankam.

Wie fällt das nach vorn gerichtete Fazit aus: Laufen digitale Vermögensverwalter den etablierten Häusern weiter den Rang ab?

Richter: Wenn diese die neue Konkurrenz nicht als solche ernst nehmen, dann ja. Jedenfalls im Segment unterhalb des Wealth Managements, das vielfach erst bei liquiden Vermögen von 2 Millionen Euro beginnt. Bisher ist das vielfach so. Aber ich habe noch Zuversicht, dass die Branche zurück in die Spur findet.

Und was müssen klassische Private-Banking-Anbieter ändern, um wieder in die Spur zu finden?

Vielhaber: Zu wenige Häuser kennen ihre spezifischen Stärken. Nullachtfünfzehn braucht aber keiner mehr. Gebraucht wird Mut zur Fokussierung. Dafür müssen aber auch Strukturen verändert werden, das ist nicht einfach. Und es muss gerade auch in Deutschland wieder die Bereitschaft deutlicher werden, Individualität liefern zu wollen. Der Ehrgeiz, dem Regulator gefallen zu wollen, ist oft größer als jener, den Kunden begeistern zu wollen. Das schiefe Verhältnis müssen die Anbieter wieder ins Lot bringen.

Veranstaltungshinweis: Der Private Banking Gipfel, auf dem die Fuchs | Richter Prüfinstanz die diesjährigen Gewinner kürt, findet 2019 am 18. November in Berlin statt.

 

Über die Interviewten:
Ralf Vielhaber ist seit 1995 Verlagsleiter und Geschäftsführer des Verlags Fuchsbriefe.

Jörg Richter ist geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Richter Unternehmensgruppe, zu der unter anderem die Dr. Richter Beratungsgesellschaft gehört, die Anbieter im Private Banking und Wealth Management berät.

Zusammen bilden Vielhaber und Richter als Partner die Fuchs | Richter Prüfinstanz. Diese testet einmal jährlich das deutschsprachige Private Wealth Management, die sogenannten Tops, 2019 in der bereits 17. Auflage.