Fondsselekteur über Absolute-Return-Fonds „Wenn die Korrelation zu hoch ist, lassen wir die Finger davon“

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Ist das in der Regel eher ein Soft Closing oder ein Hard Closing?

Marnett: In der Regel ist es ein Soft Closing, um die Zuflüsse des Fonds zu beschränken und einem Hardclosing vorzubeugen. Die Schließungen sind in der Regel volumenbezogen. In letzter Zeit haben die Volumina in Absolute-Return-Fonds signifikant zugenommen. Letztes Jahr sind sie um über 40 Prozent angestiegen, überwiegend im Equity-Long-short-Bereich. Gerade diese Fonds reagieren sehr sensibel auf Volumenanstiege. Auch Multi-Asset-Fonds waren im letzten Jahr stark gefragt.

Wie sieht es in diesem Jahr aus?

Marnett: Dieses Jahr stagnieren die Nettomittelzuflüsse bei Multi-Asset etwas. Aber Equity Long-short wird nach wie vor nachgefragt. Das sind die beiden Bereiche, die die höchsten Volumenzuwächse in jüngster Vergangenheit hatten. Im Equity-Long-short- – oder marktneutralen – Bereich kam es Ende letzten Jahres und in diesem Jahr vermehrt zu Fondsschließungen.

Und wie gewissenhaft gehen Asset Manager an das Thema heran: Werden Fonds auch wirklich geschlossen, wenn kritische Volumengrößen erreicht werden - oder wird da oft zu lange abgewartet?

Marnett: Als Fondsmanager möchte man ja schon aus eigenem Interesse eine gute Performance erzielen. Und wenn das wegen des großen Volumens nicht geht, weil man die Preise am Markt verzerrt oder keine günstigen oder interessanten Titel kaufen kann, schadet man sich selbst.

Andererseits ist es aber auch schmeichelhaft, so viele Gelder einzusammeln. Das spricht ja sehr für den Fonds.

Marnett: Richtig. Schließungen treffen aber auch den eigenen Vertrieb, der gern immer viel einsammeln möchte. Aber die Fondsmanager, die wir kennen, sind in der Regel nicht direkt daran gebunden. Das sind aber auch die Fragen, die wir an das Management stellen: Wann sind Ihre Kapazitätsgrenzen erreicht? Halten Sie diese ein? Wenn der Fonds sehr groß geworden ist, fragen wir nach: Sie wollten doch bei einer Milliarde schließen, wie sieht es aus?

Kommt es vor, dass bei großem Volumen auch mal der Zeitpunkt zur Fondsschließung verpasst wird?

Marnett: Nein, eigentlich nicht.

Können Sie uns ein paar attraktive Absolute-Return-Fonds nennen, die im Moment noch investierbar sind?

Marnett: Zum Beispiel der Old Mutual Global Absolute Return Fonds. Dahinter steckt ein globaler, systematischer, marktneutraler Absolute-Return-Ansatz. Er ist sehr breit diversifiziert, enthält über 800 Titel und arbeitet mit Long-short-Positionen im Aktiensegment. Auch dieser Fonds hat mittlerweile ein hohes Volumen. Wir haben außerdem auf der Global-Macro-Seite einen interessanten Fonds von Bellevue, den BB Global Macro. Er hat bis dato eine sehr gute Wertentwicklung gezeigt. Er hat letztes Jahr ein gutes Ergebnis erzielt und liegt auch dieses Jahr im Plus.

Gerade bei marktneutralen Fonds wird es aber zunehmend schwieriger, weil alle Fonds nahe der Kapazitätsgrenze sind. Ihre Volumina sind trotz ihrer aktuellen Schwäche angestiegen. Und steigen weiter. Dafür war auch im letzten Jahr ihre Performance sehr gut. Das Segment der marktneutralen Aktien Long-short-Fonds ist aus unserer Sicht am stabilsten und am attraktivsten. Da finden wir unsere Kriterien, die wir für Absolute-Return-Fonds anlegen, am besten erfüllt.