Im Alter von 86 Jahren Ehemaliger Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer ist tot

Rolf Breuer auf einer Pressekonferenz im Jahr 2001.

Rolf Breuer auf einer Pressekonferenz im Jahr 2001. Foto: Imago Images/Hans-Günther Oed

Rolf Breuer, ehemaliger Vorstandschef der Deutschen Bank, ist am Mittwoch im Alter von 86 Jahren verstorben. Das teilte das Unternehmen in einer Presseaussendung mit. Der gebürtige Bonner verbrachte nahezu sein komplettes Berufsleben bei der Deutschen Bank. Er begann seine Ausbildung 1956 in der Filiale Mainz der Süddeutschen Bank, einem der Nachfolgeinstitute der Deutschen Bank in den Nachkriegsjahren, und schloss diese 1958 in der Münchener Filiale der wieder entstandenen Deutschen Bank ab.

Nach Studium und Promotion in Rechtswissenschaften sowie Volontariaten bei zwei lokalen Banken in London und Paris kehrte er 1966 zur Deutschen Bank zurück, bei der er 1974 zum Leiter der Börsenabteilung aufstieg und 1985 in den Vorstand berufen wurde.

Aufstieg zum Vorstandschef und Rechtsstreit mit Leo Kirch

1997 wurde Breuer Nachfolger von Hilmar Kopper als Vorstandssprecher der Deutschen Bank. In seine bis Mai 2002 dauernde Amtszeit fiel mit der Übernahme von Bankers Trust im Jahr 1999 für 15,1 Milliarden DM die größte Akquisition in der Geschichte der Deutschen Bank. Im Oktober 2001 wurde unter Breuers Führung die Deutsche-Bank-Aktie an der New Yorker Börse eingeführt. Nach seiner Zeit als Vorstandssprecher leitete er von 2002 bis 2006 den Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Breuer hatte seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender vor dem Hintergrund des Rechtsstreits mit Leo Kirch beziehungsweise dessen Rechtsnachfolgern abgegeben. Die gerichtliche Auseinandersetzung begann 2002. Kirch hatte Breuer vorgeworfen, durch eine kritische Äußerung in einem TV-Interview bei Bloomberg den Zusammenbruch der Kirch-Gruppe herbeigeführt zu haben. Das Landgericht München stellte das Verfahren im Dezember 2011 gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 350.000 Euro ein. Nach Zahlungen der Deutschen Bank von 928 Millionen Euro an die Kirch-Erben, nahm das Institut Breuer und dessen Managerhaftpflichtversicherung in Regress. Breuer zahlte nach einem Vergleich 3,2 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen.

Rolf Breuer: „Mr. Finanzplatz“ und Banker „alter Schule“

Während seiner Laufbahn engagierte sich Breuer in besonderem Maß für die Stärkung des Finanzplatzes Deutschland, was ihm den Beinamen „Mr. Finanzplatz“ einbrachte. Dieses Engagement schlug sich auch in zahlreichen Ämtern nieder: Er war Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Börse, Vorsitzender des Börsenrats der Frankfurter Wertpapierbörse, Initiator und Vorstandsmitglied des Aktionskreises Finanzplatz und Präsident des Bundesverbands deutscher Banken. Er war an der Gründung des Center of Financial Studies an der Goethe-Universität Frankfurt beteiligt und wurde 2020 für sein Engagement vom Senat der Universität zum Ehrensenator ernannt. Im Jahr 2005 erhielt er die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main.

„Ich habe Rolf Breuer als Banker ‚alter Schule‘ im besten Sinne erlebt, mit klassischem Auftritt, aber auch mit enormem strategischem Weitblick“, wird Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, in einer Pressemitteilung zitiert. „Vor allem das Großkundensegment und das internationale Geschäft lagen ihm am Herzen, weil er sie als Grundlage für eine starke deutsche Wirtschaft sah. Beide Bereiche wurden in seiner Zeit deutlich gestärkt. Auch mit seinem Bemühen um den Finanzplatz hat er einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung der Gesamtwirtschaft geleistet.“

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