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Franklin Tempelton Investments zu Europa Italien ist das größte Finanzrisiko im Euroraum

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An Strukturreformen in Italien führt kein Weg vorbei

Eine Stärkung des Wirtschaftswachstums in Italien kann meiner Meinung nach nur durch Strukturreformen erreicht werden. Beispielsweise durch eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, einer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes sowie einer Straffung des öffentlichen Sektors. Doch leider scheint Italien unter Reformmüdigkeit zu leiden. Denn bisher hat das Land nicht einmal versucht, die erforderlichen Wirtschaftsreformen umzusetzen.

Italiens Unfähigkeit, seine tiefsitzenden strukturellen Probleme anzugehen, verdanken wir das größte Finanzrisiko im Euroraum. Doch Italien ist kein Einzelfall. In Frankreich etwa haben die Reformbemühungen zu einer breiten Gegenreaktion in der Bevölkerung geführt. Das wirft Fragen über die Umsetzung der Reformen auf.

Schließlich ist noch die Flüchtlingskrise in Deutschland zu erwähnen. Diese hat angesichts der großen Unterschiede bei der Wirtschaftsleistung und bei den Lebensstandards unweigerlich die vorhandenen Gräben zwischen den Staaten vertieft und die politischen Spannungen erhöht.

Die jüngste Europawahl hat bestätigt, dass eine Neugestaltung des Integrationsprozesses in den kommenden Jahren fast unmöglich sein wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Zerfall der EU die unausweichliche Folge ist. Im Gros der Länder ist der Rückhalt der Bevölkerung für die EU-Mitgliedschaft weiterhin stark.

Dennoch wissen Europas Regierungen nur allzu gut, dass bei einer Auflösung des gemeinsamen Währungsraums exorbitante wirtschaftliche Kosten entstehen würden. Meiner Einschätzung nach werden sie alles in ihrer Macht Stehende tun, um das zu verhindern – auch dann, wenn Italien unter Marktdruck geraten sollte.

Höhere Zinsen würden Italiens Schieflage verschärfen

Betrachtet man den Ausgang der Europawahl 2019, dürfte der Handlungsspielraum der EZB durch die Dominanz der Fiskalpolitik weiter eingeschränkt bleiben. Immerhin tragen fünf Länder eine Schuldenlast von mehr als 100 Prozent des BIP, während elf Staaten die 60-Prozent-Marke überschritten haben. Vor diesem Hintergrund würden höhere Zinsen eine enorme Belastung für die Haushalte der Mitgliedstaaten bedeuten – und Italiens Notlage weiter verschärfen.

Zwar verringern die niedrige Inflation und die ebenfalls niedrigen Inflationserwartungen für den Moment die Dringlichkeit des Problems. Dennoch ist es für mich bezeichnend, dass beim ersten Anzeichen einer Verlangsamung des italienischen Wachstums die EZB ihre Geldpolitik gelockert und die Liquiditätsunterstützung für den Bankensektor ausgeweitet hat.

Darum möchte ich mit einer Lektion für Anleger schließen, die ich schon seit einer Weile immer wieder hervorhebe. Sie lautet: Differenzierung ist alles. Spanien hat bei der Wirtschaftsleistung Italien überholt. Das wird sich vermutlich auch weiterhin in den Anlagepreisen niederschlagen.

Ich bin der Überzeugung, dass Europa mindestens noch einige Jahre gespalten bleiben wird. Die zwei wichtigsten Konsequenzen darauf sollten meiner Einschätzung nach eine stärkere Differenzierung zwischen den einzelnen Ländern sowie schwächere Erwartungen gegenüber dem Euro sein.