Flossbachs Worte Müssen es denn Griechenlandpapiere sein?

Bert Flossbach, Flossbach von Storch

Bert Flossbach, Flossbach von Storch

Bert Flossbach von der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch wirft in seinem jüngsten Quartalsausblick einen Blick auf Zinsen – und kommt zu einem für Anleger nicht gerade tollen Schluss. Er geht davon aus, dass die Zinsen überall auf der Welt niedrig bleiben. Sogar langfristig hält er es für unwahrscheinlich, dass Notenbanken sich komplett von der Nullzinspolitik verabschieden.

Zur amerikanischen Notenbank beispielsweise äußerte Flossbach sich gegenüber Institutionalmoney.com folgendermaßen: „Die Lohn- und Beschäftigungsentwicklung, der davon abhängige Konsum und die Erholung am Immobilienmarkt sind noch zu zaghaft, um einen radikalen Schwenk von der Nullzinspolitik zu steigenden Zinsen zu rechtfertigen.“

Auch in der Eurozone sieht er keinen Grund für steigende Zinsen. Zum einen habe die EZB weiter damit zu kämpfen, die Inflation in die Höhe zu treiben und eine drohende Deflation zu verhindern. Derzeit liege die Teuerungsrate bei kaum erwähnenswerten 0,5 Prozent. Zum anderen werde die EZB zum „Gefangenen hochverschuldeter Staaten“, so der Fondsmanager im Gespräch mit Institutionalmoney.com. Denn Staaten wie Frankreich oder Italien seien auf dem besten Wege, neue Rekordschuldenstände zu erreichen (Italien: knapp 135 Prozent, Frankreich: fast 100 Prozent). Diese Länder seien damit auf niedrige Zinsen angewiesen: „Ihre Schuldenberge wären sonst schon bald nicht mehr tragbar“, so Flossbach. Die EZB könne die Zinsen also gar nicht nachhaltig anheben.

Die Folge der niedrig gehaltenen Zinsen: Anleger verabschieden sich von sicheren, aber brotlosen Märkten und legen ihr Geld verstärkt in risikoreichen Märkten und Ländern an. Beispielsweise in Griechenland, wo sie erst vor kurzem bei einer Staatsanleihe für 4,95 Prozent Rendite auf fünf Jahre Laufzeit kräftig zugriffen.

Flossbach hält diese Rendite für bescheiden. Es gebe Anleihen, die besser sind als das, was Griechenland zu bieten hat. Sehr richtig merkt er an: „Dass die Anleger vor nicht allzu langer Zeit 107 Milliarden Euro mit Anleihen eben dieses Schuldners verloren haben, stört offenbar niemanden.“

Griechenland-Anleihen sind kein Einzelfall: Bei vielen Vermögensanlagen ist das Risiko-Rendite-Verhältnis enttäuschend. Ein weiteres Problem ist, dass die Preise vieler Anlagen in die Höhe schnellen, weil Investoren immer mehr – auch risikoreiche – Anlagen nachfragen.

Diese Probleme in puncto Anlagen machten deutlich, wie wichtig eine klug gestreute Anlagestrategie ist, so der Fondsmanager. „Chancen und Risiken müssen dabei stets aufs Neue abgewogen werden. Selbst das zinslose Gold findet seine Berechtigung, Aktien erstklassiger Unternehmen sowieso. Und auch bei Anleihen ergeben sich immer wieder Gelegenheiten, die attraktiver sind als eine Griechenlandanleihe.“