Folgen von Covid-19 Bei Sachwertanlagen wird es zu Fehlbewertungen kommen

Chris Urwin: Der Immobilienexperte gibt einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen und was diese für die europäischen Real-Assets-Märkte bedeuten. | © Aviva Investors

Chris Urwin: Der Immobilienexperte gibt einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen und was diese für die europäischen Real-Assets-Märkte bedeuten. Foto: Aviva Investors

Im Wesentlichen funktionieren Volkswirtschaften auf der Grundlage der Beziehung zwischen Angebot, Nachfrage und dem Finanzwesen. Der Ausbruch des Corona-Virus (Covid-19) hat zu Schocks in allen drei Bereichen gleichzeitig geführt. Er führte zu Unterbrechungen der weltweiten Lieferketten, einem starken Rückgang des Konsums und erheblichen praktischen Hindernisse für die Geschäftstätigkeit in den Produktions- und Dienstleistungssektoren.

Kurzfristig ist eine Rezession wahrscheinlich. Die Produktion in Europa wird voraussichtlich stark schrumpfen. Zwei Fragen sind der Schlüssel, um die längerfristigen wirtschaftlichen Folgen zu verstehen: Wie lange wird die erhebliche Beeinträchtigung dauern? Und wie wirksam werden die politischen Antworten von Regierungen und Zentralbanken angesichts eines solch plötzlichen – wenn auch temporären – Stopps des Wirtschaftswachstums sein?

Zunächst einmal besteht die Hauptaufgabe der Politik darin, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Die Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen wird einen erheblichen Einfluss auf die Dauer der wirtschaftlichen Beeinträchtigung haben. Diese Anstrengungen müssen jedoch auch gegen die wirtschaftlichen Kosten abgewogen werden. Und politische Fehlentscheidungen könnten den Finanzmärkten langfristig schaden. Die Regierungen im Vereinigten Königreich und in Europa haben bereits finanzpolitische Maßnahmen in Höhe von Hunderten von Milliarden Euro angekündigt, um Unternehmen durch den Covid-19-Schock hindurch zu helfen. Letztlich können finanzpolitische und geldpolitische Maßnahmen jedoch nicht die Beeinträchtigung durch einen größeren Einbruch von Angebot und Nachfrage verhindern. Sie können sie nur kompensieren.

Die Auswirkungen werden beispiellos sein 

Die Auswirkungen auf Sachwertanlagen (Real Assets) werden – wie bei fast allen Anlageklassen – beispiellos sein: es droht einer der stärksten Rückgänge der weltweiten Nachfrage. Real Assets haben sich in der Vergangenheit verglichen zu anderen Anlageklassen in Stresssituationen gut entwickelt. Sie bieten zudem Diversifizierungsvorteile und Erträge in einer Zeit, in der die Renditen von Staatsanleihen wahrscheinlich zurückgehen werden, da Anleger Sicherheit anstreben. Dennoch werden die Preise unter Druck geraten, zumindest auf kurze Sicht, obwohl sich auch einige Gelegenheiten auftun werden.

Die vollständigen Auswirkungen von Covid-19 auf Real Assets zeichnen sich noch nicht ab, es gibt aber einige Anhaltspunkte, die auf einen Rückgang des Transaktionsvolumens hindeuten. Unter diesen Bedingungen müssen die Liquiditätsbedingungen und Kreditrisiken genau überwacht werden. Im Folgenden diskutieren wir die Auswirkungen auf drei Hauptkategorien von Real Assets: Immobilien, Infrastruktur und Private Debt.