Folgen der Corona-Pandemie Hochzinsanleihen bringen wieder zählbare Renditen

Öltanker parken vor der Küste Süd-Kaliforniens, weil keiner ihre Ladung haben will: Weil der Ölpreis einbrach, geraten Energie-Unternehmen in Zahlungsnot und ihre Anleihen folglich unter Kursdruck.  | © imago images / Poolfoto

Öltanker parken vor der Küste Süd-Kaliforniens, weil keiner ihre Ladung haben will: Weil der Ölpreis einbrach, geraten Energie-Unternehmen in Zahlungsnot und ihre Anleihen folglich unter Kursdruck. Foto: imago images / Poolfoto

Das Unternehmen Hillenbrand mit Sitz in Batesville, Indiana, gehört zu den größten Sargherstellern der USA. Als Mischkonzern baut es aber unter anderem auch Druckpumpen, Systeme für Schüttgut und Maschinen für Guss­technik. Nur sein Kredit­Rating liegt seit dem 21. April 2020 unter der Grasnarbe. Denn an dem Tag setzte die Rating­Agen­tur Standard & Poor’s (S&P) Hillenbrands Note von BBB­ auf BB+ herab, inklusive negativem Ausblick.

Damit hat Hillenbrand eine magische Grenze nach unten gerissen. Denn seine Anleihen gelten nun offiziell als Hochzins­anleihen (englisch: High Yield Bonds). Weniger schmeichelhafte Namen sind auch „Speculative Bonds“ oder gar „Junk Bonds“, also Schrottanleihen. Geradezu romantisch wirkt hingegen ein weiterer Titel, den Hillenbrand für sich verbuchen kann. Das Unternehmen gehört nämlich zu den Fallen Angels, den gefallenen Engeln.

Und von denen gibt es in diesem Jahr auffallend viele, wie die S&P­Analysten feststellen. Gleich 24 Schuldner sind es Ende April, mit einem Anleihevolumen von mehr als 300 Milliarden US-­Dollar. Zum Vergleich: Im gesamten Krisenjahr 2009 waren es 75 Schuldner mit Anleihen über 308 Milliarden Dollar. Darunter übri­gens auch so illustre Namen wie Renault, Sotheby’s und die Janus Capital Group. Die Zahl der „potenziellen Fallen Angels“ steht zurzeit mit 111 auf Rekordniveau. Darunter versteht S&P Schuldner mit dem Rating BBB­- und negativem Ausblick oder sogenanntem Creditwatch­-Status mit ebenfalls negativem Ausblick.

Um es mal positiv zu sehen: Für High­-Yield­-Anleger bedeutet das einiges an neuem Material. „Es ist eine willkom­mene Veränderung“, schreibt beispiels­weise Andrey Kuznetsov, Senior-­Portfolio­manager bei der Investmentgesellschaft Federated Hermes, in einem Kommentar. „Das Volumen des Hochzins-­Indexes ver­harrte in den vergangenen Jahren bei rund 2 Billionen Dollar, während das Invest­ment-­Grade-­Universum um 30 Prozent wuchs.“ Die höhere Zahl an gefallenen Engeln werde auch die durchschnittliche Kreditqualität des Hochzins­-Indexes erhö­hen, die jetzt schon bei BB-­ steht.