Am 14. September spricht Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil mit Andrea Orcel, dem Vorstandschef der Unicredit. Am 3. September – rund zwei Wochen zuvor – traf sich Boris Rhein, Ministerpräsident von Hessen, mit Orcel. Das geht aus Berichten von Reuters und der DPA hervor.
Die Unicredit hält inzwischen gut 48 Prozent der Anteile an der Commerzbank. Die Europäische Zentralbank (EZB) gab im August bekannt, es bestehe kein Grund zur Ablehnung der Kontrollübernahme durch die Unicredit.
Rund 12 Prozent der Anteile hält die Bundesrepublik Deutschland aktuell an der Commerzbank. Den Ausschlag gab die Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009. Die Staatsvertreter haben demnach ein Mitspracherecht.
Der rechtliche Sitz der Commerzbank und der Vorstand sollen laut Rhein in Frankfurt bleiben. Die deutsche Tochtergesellschaft der Unicredit, die Hypovereinsbank, hat ihren Sitz in München. Auch Klingbeil will die Bedeutung des Frankfurter Instituts gegenüber Orcel betonen, wie Reuters unter Berufung auf einen Informanten berichtete. Zudem soll es in dem Gespräch zwischen Bundesregierung und Unicredit um die Rolle der Commerzbank bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft gehen.
Unicredit dürfe das Firmenkundengeschäft laut Rhein zudem nicht an die Hypovereinsbank übertragen. Das Firmenkundensegment steigerte seine Erträge im zweiten Quartal 2026 innerhalb eines Jahres um 6 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro, wie die Commerzbank mitteilte. Damit machte es im ersten Halbjahr rund 40 Prozent der Gesamterträge der Commerzbank aus. Rhein hat Grund zur Besorgnis. Unicredit-Chef Orcel will ab 2027 rund 7.000 Vollzeitstellen abbauen, wie der Unlocked-Strategie zu entnehmen ist.
Bettina Orlopp spricht über möglichen Rücktritt
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sagte auf einem Austauschformat für Banken vom Handelsblatt, dass ihr Vertrag bis Ende 2029 laufe. Sie betonte, ein Vertrag sei nur dann sinnvoll „wenn es erstens eine Vertrauensbasis zwischen dem Aufsichtsrat und dem Vorstand gibt und zweitens, wenn man sich über die Strategie einig ist.“ Sie machte klar: „Wenn es nicht der Fall ist, dann muss man die Konsequenzen daraus ziehen.“
Orlopp führt die Commerzbank seit rund zwei Jahren. Ihr wird ein ruhiges und geordneter Umgang mit dem Übernahmekampf der Unicredit nachgesagt.