Nachhaltige Geldanlage Publikumsfonds nach Artikel 8 und Artikel 9 wachsen um 20 Prozent

Das Kohlekraftwerk Neurath eingerahmt von Windrädern

Das Kohlekraftwerk Neurath eingerahmt von Windrädern: Fossile Energieträger sind in der nachhaltigen Geldanlage immer häufiger ein Ausschlusskriterium, wie der FNG Marktbericht zeigt. Foto: Imago Images / Jochen Tack

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Das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) hat seinen Marktbericht für das Jahr 2024 veröffentlicht. Insgesamt wurden 62 Berichtsteilnehmende erfasst, die ein Gesamtvolumen von 542,6 Milliarden Euro an nachhaltigen Geldanlagen und insgesamt 1,6 Billionen Euro an Investments verwalten.

Laut dem Bericht hat sich das Umfeld des nachhaltigen Finanzmarktes vor allem in den letzten Jahren rasant geändert. Das liege an der in der EU-Offenlegungsverordnung SFDR eingeführten Kategorisierung in Artikel 8 und Artikel 9. Das ermögliche es, Finanzprodukte einzuordnen. Die SFDR ist bislang auch Basis für die Definition nachhaltiger Geldanlagen im FNG-Marktbericht. Im diesjährigen Bericht wurde erstmals die Eurosif-Methodik genutzt. Demnach sind 59,3 Prozent der nachhaltigkeitsbezogenen Investments als Basic ESG einzustufen und 3,7 Prozent als fortgeschritten. Beim Impact sind 36,3 Prozent darauf angelehnt, 0,7 Prozent erzeugen Impact.

Das Gesamtvolumen nachhaltiger Publikumsfonds und Spezialfonds gemäß der Offenlegungsverordnung umfasste nach Angaben des Fondsverbands BVI im vierten Quartal 2023 905 Milliarden Euro. Das Volumen wuchs damit im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent. Am deutschen Gesamtmarkt, der Ende 2023 einen Wert von 4,1 Milliarden Euro erreichte, machten nachhaltige Geldanlagen einen Anteil von 21,8 Prozent aus.

Präzisierung des Nachhaltigkeitsbegriffs

Das FNG präzisiert dieses Jahr die Definition nachhaltiger Geldanlage. Im vergangenen Jahr wurden Publikumsfonds, Mandate und Spezialfonds als nachhaltige Geldanlagen betrachtet, sofern sie gemäß Artikel 8 oder Artikel 9 der Offenlegungsverordnung klassifiziert sind. Jedoch treffe diese Definition nicht uneingeschränkt auf Mandate und Spezialfonds zu. Diese unterscheiden sich in ihrem Zweck und ihrer Struktur oft wesentlich von Publikumsfonds. Gerade in von institutionellen Investoren genutzten Master-Fonds-Konstruktionen sei dies besonders schwierig.

In diesem Jahr umfasse das Volumen nachhaltiger Publikumsfonds 262,3 Milliarden Euro und übersteige somit das Volumen der nachhaltigen Mandate und Spezialfonds, das bei 210,3 Milliarden Euro liege. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von 17 Prozent bei den Publikumsfonds und einen Anstieg um 32 Prozent bei den Mandaten und Spezialfonds.

Diese Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr sei auf eine unterschiedliche Zusammensetzung der berichtenden Unternehmen zurückzuführen. Es gebe keinen tatsächlichen Rückgang des Volumens nachhaltiger Publikumsfonds, wie die Zahlen des BVI belegen, schreibt FNG in seinem Marktbericht. 

Diesem zufolge stieg das Volumen von Publikumsfonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen auf 697 Milliarden Euro und das der Spezialfonds auf 208 Milliarden Euro. Dies sei eine Steigerung des Gesamtvolumens von Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen (Artikel 8 und Artikel 9 gemäß der Offenlegungsverordnung) zum Vorjahr von 20 Prozent. 

 

Zum ersten Mal liegt der Anteil der im FNG-Marktbericht erfassten Mandate und Spezialfonds mit 4 Prozent über Null. Auch bei den Publikumsfonds ist ein Anstieg zu verzeichnen. Hier machen Artikel-9-Produkte 9 Prozent des erfassten Volumens aus. Trotz dieser Zunahme dominieren Artikel-8-Fonds den Markt insgesamt. Daneben sind in der diesjährigen Erhebung 20 Prozent der Mandate und Spezialfonds als Artikel 6 deklariert.

Betrachtet man die relative Verteilung zwischen privaten und institutionellen Investoren, ergibt sich in diesem Jahr ein ähnliches Bild wie im Jahr 2022. Der Anteil privater Investoren liegt bei 43 Prozent (im Vorjahr 45 Prozent), während Institutionelle 57 Prozent des Volumens ausmachen (Vorjahr: 55 Prozent).

Ausschlusskriterien sind wichtigstes Merkmal

88 Prozent der nachhaltigen Anlagen nutzen Ausschlusskriterien in ihrem Investmentprozess. Diese nachhaltige Anlagestrategie war bereits vor fünf Jahren, im FNG-Marktbericht 2019, und vor zehn Jahren, im FNG-Marktbericht 2014, an erster Stelle. 

Dabei spielen Ausschlüsse von Unternehmen in den Bereichen ABC-Waffen, Streumunition/Landminen sowie von Unternehmen, die gegen Menschenrechte verstoßen, die größte Rolle. Vor fünf Jahren lag der Fokus bei den Ausschlusskriterien noch auf Governance-Aspekten. Die Top-Drei-Ausschlüsse bezogen sich auf Arbeitsrechtsverletzungen, Korruption/Bestechung und Menschenrechtsverletzungen. 

Engagement ist ein wichtiger Faktor

An zweiter Stelle der nachhaltigen Anlagestrategien steht mit 84 Prozent das Engagement. Damit nimmt dieser Ansatz eine immer wichtigere Rolle ein. Vor zehn Jahren rangierte der Engagement-Ansatz noch an fünfter Stelle und war im Vergleich zu Ausschlusskriterien noch deutlich weniger praktiziert. Den Angaben zufolge adressieren die Berichtsteilnehmenden aktuell am häufigsten Klima- sowie Governance-Aspekte in ihren Active-Ownership-Strategien. 

Die gleichzeitige Anwendung mehrerer nachhaltiger Anlagestrategien ist mittlerweile zum Standard geworden. 54 Prozent der Publikumsfonds, Mandate und Spezialfonds verwenden fünf oder mehr Investmentansätze, während 36 Prozent vier Ansätze nutzen, was zusammen 90 Prozent entspricht. Lediglich 10 Prozent setzen ein bis drei nachhaltige Anlagestrategien ein.

Aktien und Unternehmensanleihen bleiben vorn 

Aktien und Unternehmensanleihen sind mit 30 Prozent und 24 Prozent weiterhin die dominierenden Assetklassen. Staatsanleihen machen dagegen nur 11 Prozent der Allokation aus. Betrachtet man jedoch das Gesamtvolumen der Anleihen, entfallen auf Unternehmensanleihen 68 Prozent und auf Staatsanleihen 32 Prozent. Die Nachfrage nach grünen Staatsanleihen ließe sich zum Teil durch das erhöhte Zinsumfeld 2023 erklären, könnte jedoch auch auf eine wachsende Präferenz für grüne Staatsanleihen hinweisen. 

Grundbesitz und Immobilien(fonds) machen 15 Prozent der Allokation aus. Bei allen nachhaltigen Immobilien(fonds) werden mindestens ökologische Ziele angestrebt, bei über der Hälfte zusätzlich auch noch soziale Ziele. Die sonstigen Anlagen setzen sich vor allem aus Venture Capital, Private Equity und Alternative Investments zusammen. 

PAIs werden besonders zur Umsetzung von Mifid II genutzt

Im Marktbericht wird wie in den vergangenen beiden Jahren auch die Umsetzung der Mifid-II-Konformität von Publikumsfonds untersucht. Es zeigt sich eine Tendenz zur Konsolidierung der Merkmale. So setzen 45 Prozent der Publikumsfonds die Principle Adverse Impacts (PAIs) in Kombination mit der Offenlegungsverordnung ein. Allein 10 Prozent nutzen ausschließlich PAIs, während 38 Prozent eine Kombination aus PAIs, Offenlegungsverordnung und der EU-Taxonomieverordnung verwenden. Die PAIs spielen damit die größte Rolle bei der Erfüllung der regulatorischen Anforderungen nach Mifid II.


Den gesamten Report finden Sie hier.

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