Frontier Markets weniger abhängig von Draghi & Co Warum Frontier Markets jetzt ein gutes Investment sind

Frontier Markets gelten als die Emerging Markets der Zukunft: meist sehr arme Länder mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen und einer unterentwickelten Wirtschaft, die aber das Potenzial für starkes Wirtschaftswachstum aufweisen. Sie zeigen damit die gleichen Charakteristika wie die Emerging Markets vor rund 20 Jahren. Das lässt Experten erwarten, dass sie sich auch ähnlich wie die Emerging Markets entwickeln werden. Beispiele für solche Länder sind etwa Tunesien, Pakistan oder auch Kenia.

Emanzipiert und wachstumsstark, aber nicht risikolos

Der Name "Frontier Markets" wurde erstmals 1992 benutzt, um die Untergruppe der Emerging Markets zu kennzeichnen, die in ihrer industriellen und wirtschaftlichen Entwicklung noch am meisten zurückliegt. Mittlerweile haben die Frontier Markets jedoch einen eigenen Platz neben den Emerging Markets eingenommen und werden nicht länger als bloße Untergruppe angesehen.

Tatsächlich unterscheiden sich Frontier Markets in einigen Punkten von Emerging Markets. So können sie oft noch stärkere Wachstumsraten erreichen als die Schwellenländer, weisen gleichzeitig aber auch höhere politische Risiken und stärkere Wechselkursschwankungen auf. Im Vergleich zu den Emerging Markets befinden sich Frontier Markets noch in einem sehr frühen Stadium der wirtschaftlichen, politischen und kommerziellen Entwicklung.

Aus Anlegerperspektive bedeutet dies: Hier liegen daher aber auch Chancen, die in den Schwellenländern längst nicht mehr zu finden sind. Denn wer jetzt in Frontier Markets einsteigt, könnte nahezu von Beginn an vom erwarteten Wirtschaftswachstum profitieren. Als besonders aussichtsreich gelten oft Aktien von Banken, Brauereien und Zementkonzernen, da mit zunehmendem Reichtum der Länder und der Bevölkerung insbesondere die Ausgaben für Infrastruktur und Konsum steigen. Kenia ist ein gutes Beispiel für die überzeugende Entwicklung mancher Märkte.

Kenia – Vorzeigestaat mit Vorliebe für Mobile Banking

Der Frontier-Markt Kenia ist die größte Volkswirtschaft im Osten der Sub-Sahara-Region. Und sie wächst weiter in großen Schritten. Im laufenden Fiskaljahr, das Mitte 2015 endet, soll nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Zuwachsrate bei 5,8 Prozent liegen und in den kommenden Jahren auf über 6 Prozent steigen. Der 45-Millionen-Einwohner-Staat hat seine Währungsreserven in den vergangenen Jahren auf ein nach IWF-Standards mehr als angemessenes Maß ausgebaut.

Die öffentliche Verschuldung liegt seit 2010 stabil bei 41 bis 42 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Juni 2014 hat Kenia seine ersten Eurobonds mit einem Volumen von 2 Milliarden US-Dollar erfolgreich bei internationalen Investoren platziert. Eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung spielt das in Kenia rapide wachsende Mobile Banking. 2013 verschaffte es bereits fast zwei Dritteln der erwachsenen Bevölkerung Zugang zu Finanzgeschäften.

Wenige Branchen auf den Aktienmärkten vertreten

Neben solchen Vorteilen stoßen interessierte Anleger bei Frontier Markets jedoch schnell auf einen weiteren Unterschied zu den Emerging Markets. Während sich die Finanzmärkte vieler Schwellenländer in den letzten Jahren zu vollwertigen Handelsplätzen entwickelt haben, ist der Finanzmarkt der meisten Frontier Markets noch unterentwickelt. In vielen Ländern gibt es nicht einmal eine eigene Aktienbörse. Die Zahl der Investoren und Aktiengesellschaften ist in den Frontier Markets nur sehr gering, so dass nur wenige Branchen auf den Aktienmärkten vertreten sind. Meist sind dies Finanzkonzerne, Telekommunikationsunternehmen und Hersteller von Konsumgütern. Entsprechend ist die Liquidität des Marktes sehr viel niedriger als in den Emerging Markets und der Markt an sich ist auch deutlich instabiler.

Somit weisen Frontier Markets für Anleger ein höheres Risiko auf als Emerging Markets. Auch Informationen über Aktiengesellschaften aus den Frontier Markets sind nur schwer zu finden, da Finanzberichte keinen internationalen Standards folgen müssen. Anleger erwartet in den Frontier Markets also eine geringere Transparenz, weniger Regulierung und eine viel niedrigere Marktkapitalisierung als in den Emerging Markets.

Geringe Korrelation – Vorteile wiegen manches Risiko auf

Es gibt aber dennoch gute Gründe für Investoren, ihr Portfolio um Frontier Markets – zusätzlich zu Emerging Markets – zu erweitern. Der Wichtigste von ihnen: die geringe Korrelation dieser Märkte mit anderen Märkten. Während sich die Schwellenländer immer weiter an die Industrienationen annähern, verlieren sie im gleichen Maß an Diversifikationspotenzial. Denn je weiter sich die Emerging Markets entwickeln, desto stärker hängen auch sie von der Geldpolitik der amerikanischen Notenbank und den Entwicklungen am US-Markt ab. Das konnten Beobachter in den vergangenen Monaten bereits deutlich erkennen.

Bei den Frontier Markets gibt es diese Abhängigkeiten noch nicht. Ihre Finanzmärkte sind noch sehr regional orientiert und reagieren vor allem auf politische und wirtschaftliche Entwicklungen im eigenen Land. Daher weisen Frontier Markets nur eine sehr niedrige Korrelation zu anderen Ländern auf – das gilt auch für die Korrelation verschiedener Frontier Markets untereinander. Damit können sie in einem diversifizierten Depot den Platz einnehmen, den früher die Emerging Markets innehatten.