Aus Gründen der Diversifizierung blicken Anlegerinnen und Anleger verstärkt über traditionelle Märkte hinaus. Die Forstwirtschaft zieht dabei Aufmerksamkeit auf sich – als alternative Anlageklasse und als Beitrag für den Klimaschutz. Holz, das seit schon langem wegen seiner Verwendbarkeit in der Bauindustrie und in der Fertigung geschätzt wird, gilt heute als strategische Ressource für den Übergang zu einer Netto-Null-Wirtschaft.
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Aus Gründen der Diversifizierung blicken Anlegerinnen und Anleger verstärkt über traditionelle Märkte hinaus. Die Forstwirtschaft zieht dabei Aufmerksamkeit auf sich – als alternative Anlageklasse und als Beitrag für den Klimaschutz. Holz, das seit schon langem wegen seiner Verwendbarkeit in der Bauindustrie und in der Fertigung geschätzt wird, gilt heute als strategische Ressource für den Übergang zu einer Netto-Null-Wirtschaft.
Unser Research zeigt, dass der Klimawandel die globalen Holzmärkte neu gestalten wird. Für Private-Banking-Kunden, die nach nachhaltigem, langfristigem Wachstum suchen, bringt das sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich.
Ein Markt am strukturellen Wendepunkt
Der globale Holzmarkt steht vor einer Phase beispielloser Veränderungen. Bei Nadelholz-Schnittholz – dem bekannten 2x4-Bauholz, das eine zentrale Rolle in der Bauindustrie spielt – verschärft sich das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Laut Gresham House Global Timber Outlook 2025 könnte die Nachfrage bis 2050 im Vergleich zu 2022 voraussichtlich um 50 bis 80 Prozent steigen. Dieser Anstieg wird von drei starken Faktoren getrieben: dem globalen Bevölkerungswachstum, dem enormen Bedarf an Wohnraum und dem Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft.
Das Angebot an Holz kann damit jedoch nicht Schritt halten. Selbst unter günstigen Bedingungen wird das Wachstum bis Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich nicht mehr als 10 Prozent betragen. Die Triebzeit von Holz beträgt in der Regel 30 bis 100 Jahre. Das bedeutet, dass die heute gepflanzten Bäume erst in Jahrzehnten ihre Reife erreichen werden. Störungen wie Feuer, Schädlinge, Dürre oder Stürme erhöhen das Risiko für den Wald zusätzlich. Die Folge ist eine drohende Lücke, die die Holzpreise nach oben treiben könnte – eine Entwicklung mit erheblichen Auswirkungen für Investoren und politische Entscheidungsträger gleichermaßen.
Die CO2-arme Bilanz von Holz
Die Bauindustrie ist für fast 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und mehr als ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich, was vor allem auf die Verwendung von Stahl und Beton zurückzuführen ist. Holz bietet eine überzeugende Alternative. Es bindet CO2 nicht nur während seines Wachstums, sondern speichert es noch jahrzehntelang, wenn es in Gebäuden verwendet wird. Eine Vergleichsstudie ergab, dass ein Holzbalken CO2 absorbierte, während entsprechende Beton- und Stahlbalken 30 bis 45 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Meter ausstießen.
Innovationen wie Massivholz – technisch hergestellte Schichten aus gepresstem Holz – erweitern die Möglichkeiten des Materials. Massivholz hat eine mit Stahl vergleichbare Festigkeit, eine höhere Feuerbeständigkeit als viele vermuten und einen deutlich geringeren CO2-Gehalt. Seine Verwendung in Hochhausprojekten von Toronto bis Tokio signalisiert eine steigende Akzeptanz im traditionellen Bauwesen. Modulares Wohnen – eine weitere Innovation – bietet effiziente, vorgefertigte Lösungen, die Nachhaltigkeit mit Schnelligkeit verbinden und die Nachfrage nach Schnittholz weiter steigern.
Klimadynamik: Risiken und Widerstandsfähigkeit
Der Klimawandel erhöht zwar die Nachfrage nach Holz als CO2-armem Material, bedroht aber auch das Angebot. Steigende Temperaturen und sich verändernde Niederschlagsmuster erhöhen die Risiken durch Waldbrände, Dürren, Windbruch, Schädlinge und Krankheitserreger.
Andererseits können einige Klimadynamiken unerwartete Vorteile mit sich bringen. Ein höherer CO2-Gehalt in der Atmosphäre kann das Baumwachstum stimulieren; einige Studien ermittelten einen Anstieg des Holzvolumens um 13 bis 21 Prozent.
Allerdings sind solche Gewinne ungleichmäßig verteilt und werden durch mögliche Störungen zunichte gemacht. Das unterstreicht, wie wichtig eine aktive Waldbewirtschaftung ist. Maßnahmen wie eine selektive Züchtung zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit, Systeme zur Überwachung von Waldbränden und eine sorgfältige Standortauswahl werden für die Sicherung langfristiger Erträge immer wichtiger.
Die Politik und die Märkte denken um
Die Politik reagiert auf den Klimawandel und die Wohnungsknappheit mit Maßnahmen, die sich direkt auf die Forstwirtschaft auswirken. Amsterdam etwa hat angeordnet, dass ab diesem Jahr 20 Prozent der neuen Wohnungen aus Holz oder anderen biobasierten Materialien gebaut werden müssen. Für die Olympischen Spiele 2024 in Paris mussten alle Gebäude mit weniger als acht Stockwerken in modularer Holzbauweise errichtet werden. Gleichzeitig verschärft die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte die Anforderungen an Lieferketten und erhöht die Nachfrage nach zertifiziertem, nachhaltig bewirtschaftetem Holz.
CO2- und Biodiversitätsmärkte sind ein weiterer starker Einflussfaktor. Die regulierten CO2-Märkte erreichten 2023 einen Wert von 900 Milliarden US-Dollar, während der freiwillige Markt bis 2030 voraussichtlich um das Fünf- bis Zwanzigfache steigen wird. Für die Forstwirtschaft ergeben sich daraus zwei Chancen: Einnahmen aus CO2-Zertifikaten und höhere Bewertungen von Vermögenswerten, die nach strengen Umweltstandards zertifiziert sind. Allerdings kann das auch zu einer Verknappung des Angebots führen, weil bestehende Wälder für die CO2-Speicherung wertvoller werden könnten als für die Abholzung.
Auswirkungen auf Investoren
Private-Banking-Kunden bietet die Forstwirtschaft eine seltene Kombination aus finanziellen, ökologischen und sozialen Erträgen. In der Vergangenheit erzielten Waldflächen wettbewerbsfähige Renditen mit geringerer Volatilität als Aktien und wiesen gleichzeitig eine niedrige Korrelation mit anderen Anlageklassen auf. Das biologische Wachstum sorgt für eine stetige Wertentwicklung und bietet einen natürlichen Inflationsschutz.
Für die Zukunft deutet das prognostizierte Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf stetig steigende Holzpreise hin, von denen gut bewirtschaftete Forestry Assets profitieren könnten. Über die traditionellen Einnahmen aus der Holzgewinnung hinaus entstehen neue Ertragsquellen aus Partnerschaften bei erneuerbaren Energien, Ökotourismus, strategischer Landnutzung und Zahlungen für Ökosystem-Dienstleistungen.
Gleichzeitig gewinnen ESG-Aspekte an Bedeutung. Investoren und Stakeholder erwarten zunehmend, dass Forestry Assets hohe Nachhaltigkeitsstandards erfüllen, was zu einem Preisaufschlag für zertifizierte Waldflächen führt. Verbesserte Offenlegungs- und Berichtspflichten werden den Sektor zusätzlich prägen und den finanziellen Wert mit den Auswirkungen auf das Klima in Einklang bringen.
Diversifizierung und langfristiger Wert
Forstwirtschaft bleibt im Kern eine langfristige Anlageform. Die heute gepflanzten Bäume können möglicherweise erst 2050 oder später abgeholzt werden, was auf natürliche Weise mit generationenübergreifenden Vermögensstrategien im Einklang steht. Private-Banking-Kunden, die Diversifizierung suchen, bietet diese Anlageklasse stabile Cashflows, Inflationsschutz und Widerstandsfähigkeit gegenüber Marktvolatilität.
Die langen Zeiträume bedeuten jedoch auch, dass die heutigen Entscheidungen der Politik und der Investoren die Ergebnisse von morgen bestimmen. Proaktive Aufforstung, nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Integration in die CO2-Märkte werden entscheidend sein, um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen. Die Rolle von Holz beim Übergang zur Netto-Null-Emissionswirtschaft ist nicht optional: Sie ist von zentraler Bedeutung für die Erfüllung der Klima- und Wohnraumbedürfnisse in einer sich rasch urbanisierenden Welt.
Fazit
Forstwirtschaft ist nicht länger eine Nische unter alternativen Investments, sondern ein strategischer Vermögenswert im globalen Kampf gegen den Klimawandel. Auf Grund der steigenden Nachfrage, des begrenzten Angebots und eines starken politischen Rückenwinds kann Holz dazu beitragen, systemische Herausforderungen zu lösen. Es nimmt eine wichtige Stellung auf dem Weg zur Netto-Null-Wirtschaft ein – als Baumaterial und als Grundlage für nachhaltige Investments.
Mit einem verwalteten Forstvermögen von mehr als 3,4 Milliarden Pfund (knapp 4 Milliarden Euro) in Großbritannien, Europa und Australasien und über 40 Jahren Erfahrung ist Gresham House einer der größten globalen Manager für Forst- und Naturkapital. Private-Banking-Kunden, die nach Renditen im Einklang mit Nachhaltigkeit suchen, finden in der Forstwirtschaft eine überzeugende Mischung aus finanzieller Performance, Klimaschutz, Diversifizierung und Portfolio-Resilienz.
Über den Autor:
David Gardner arbeitet als Investmentchef Fortwirtschaft (CIO Forestry) für die Investmentgesellschaft Gresham House.
