private banking magazin: Zwischen Ihrer Zeit bei Fidelity und dem Start bei Franklin Templeton lagen Monate, in denen Sie keinen neuen Arbeitgeber hatten. War das für Sie eher eine bewusste Pause oder eine Zäsur?
Alexander Barion: Weder noch. Ich war neun Monate ohne neuen Arbeitgeber, weil sich kein passender neuer Wirkungskreis ergeben hatte. Der Einstieg bei Franklin Templeton ist daher nicht nur aus beruflicher Sicht ein großer Schritt, sondern auch auf privater Ebene mit Dankbarkeit verbunden. Die Zeit war durchaus einschneidend, allerdings vor allem aus persönlichen Gründen.
Meine Frau war schwer erkrankt und auf Dialyse angewiesen; ich habe ihr schließlich eine Niere gespendet. Rückblickend lässt sich darüber gefasster sprechen. In der Situation selbst bedeutete das eine lebensbedrohlich erkrankte Partnerin, eine Organtransplantation mit allen Konsequenzen daraus, eine berufliche Pause und absehbare finanzielle Einschränkungen.
Das war zweifellos die größte Krise meines Lebens – und gleichzeitig eine Erfahrung, die den eigenen Blick auf Prioritäten nachhaltig verändert.
Was macht eine solche Phase mit dem eigenen Selbstbild, wenn man viele Jahre über Rolle, Titel und Wirkung definiert war?
Barion: Das ist eine sehr persönliche Frage. Vielleicht so viel: Mein Selbstbild hängt nicht ausschließlich an meinem Arbeitsplatz oder an einer beruflichen Rolle – auch wenn ich sehr gerne tue, was ich tue. Ich bin vierfacher Familienvater, meine Frau ist nach schwerer Krankheit auf den Weg der Genesung, und wir haben wunderbare Töchter.
Dieses private Fundament, ein stabiles Umfeld und klare Werte geben mir Halt. Gleichzeitig arbeite ich leidenschaftlich gern im Marketing der Asset‑Management‑Industrie. All das zusammen definiert mich. Genau deshalb konnte ich die Phase, von der ich gesprochen habe, bewältigen. Es gab Frustration, Zweifel und Unsicherheit – aber ich habe mich nie verloren gefühlt. Rückblickend weiß ich sehr genau, wie privilegiert ich in dieser Hinsicht bin.
Hat sich in dieser Zeit Ihr innerer Maßstab für Erfolg verändert?
Barion: Nein. Das würde bedeuten, Erfolg ausschließlich über den Beruf zu definieren. Für mich heißt Erfolg, eine stabile Familie zu haben, Kinder zu selbstständigem Denken zu erziehen und seit vielen Jahren eine intakte Ehe zu führen. Und auch beruflich erfolgreich zu sein. Das „und” ist entscheidend. Mein Job ist nur ein Teil meiner persönlichen Erfolgsgeschichte.
Wenn Sie heute zurückblicken: Waren diese Monate eher ein Zwischenraum oder ein stiller Wendepunkt?
Barion: Diese Monate waren vor allem eine Erfahrung, auf die ich gut hätte verzichten können. Sie haben meine innere Haltung nicht verändert. Im Gegenteil: Ich bin vergleichsweise gut durch diese Phase gekommen, weil mein Maßstab für Erfolg schon immer breiter war. Auch ohne Job bin ich Ehemann, Vater, Freund, Sohn, Ratgeber, Christ – und vieles mehr. Das trägt.
Wenn Sie auf frühere Gespräche zurückblicken: Welche Ihrer damaligen Aussagen zur Rolle von Marketing im Asset Management würden Sie heute noch genauso vertreten? Welche nicht mehr?
Barion: Der Grundsatz, dass Vertrauen der zentrale Wert jeder Marke ist, gilt für mich unverändert – vielleicht sogar radikaler als früher. In einer Welt, die mit strukturellem Misstrauen konfrontiert ist, ist Vertrauen kein weicher Faktor, sondern die eigentliche Währung. Was ich heute kritischer sehe, ist die starke Emotionalisierung von Kommunikation.
Ja, Menschen wollen sich verstanden fühlen, und Emotionen gehören dazu – gerade im Asset Management. Aber gute Finanzkommunikation darf sich nicht im Gefühl erschöpfen. Sie muss einordnen, erklären und Denken ermöglichen. Wenn Emotion das Denken ersetzt, verliert Kommunikation an Substanz.
Meine Haltung hat sich also nicht geändert – aber sie ist schärfer geworden: Relevanz entsteht nicht allein durch Lautstärke oder Gefühl, sondern durch Klarheit, Haltung und Verantwortung.
Hat sich Ihr Verständnis von ehrlicher oder transparenter Kommunikation in den letzten Jahren verändert?
Barion: Nein. Beides ist wichtiger denn je.
Ist Marketing heute eher Aufklärung, Beziehungspflege oder Krisenmanagement?
Barion: Marketing wie ich es begreife ist die gezielte Ausrichtung von Kommunikation, Produkten und Vertriebsunterstützung auf die Bedürfnisse der Zielgruppe. Dazu gehört, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären. Jede Marke steht immer in einer Beziehung zum Kunden – ob bewusst gestaltet oder nicht, gut oder schlecht. Und Krisen sind kein Ausnahmezustand, sondern müssen aktiv und professionell gemanagt werden.
Franklin Templeton galt lange als eher bedächtiger, zurückhaltender Player. Hat die Marke über die Jahre ihren ursprünglichen Markenkern verloren oder musste sie sich schlicht neu ausdrücken?
Barion: „Bedächtig” und „zurückhaltend” sind ja ehrlich gesagt Euphemismen für verstaubt und langweilig. Franklin Templeton hat seinen Markenkern nie verloren – er wurde nur über Jahre hinweg nicht klar genug erzählt. Die Substanz war immer da, aber sie kam am Markt nicht konsequent an. Genau das ändern wir gerade.
Mein Job und der meines Teams ist nicht, die Marke neu zu erfinden, sondern dafür zu sorgen, dass sie so wahrgenommen wird, wie sie tatsächlich ist. Das richtige Stichwort lautet daher konsequente Revitalisierung, nicht Neuerfindung.
Die Kommunikation ist zum Antritt von Christian Machts und Ihnen deutlich lauter, auffälliger und auch werblicher geworden. Ist das Ausdruck eines strategischen Neuanfangs oder der Versuch, in einem überfüllten Markt überhaupt noch wahrgenommen zu werden?
Barion: Das ist Ausdruck einer klaren Strategie. Sie wird lokal entwickelt und global abgestimmt. Teil dieser Strategie ist es, wieder sichtbarer zu werden – und ja, auch lauter, wenn man so will. Aber nicht um der Lautstärke willen. Sondern weil wir etwas zu sagen haben.