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Franklin-Templeton-Gallup-Studie Die US-Amerikaner sparen für sonnigere Tage

Straßenverkauf von gebrauchten Büchern in New York: Drei Viertel aller derzeit sparwilligen US-Amerikaner planen, in den kommenden sechs Monaten ihre Ausgaben weiterhin niedrig zu halten. | © imago images / Levine-Roberts

Straßenverkauf von gebrauchten Büchern in New York: Drei Viertel aller derzeit sparwilligen US-Amerikaner planen, in den kommenden sechs Monaten ihre Ausgaben weiterhin niedrig zu halten. Foto: imago images / Levine-Roberts

Sonal Desai, Investmentchefin Franklin Templeton Fixed Income Group

Unsere jüngste Franklin-Templeton-Gallup-Studie zeigt: Das Vertrauen der US-Haushalte scheint einen Boden gefunden zu haben, aber die Amerikaner bleiben vorsichtig: Drei Viertel der Sparwilligen planen, in den nächsten sechs Monaten weiter zu sparen (siehe Grafik). Nur knapp ein Drittel trägt sich bereits mit der Absicht, mehr für Verbrauchsgüter und Dienstleistungen ausgeben zu wollen. Noch weniger denken daran, Geld für weniger wichtige Ausgaben wie Reisen oder Urlaub zu verwenden (etwas mehr als jeder Zehnte). Gleichzeitig hat es sich nur einer von zehn Befragten zum Ziel gesetzt, kurzfristig Schulden zu tilgen. Zusätzliche Einnahmen werden meist als Reserve zur Seite gelegt, vermutlich für den Zeitpunkt, an dem die Pandemie und die wirtschaftliche Unsicherheit abgeklungen sein werden – sobald es soweit ist, könnten die Verbraucherausgaben rasch wieder ansteigen. Die Amerikaner, so scheint es, sparen für sonnigere Tage.

Deutlich wird auch, dass die Bereitstellung eines wirksamen Impfstoffs oder einer wirksamen Behandlung den größten Einfluss auf die Bereitschaft der Verbraucher hätte, wieder in vollem Umfang zu ihren normalen Ausgabengewohnheiten zurückzukehren. Die jüngsten Studienergebnisse zeigen, dass die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bei 71 Prozent der Amerikaner die Bereitschaft zur Rückkehr zu einem normalen Ausgabeverhalten beeinflussen würde; die entsprechende Zahl für eine wirksame Behandlung ist mit 64 Prozent ebenfalls sehr hoch. Im Gegensatz dazu hätte selbst ein deutlicher Rückgang der lokalen Neuerkrankungen und Todesfälle einen geringeren Einfluss auf das Vertrauen (wie nur jeder vierte Befragte meint).

Die meisten Amerikaner wünschen sich parteiübergreifend neue, weitreichende finanzielle Unterstützung durch die Regierung. Wir finden jedoch keine Anzeichen dafür, dass eine Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung die Masse der Menschen von der Arbeit abhalten würde, da die überwiegende Mehrheit langfristige Beschäftigungssicherheit vorzieht – selbst wenn die staatliche Unterstützung vorübergehend das reguläre Lohn- und Gehaltseinkommen übersteigt.

Drei Gründe für ein verbessertes Verbrauchervertrauen

Die Studienergebnisse liefern drei ermutigende Anzeichen dafür, dass das Vertrauen der Haushalte zumindest einen Boden gefunden hat:

Die Amerikaner sind im Juli und August ihren Alltagsaktivitäten treu geblieben. Die im Juli gemeldeten erhöhten Covid-19-Fallzahlen scheinen nicht zu einer anhaltenden Einschränkung der Aktivitäten geführt zu haben. Und: Im August ist die Zahl der Neuansteckungen trotz unveränderter Aktivitäten wieder zurückgegangen.

Das Tragen von Masken hat im ganzen Land weiter zugenommen und beläuft sich bereits auf mehr als 90 Prozent. Damit setzt sich ein ermutigender Trend fort, den Gallup-Daten seit den Monaten April und Mai festgestellt haben, übrigens mit zu vernachlässigenden Unterschieden zwischen Republikanern und Demokraten.

Gleichzeitig befürwortet eine starke Mehrheit der Amerikaner weitere Hilfspakete der Regierung. Mehr als 80 Prozent der Demokraten sowie 64 Prozent der Republikaner und 66 Prozent der Unabhängigen sind für eine weitere einmalige Zahlung im Rahmen des „Economic Impact Payment“. Hierbei befürwortet eine parteiübergreifende Mehrheit eine Zahlung von 900 US-Dollar oder mehr: Die Masse der Wähler weiß, dass die US-Wirtschaft weiterhin vor großen, aber vorübergehenden Schwierigkeiten steht.

Persönliche Relevanz von Covid-19 ist von der politischen Einstellung abhängig

Interessanterweise bestätigt die Studie, dass die politische Zugehörigkeit weiterhin eine primäre Rolle bei der Wahrnehmung des Covid-19-Risikos spielt. Sogar das Vorherrschen des Virus in der eigenen Region ist weitaus weniger relevant: Unter den Demokraten sind 35 Prozent sehr besorgt, dass sie sich mit Covid-19 infizieren könnten, im Vergleich zu 19 Prozent der Republikaner und 23 Prozent der Unabhängigen. 41 Prozent der Demokraten sind sehr besorgt, dass sie ernsthafte gesundheitliche Folgen erleiden würden, wenn sie sich mit Covid-19 infizieren würden, im Vergleich zu 22 Prozent der Republikaner und 28 Prozent der Unabhängigen.

Zudem neigen die Amerikaner immer noch dazu, das Sterberisiko durch Covid-19 für jüngere Menschen stark zu überschätzen, während sie das Risiko für ältere Altersgruppe unterschätzen. Diese Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung des Covid-19-Risikos und der tatsächlichen Sterblichkeitsstatistik hat erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen: Diejenigen, die sich mehr Sorgen über eine Ansteckung machen, sind weniger geneigt, sich wirtschaftlich zu betätigen und die Wiedereröffnung von Schulen und Unternehmen zu unterstützen. Unsere jüngste Umfrage zeigt, dass nur diejenigen Amerikaner, die davon ausgehen, dass die Pandemiesituation „viel besser wird“, deutlich eher bereit sind, nicht lebensnotwendigen Aktivitäten wie der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Hotelübernachtungen oder dem Besuch eines Restaurants, Fitnessstudios oder Friseursalons nachzugehen.

Eines wird daher deutlich: Die Bereitstellung von sachlichen, fundierten Informationen über die Covid-19-Risiken dürften den Menschen in den USA eine bessere Entscheidungsgrundlage bieten und die Wiederherstellung des Vertrauens und damit letztlich ein Wiederanziehen der Wirtschaft bewirken und die vollständige Normalisierung der Wirtschaftstätigkeit beschleunigen.