Fondsselekteure, Teil 2: Hauck & Aufhäuser „Darum setzen wir auf Fondsboutiquen“

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Multi-Asset-Fonds erzielen in Deutschland seit Jahren extrem hohe Mittelzuflüsse. Während der jüngsten Börsen-Turbulenzen ist es vielen nicht gelungen, das Risiko ausreichend zu begrenzen, was viele Investoren enttäuscht hat. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für Multi-Asset-Manager?

Segler: Sowohl die Erfassung und Analyse von potenziellen Risiken, als auch die Umsetzung mittels einer taktischen Asset-Allocation und dem Einsatz von Derivaten erachten wir als Herausforderungen im Management von Multi-Asset Fonds.

Welche Methoden des Risikomanagements favorisieren Sie und welche Methoden haben sich aus Ihrer Sicht nicht bewährt?

Segler: Wir setzen bei unseren Multi-Asset Produkten ein mehrstufiges Risiko-Overlay ein, welches auf den Value-at-Risk, den Drawdown und ein Risiko-Budget zurückgreift. Allerdings sind diese unterschiedlichen Parameter immer im Verbund zu betrachten und niemals einzeln für sich. Wir nutzen eine Kombination von Risiko-Parametern, um das gewährte Risiko im Portfolio und die Investitionsquote zu bestimmen.

Welche Trends in der Asset-Management-Industrie sehen Sie positiv, welche negativ?

Segler: Der Vertrieb von Anlageprodukten über das Internet befindet sich zwar noch in einem frühen Stadium, wird aber unserer Meinung nach die Asset-Management Industrie nachhaltig beeinflussen. Zahlreiche kleinere Fintechs haben sich bereits in diesem schnell wachsenden Markt positioniert. Wir sehen im digitalen Vertrieb ein großes Potenzial und haben uns mit der Übernahme des Anbieters easyfolio bereits frühzeitig in diesem Bereich positioniert.

Ein Trend den wir in der Fonds Analyse als kritisch erachten, ist die zunehmende Orientierung an Benchmarks. Das Ziel aktiven Managements ist es, eine Benchmark in einer definierten Periode zu übertreffen. Jüngste Untersuchungen belegen die hohe Benchmarkorientierung und den geringen Active Share vieler Fonds. Fonds die zu nahe an ihrer Benchmark liegen, laufen Gefahr durch passive Produkte ersetzt zu werden, da die hohe Gebühr für das aktive Management nicht mehr gerechtfertigt ist.  

Was hat sich in Ihrer Fondsbewertung durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld geändert?

Segler: Der Prozess der Fondsbewertung hat sich durch das Niedrigzinsumfeld nicht verändert. Allerdings zeigen sich aufgrund der niedrigen Renditen und der zunehmenden Marktvolatilität zunehmend deutliche Unterschiede in der Wertentwicklung von vormals erfolgreichen Strategien, gerade bei den Absolute-Return- und Mischfonds. Diese veränderten Gegebenheiten berücksichtigen wir in unserer Analyse entsprechend.

Wie bewerten Sie den Erfolg der sogenannten Fondsboutiquen? Was ist deren Vor- oder Nachteil?

Segler: Es gibt zahlreiche sehr erfolgreiche Fondsboutiquen am Markt, wovon auch viele bekannte Namen aus Deutschland stammen. Auch wir setzen Fonds zahlreicher Fondsboutiquen ein. Sie profitieren von ihrer Unabhängigkeit und setzen häufig spezielle Strategien um. Die Boutiquen sind damit häufig der Treiber von Innovationen im Fondsbereich. Die Produktpaletten der großen Häuser ähneln sich dagegen häufig.

Der Nachteil von Fondsboutiquen ist deren geringe Vertriebskraft. Insbesondere kleinere ausländische Anbieter nehmen häufig die Unterstützung von Consultants wahr und bieten keinen direkten Service in Deutschland.

Eine Möglichkeit, die Unabhängigkeit zu bewahren und gleichzeitig von einem schlagkräftigen Vertrieb zu profitieren, ist die Eingliederung einer Boutique unter das Dach eines großen Asset Managers unter Beibehaltung der Unabhängigkeit der Boutique. Die fortlaufende Gewährleistung der Unabhängigkeit von Boutiquen in Investment Management Entscheidungen ist uns sehr wichtig.

Was ist Ihre Meinung zur Diskussion aktive versus passive Investments?

Segler: Sowohl für aktive als auch für passive Produkte gibt es eine Daseinsberechtigung. Wir selbst setzen aktive und passive Produkte in unseren Portfolios ein. Passive Produkte eignen sich besonders um die Gewichtung von Anlageklassen, Regionen und Rentensegmenten zügig und passgenau anzupassen.

Viele Strategien oder Nischenmärkte sind jedoch nur über aktive Fonds umsetzbar. Hocheffiziente Märkte wie der US-Aktienmarkt können problemlos auch über ETFs abgebildet werden. In weniger effiziente Märkten wie den Schwellenländern empfiehlt sich der Einsatz von aktiven Fonds.