Es gibt Investoren, die Märkte analysieren. Und es gibt solche, die sie erleben. Mark Mobius gehörte zur zweiten Kategorie – und er hat damit ein ganzes Anlageuniversum erst sichtbar gemacht.
Nun ist der wohl bekannteste Pionier der Schwellenländer im Alter von 89 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Investmentwelt eine ihrer schillerndsten Figuren: ein Mann im weißen Anzug, mit Glatze, verschmitztem Lächeln und unstillbarer Neugier – der „Indiana Jones der Emerging Markets“.
Der Mann, der Grenzen ignoriert
Als Mobius in den 1980er-Jahren begann, für Franklin Templeton in Schwellenländer zu investieren, war das Terrain für viele institutionelle Anleger kaum mehr als ein weißer Fleck auf der Landkarte. Politische Risiken, mangelnde Transparenz, illiquide Märkte – all das schreckte die meisten ab.
Mobius hingegen stieg ins Flugzeug.
Er reiste nach Brasilien, Indien, Südkorea, in die Türkei, nach Südafrika. Er sprach mit Unternehmern, Ministern, Fabrikbesitzern. Er wollte verstehen, wie diese Volkswirtschaften wirklich funktionierten – lange bevor ESG-Checks und Vor-Ort-Due-Diligence zum Standard wurden.
Dabei wurde er selbst zur Legende: Geschichten kursieren über seinen Privatjet, in dem ein Fitnessfahrrad installiert war. Bewegung als Prinzip – körperlich wie intellektuell. Stillstand war für Mobius keine Option.
Der Architekt einer Anlageklasse
Bei Franklin Templeton baute Mobius eines der ersten globalen Teams für Schwellenländer-Investments auf. Unter seiner Führung entstanden Fonds, die eine neue Anlageklasse für institutionelle Investoren erschlossen.
Was heute selbstverständlich klingt – Emerging Markets als fester Bestandteil strategischer Asset-Allokation – war damals visionär.
Mobius’ Ansatz war dabei stets geprägt von einem tiefen Glauben an die Menschen vor Ort. Nicht nur Zahlenkolonnen, sondern Unternehmergeist, Bildung, Demografie – das waren für ihn die eigentlichen Treiber von Wachstum.
Er investierte nicht in Länder. Er investierte in Aufbruch.
Vitalität als Haltung
Wer Mobius begegnete, erinnert sich selten zuerst an seine Performancezahlen. Sondern an seine Energie.
Noch jenseits der 80 reiste er um die Welt, besuchte Unternehmen, hielt Vorträge, diskutierte Märkte. Seine Überzeugung blieb unverändert: Die Zukunft gehört den aufstrebenden Volkswirtschaften.
Während viele Investoren in Krisen den Rückzug antreten, suchte Mobius die nächste Gelegenheit. Volatilität war für ihn kein Risiko, sondern Voraussetzung.
Sein Markenzeichen – der weiße Anzug – wurde dabei fast zum Symbol: Optimismus, Klarheit, ein gewisser Trotz gegenüber den oft düsteren Narrativen über Schwellenländer.
Mehr als ein Investor
Mit Mark Mobius geht nicht nur ein Fondsmanager. Es geht ein Erzähler.
Einer, der Geschichten aus Märkten mitbrachte, die für viele lange unsichtbar waren. Einer, der Brücken schlug zwischen Kapital und Realität. Einer, der daran glaubte, dass Wachstum nicht nur in Zahlen messbar ist, sondern im Lebenswillen ganzer Gesellschaften.
Kaum jemand hat die Dynamik dieser Weltregionen so verkörpert wie dieses kleine Männlein im weißen Anzug.
Der Indiana Jones der Emerging Markets ist nicht mehr.
Seine Überzeugung aber bleibt.
