Folgen für Infrastrukturanlagen
Infrastrukturinvestments sind in der Regel langfristiger Natur und darauf ausgelegt, wirtschaftlichen Abschwüngen standzuhalten. Staatlich garantierte langfristige Mittelflüsse werden im gegenwärtigen Umfeld von Vorteil sein. Im Vergleich zu anderen Anlageklassen dürften Anlagen in soziale Infrastruktur gut aufgestellt sein, um der Covid-19-Krise standzuhalten.
Die wirtschaftliche Infrastruktur ist einem höheren Risiko ausgesetzt. Flughäfen beispielsweise werden kurzfristig enorm unter Druck geraten, da der Flugverkehr in einem noch nie dagewesenen Maße rückläufig ist. In einer eindringlichen Warnung vom 16. März 2020 schätzte das Centre for Aviation, ein Forschungsinstitut der Luftfahrtbranche, dass die meisten Fluggesellschaften bis Ende Mai vor dem Bankrott stehen könnten, wenn die Regierungen keine unterstützenden Maßnahmen ergreifen. Seehäfen dürften ebenfalls stark gefährdet sein, da auch der Containerverkehr rückläufig ist. Die Autobahn-Maut – die oftmals vom Schwerlastverkehr abhängt – ist in ähnlicher Weise betroffen.
Die Infrastruktur der Versorgungsunternehmen, die von auf den Energiepreisen basierenden Mittelflüssen abhängt, wird durch eine Kombination aus dem pandemiebedingten Nachfragerückgang und der Entscheidung Saudi-Arabiens, die Ölförderung zu erhöhen, beeinträchtigt. Im Bau- und verarbeitenden Gewerbe könnten Infrastrukturprojekte aufgrund von Terminüberschreitungen und steigenden Kosten wegen des potenziellen Mangels an Arbeitskräften, Material und Ausrüstung nicht termingerecht zur Generierung von Einnahmen führen. Die Ertragsströme können daher beeinträchtigt werden.
Der Infrastruktursektor ist jedoch der Schlüssel für Kontinuität und Erholung der Wirtschaft. Real-Assets-Anleger dürften einen gewissen Trost in der weit verbreiteten Erwartung finden, dass in bestimmten Kernbereichen wie der Infrastruktur umfangreiche staatliche Finanzhilfen geleistet werden. Die meisten Infrastrukturanlagen spielen eine wesentliche Rolle in unserer Gesellschaft und sind für eine Erholung der Weltwirtschaft wesentlich. Daher ist davon auszugehen, dass die Regierungspolitik diese unterstützen wird.
Folgen für Private Debt
Private Debt ist allgemein eine defensive Anlageklasse, deren Anlageergebnisse jedoch durch den erwarteten steilen wirtschaftlichen Abschwung in Gefahr geraten. Nehmen wir das Beispiel der Hotelbesitzer: Für sie dürfte es schwierig werden, die Tilgung ihrer Schulden aufrechtzuerhalten, wenn ihre Einnahmen schwinden, was schließlich zu Vertragsverletzungen führen wird. Finanzstärkere Sponsoren werden jedoch das Recht haben, eine Vertragsverletzung zu verhindern, indem sie beispielsweise zusätzliche Finanzspritzen gewähren, bevor ein Zahlungsausfall eintritt.
Dennoch dürfte die Zahl der Umstrukturierungen, Schuldenstundungen und letztlich der Zahlungsausfälle steigen. Die Sektoren Transport, Einzelhandel und Freizeit scheinen sofort betroffen zu sein, andere Bereiche der Wirtschaft, wie das verarbeitende Gewerbe, der Handel und das Bauwesen, werden wahrscheinlich folgen. Die enge Zusammenarbeit mit den Schuldnern wird diesen helfen, ihre Schulden mittelfristig zurückzuzahlen und so die Investments zu schützen.
