Ucits-Fonds Flucht aus der Karibik

Hurrikan in der Karibik | © Gettyimages

Hurrikan in der Karibik Foto: Gettyimages

Glasklares Wasser, Sieben-Meilen-Strand, eine Schildkröten-Farm – willkommen auf den Kaimaninseln (englisch: Cayman Islands). Gut 50.000 Menschen leben hier. Dafür gibt es 93.000 Unternehmen. Nur produzieren die kaum was – deshalb führen die Insulaner 90 Prozent aller benötigten Güter ein. Ihre Wirtschaft besteht fast nur aus Geld. Direkte Steuern gibt es nicht, dafür aber über 300 Banken, 800 Versicherungen und fast 10.000 Investmentfonds. Neue Fonds sind nach 24 Stunden betriebsbereit. Das Bankgeheimnis zählt hier was. Wer plaudert, kommt im Extremfall für 15 Jahre hinter karibische Gitter. Klingt wie ein Paradies für Schwerreiche.

Doch das Paradies ist bedroht. Anleger kehren der Karibik verstärkt den Rücken. Einerseits befürchten sie Nachteile, falls Europa seine Gesetze gegen Fonds aus dem Steuerparadies verschärft. Andererseits sehnen sie sich angesichts der Hedgefonds-Skandale während der Finanzkrise verstärkt nach sauber geregelten und von Behörden überwachten Produkten. „Die Cayman Islands sind ein Paradies für Hedgefonds, aber ein großes Problem für Anleger“, spöttelte bereits die „New York Times“.

Hedgefonds mal anders

Jetzt geben Fondsgesellschaften dem Anlegerdrang mehr und mehr nach und packen bewährte Hedgefonds-Strategien in den Mantel der europäischen Anlagerichtlinie Ucits III. Der Vorteil: Diese Produkte funktionieren ganz ähnlich wie die Originale, lassen sich aber täglich statt nur monatlich kaufen und verkaufen und werden von europäischen Aufsichtsbehörden überwacht. Der Nachteil: Die Vorteile kosten ein paar Prozentpunkte Performance.

Was erfolgreiche Ucits-Klone und andere Absolute-Return-Fonds schon in der Finanzkrise geleistet haben, war Titelthema von DAS INVESTMENT 12/2010. Doch es gibt auch neue Produkte, die einen Blick wert sind. Ausnahmsweise auch ohne allzu lange Historie: Es sind einige bewährte Profis am Werk.

„Viele dieser Manager kennen wir ebenfalls von der Hedgefonds-Seite“, sagt Ansgar Guseck von Sauren Fonds-Research. Im Rahmen der Fondsmanageranalyse für die Sauren-Dachfonds verfolgt er die Ucits-Pläne erfahrener Kandidaten. Zwei von ihnen sind Philip Gibbs und Ajay Gambhir. Gibbs schaffte das Kunststück, mit seinem Hyde Park Hedge Fund seit 2000 in keinem Jahr einen Verlust zu machen. 394 Prozent Gewinn.

Den Hyde-Park-Fonds hat die Londoner Boutique Jupiter Asset Management noch auf den Bermudas aufgelegt. Jetzt managt Gibbs ihn zwar nicht mehr, dafür aber seit Dezember 2009 den Ucits-regulierten Absolute Return Fund. Mit ihm darf er auf Aktien-, Anleihe-, Währungs- und Geldmärkten fernab eines Vergleichsindex auf steigende und fallende Kurse setzen. Marktneutral oder in Richtungen – er ist da frei von Zwängen.

Ajay Gambhir wechselte 2007 von JP Morgan Asset Management zur Boutique RWC Partners und übernahm dort im Herbst einen Long-Short-Hedgefonds auf den Cayman Islands. Im vergangenen Sommer erschien die Ucits-III-Variante: der RWC Europe Absolute Alpha Fund. Auch Gambhir darf auf steigende und fallende Kurse wetten, beschränkt sich hierbei aber auf europäische Aktien.

Damit hat er dasselbe Universum und Instrumentarium wie die Manager des Blackrock European Absolute Return und des Gam Star Absolute Europe. Bei Ersterem verwendet der Fondsgigant Blackrock die Strategie des UK Absolute Alpha von Starmanager Mark Lyttleton, seit Jahren einer der beliebtesten Fonds Großbritanniens. Für Europäer hat das Haus den Fokus von britischen auf europäische Aktien erweitert. Und bislang schlägt sich Manager Vincent Devlin ebenso wacker wie der auf das Königreich konzentrierte Lyttleton.

10 Prozent im Jahr ohne Einbruch

Konkurrent Gam gilt ohnehin als Hedgefonds-Spezialist, ebenso wie Brevan Howard, auch in London ansässig. Mit dem Brevan Howard Emerging Markets Local Fixed Income holt der deutsche Branchendienstleister Fundmatrix erstmalig einen Fonds im Ucits-Kostüm nach Deutschland.

Fondsmanager Filippo Cipriani konzentriert sich auf Staatsanleihen aus den globalen Schwellenländern, darf aber Währungen, Zinsen und Kurse auch getrennt spielen. In seinem nicht Ucits-gerechten Vorbildportfolio hat er seit März 2005 über 10 Prozent im Jahr erreicht, ohne die heftigen Kurseinbrüche des Marktes mitzunehmen. Ganz schwankungsfrei ist er trotzdem nicht.

Beinahe wie am Lineal gezogen wirkt dagegen die bisherige Wertentwicklung des Credit Basis II der Münchner Vermögensverwaltung Assenagon und die des Credit Opportunities von Threadneedle. Beide haben allerdings kein karibisches Pendant, sondern sind einfach jung und gut.

Beim Assenagon-Fonds drücken zwei ehemalige hochrangige Anleiheexperten der Hypovereinsbank (heute Unicredit) die entscheidenden Knöpfe. Sie zerlegen alles, was mit Zinsen zu tun hat und handelbar ist, in Einzelteile und sichern alle Marktrisiken nahezu komplett ab. Es bleibt ein tatsächlich marktunabhängiger Gewinn.

Threadneedle-Mann Barrie Whitman arbeitet dagegen in Long-Short-Manier direkt am Markt, vornehmlich mit Unternehmens- und Hochzinsanleihen. Obwohl kürzlich einige Experten das Unternehmen in Richtung RWC Partners verlassen haben, hat Threadneedle noch immer ein starkes und erfahrenes Rententeam. Whitman ist seit elf Jahren dabei – und bleibt es hoffentlich auch noch eine Weile.