Flossbach von Storch zum Eigenleben der Märkte „Schwarzer Montag“ – das lehrt uns der Crash von 1987

Hilflose Panik: Als am 19. Oktober 1987 in den USA die Kurse einbrechen, werden die Wall-Street-Händler mit Verkaufsaufträgen überschüttet.  | © Getty Images

Hilflose Panik: Als am 19. Oktober 1987 in den USA die Kurse einbrechen, werden die Wall-Street-Händler mit Verkaufsaufträgen überschüttet. Foto: Getty Images

Als am Nachmittag des 19. Oktober 1987 die Wall Street schloss, war innerhalb weniger Stunden in New York knapp ein Viertel des Börsenkapitals der 30 größten US-Unternehmen vernichtet worden. Der Dow Jones schloss mit unvorstellbaren 22,6 Prozent im Minus. In der Folge brachen auch die Börsen in Asien und Europa ein. Ins kollektive Gedächtnis ging der erste große Börsenkrach nach dem Zweiten Weltkrieg als „Schwarzer Montag“ ein.

Der Crash von 1987 – das Maß aller Dinge

Bis heute prägt dieser Schwarze Montag die Börse. Zum einen, wenn es um Vergleiche geht: Geraten Märkte unter Druck, ist dieser Tag das Referenzdatum. Wie hoch ist der absolute Verlust in Punkten? Wie hoch der Einbruch in Prozenten? Zum anderen, weil mit dem damaligen Crash auch geldpolitische Gegenmittel erfunden wurden, die bis heute bei Finanzkrisen zum Einsatz kommen.

Experten betreiben Ursachenforschung

Doch was ist damals 1987 an der Wall Street geschehen – was löste den Crash aus? Dieser Frage widmeten sich in den Folgejahren gleich mehrere Institutionen wie die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und Wissenschaftler wie der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller. Würde man die Ursache genau kennen, wäre man für künftige Crashs womöglich besser gewappnet.

War Ronald Reagans Politik schuld?

Warum also stürzte der US-Markt so dramatisch ab, nachdem er zuvor kontinuierlich gewachsen war? Dafür lohnt sich ein Blick auf die USA in den 1980er Jahren. Damals regierte Ronald Reagan das Land. Er verfolgte eine als „Reagonomics“ bezeichnete Steuer- und Wirtschaftspolitik, die umfangreiche Steuersenkungen für Bürger und Unternehmen vorsah. Das kurbelte zwar die Konjunktur an, allerdings stieg auch das Haushaltsdefizit der USA.

Lag es an den Zinsen?

In der Folge hatte seit Februar 1987 der US-Dollar abgewertet. Die G7 versuchte mit einem Abkommen die Abwertung zu stoppen. Allerdings wurde das durch einen Zinsanstieg in der Bundesrepublik konterkariert. Der damalige US-Finanzminister James Baker reagierte darauf Mitte Oktober mit der Drohung, den US-Dollar weiter abzuwerten.

Oder an der Deregulierung?

Ein weiterer Baustein der Reagonomics waren die Deregulierung und Privatisierung von Staatsunternehmen. Unter anderem in der Telekommunikation und im Finanzsektor. Das führte zur Entwicklung neuer Finanzinstrumente wie den damals populären Portfolio-Insurances. Sie sollten ihre Halter vor Verlusten schützen, wenn die Kurse fielen. Außerdem entwickelten sich damals die Anfänge des computergestützten Wertpapierhandels. Aktienorders wurden bis dahin noch per Telefon und auf Papier abgewickelt.

Der Crash hatte keine eindeutige Ursache

Waren also letztlich die Geldpolitik und der Computerhandel die ursächlichen Auslöser des Crashs? Menschen tendieren dazu, für Ereignisse im Nachhinein plausible Erklärungen zu suchen. Doch für den Crash von 1987 gibt es keine eindeutige Ursache. Das mag enttäuschen und vielleicht auch bedrohlich wirken, weil auch für andere Crashs kaum eindeutige Ursachen zu finden sind.