Umfrage Französische Wirtschaft ist größte Gefahr für Europa

Die französische Wirtschaft ist für die Erholung Europas von der Schuldenkrise die ernsthafteste Gefahr, wie eine Umfrage unter Bankern und ihren Aufsehern in Frankfurt ergab. Die Schuldenkrise hat das Wachstum beeinträchtigt und die Arbeitslosigkeit auf Rekordhochs getrieben.

Der Ausblick für Frankreich bereite mehr Sorgen als die Perspektiven für Italien, Spanien oder Deutschland, sagten 61 Prozent der Befragten in einer elektronischen Umfrage auf einer Konferenz in der Euroraum-Finanzmetropole.

Frankreich „braucht dringend Führung”, sagte Timothy Adams, Vorstandsvorsitzender beim Institute of International Finance, in einer Podiumsdiskussion auf der Konferenz. „Es gibt zu wenig Bedenken wegen der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs”, meinte Andre Sapir, Ökonom beim Forschungsinstitut Bruegel in Brüssel, in der gleichen Runde.

Die Euroraum-Erholung ist im dritten Quartal fast ins Stocken geraten, nachdem die französische Wirtschaft überraschend geschrumpft ist und das Wachstum in Deutschland sich abgeschwächt hat. Präsident Francois Hollande ist es bisher nicht gelungen, die Unternehmensinvestitionen wieder zu beleben. Frankreich hat eine der höchsten Steuerlasten weltweit.

„In Frankreich wächst meiner Meinung nach zumindest die Einsicht, dass etwas getan werden muss”, sagte der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, im gleichen Gremium.

Einige hundert Banker, Aufseher, Unternehmenschefs und Politiker tagten in Frankfurt am letzten Tag der Euro Finance Week, der größten Finanzkonferenz in der deutschen Bankenmetropole.

An der Veranstaltung, bei der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen Gastgeber war, nahmen unter anderem EZB-Präsident Mario Draghi, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Herbert Stepic, der frühere Geschäftsführer der Raiffeisen Bank International, und Constantin von Oesterreich, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank, teil.