PGIM-Studie Selektoren gehen neue Wege bei ESG-Fonds

Thiemo Volkholz

Thiemo Volkholz: Der Chef für Dach-Mandate bei PGIM wertet die Ergebnisse einer Umfrage aus. Foto: PGIM Investments

Fondsselektoren kommen nicht mehr an ESG-Kriterien bei ihrer Auswahl vorbei. Aber was ist ihnen wichtig, wonach gehen sie vor und welchen Ansatz bevorzugen sie? Hierzu hat PGIM Investments eine umfassende Studie unter 130 sogenannten Gatekeepern bei führenden europäischen Finanzdienstleistern durchgeführt. Zentrale Ergebnisse: Entscheidungsträger großer europäischer Vermögensverwalter stellen bei der Auswahl von ESG-Anleihenfonds die Einhaltung von ESG-Standards über die Performance. Daraus lässt sich schließen, dass Fondsselektoren bereit sind, für ESG-Fonds einen Aufschlag zu zahlen. Auch die Kosten sowie das Risikomanagement spielen bei der Auswahl eine deutlich geringere Rolle.

Gut zwei Drittel der befragten Fondsselektoren gaben an, dass sie auf Basis einer transparenteren und detaillierteren Berichterstattung der Anbieter mehr in ESG-Fonds im Fixed-Income-Bereich investieren würden. Die Studienteilnehmer wünschen sich vor allem eine klarere, einheitliche Terminologie und einheitliche Standards. Hier müssen die Anbieter noch nacharbeiten. Weniger als die Hälfte der Gatekeeper gaben an, ESG-Ratings für glaubwürdig zu halten und lediglich ein Drittel meinte, dass Fonds mit gutem ESG-Rating besser performen würden als jene mit einem niedrigeren ESG-Rating. Es besteht demnach ein großer Handlungsbedarf, um Glaubwürdigkeitsdefizite auszugleichen.

Wunsch nach strenger Auslegung

Fondsselektoren wünschen sich für die Umsetzung der Asset Allocation eine breite Palette an Fonds zur Auswahl. So äußerten sich fast zwei Drittel dahingehend, dass Asset Manager mit ihrem Angebot das gesamte Spektrum festverzinslicher Wertpapiere abdecken sollten. Besonders ausgeprägt ist diese Anforderung bei den Gatekeepern in der Dach-Region und in Großbritannien. Hier besteht ein echtes Differenzierungspotenzial für Asset Manager: Mehr als sechs von zehn Fondsselektoren geben an, dass Manager ihre Angebote von der Konkurrenz abheben können, indem sie eine ganze Palette an ESG-Fonds in allen Sektoren der Anleihenmärkte auflegen.

Entscheidende Hinderungsgründe für die Berücksichtigung von ESG-Anleihenfonds sind, so die Meinung von rund 70 Prozent der Befragten, dass die von Fondsanbietern verwendeten ESG-Kriterien subjektiv, uneinheitlich, unzuverlässig und wenig glaubwürdig seien. Daher wünschen Gatekeeper, dass SFDR-klassifizierte Fonds (Klassifizierung nach der SFDR-Verordnung der EU, Sustainable Finance Disclosure Regulation) in den Empfehlungslisten einen hohen Stellenwert bekommen. Fast die Hälfte erwartet, dass die Fondslisten entweder nur die mit besonders strengen Kriterien arbeitenden Artikel 8- und/oder Artikel 9-Fonds (Impact-Fonds) enthalten oder Artikel 8- und/oder 9-Fonds mit einem begrenzten Engagement in Artikel 6-Fonds. Diese Präferenzen zeigen sich besonders deutlich bei den Dach-Gatekeepern.

Aktiver Management-Ansatz wird bei ESG-Fonds favorisiert

Mehr als drei Viertel der Gatekeeper geben an, dass sie im Fixed-Income-Bereich hauptsächlich aktiv verwaltete ESG-Fonds auswählen. Lediglich 18 Prozent gaben an, dass sie sich hauptsächlich für passive Fonds entscheiden. Insbesondere Dach-Gatekeeper und jene Entscheider, die bereits ESG-Fonds nutzen, bevorzugen aktiv verwaltete Fonds. Als Gründe werden beispielsweise eine höhere Flexibilität bei der Berücksichtigung von ESG-Themen aufgeführt oder die Fähigkeit unsichere Marktphasen besser zu bewältigen.

Über den Gastautor:
Thiemo Volkholz ist Leiter der Mandate in der Dach-Region bei PGIM Investments. Seine Karriere begann Volkholz bei Mainfirst. Später wechselte er zur Capital Group, von der er dann zu PGIM Investments ging.