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Flossbach von Storch zum Dividenden-Dividenden-Effekt Einsteins achtes Weltwunder aktueller denn je

Der Zinseszins-Effekt brachte Albert Einstein zum Staunen: Einsteins Erben würden angesichts verschwundender Zinsen wohl eher vom Dividenden-Dividenden-Effekt sprechen.

Der Zinseszins-Effekt brachte Albert Einstein zum Staunen: Einsteins Erben würden angesichts verschwundender Zinsen wohl eher vom Dividenden-Dividenden-Effekt sprechen. Foto: imago images / ZUMA Press

Wer regelmäßig Zeitung liest, im Internet surft oder in die Sozialen Medien abtaucht, braucht eine robuste Konstitution. Covid-19, mehr als eine Million Pandemie-Tote, die zweite Welle „rollt“, Handelskrieg, Brexit, das ewige Pulverfass im Nahen Osten und überhaupt alle Krisen, die an dieser Stelle keine Erwähnung finden (können). Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten für Zuspitzer, auch oder erst recht bei der Börsenberichterstattung. Verliert der Deutsche Aktienindex Dax im Tagesverlauf mal mehr als ein Prozent, bewerten das die Kommentatoren dann leichthändig als „Einbruch“, „Absturz“, als einen Vorgeschmack auf den nächsten Crash. Wehe dem. Und wenn es dann wirklich kracht, so wie im März, dann fehlen plötzlich die Superlativen, weil bereits alles, was Aufmerksamkeit bringt, verbraucht scheint. Zugegeben, es ist verdammt schwer, täglich über Kursbewegungen an der Börse berichten zu müssen.

Nichtsdestotrotz legt das Bild, das gezeichnet wird, nur einen Schluss nahe: Unter dem Strich war es gefühlt noch nie so schwer, sein Geld zu investieren wie heute. Zumal auch die Aktienkurse, nachdem sie im Frühjahr abgesackt waren, wieder auf Höchstständen notieren, zumindest nicht weit entfernt davon. Man kann, nachdem der jüngste Crash gerade erst verdaut scheint, den nächsten geradezu fühlen. Lieber auf Nummer sicher gehen. Diese Haltung ist sehr gut nachvollziehbar, weil zutiefst menschlich. Niemand mag als Hans-guck-in-die-Luft dastehen, der Kaufempfehlungen ausspricht, während das Unheil längst seinen Lauf nimmt. Der Mahner hat einen weit besseren Ruf.

Geldanlage war im Grunde noch nie so einfach wie heute

Packen wir als Anleger trotzdem unseren ganzen Mut zusammen. Behaupten wir einfach, auch wenn es geradezu provozierend klingt zwischen all der verbreiteten Düsternis, dass genau das Gegenteil der Fall sei: dass Geldanlage noch nie so einfach war wie heute! Dabei, und das ist uns ganz wichtig, wollen wir nicht provozieren! Wir wollen konstruktiv sein, nicht mehr, nicht weniger. Mehr Rationalität denn Emotionen. Nur so kann unseres Erachtens Geldanlage gelingen – langfristig gelingen.

Geldanlage ist heute deshalb so einfach, weil wir als Anleger im Grunde gar nicht entscheiden müssen, was zu tun ist, sondern das Umfeld uns die Entscheidung weitgehend abnimmt. Wir möchten auch erklären, warum das so ist.

Der Zins ist weg – und kommt nicht wieder

An der Börse zählt langfristig, was wir wissen, zumindest ahnen, jenseits aller Crash-Prognosen, die irgendwann zwangsläufig eintreten werden. Dass die Zinsen nicht deutlich steigen können etwa, schon gar nicht im Euroraum. Wenn sie das täten, wären zahlreiche Eurostaaten pleite und damit der Euro samt Finanzsystem am Ende. Während und nach Corona gilt das mehr denn je. Andersherum: Der Zins bleibt niedrig, weil er es muss! Verzinsliche Anlagen – Sparbuch, Festgeld, Bundesanleihe oder Sparbrief beispielsweise – werden langsam, aber sicher von der Inflation „aufgefressen“. Weil deren Zinsen niedriger sind als die Teuerungsrate. Sicher ist dem Anleger also allein der Kaufkraftverlust. Ist das tatsächlich eine Alternative? Nein, das sollte es nicht sein. Der aktiv handelnde Profi kann mit Anleihen zwar noch immer attraktive Renditen erzielen, ein Privatanleger mit klassischem „Buy-and-hold“ aber eher nicht.

Vorsicht geboten ist unserer Ansicht nach auch bei Immobilien. Weniger bei der selbstgenutzten, vielmehr beim Zinshaus. Wer mit Mieten Geld verdienen möchte, sollte mehr als nur eine Immobilie vermieten, besser auch mehr als zwei oder drei. Andernfalls wäre das finanzielle Risiko durch einen Mietausfall zu groß. Klumpenrisiken vermeiden, würde der Experte sagen. Nur, wer kann das bei den aktuellen Preisen? Und: Immobilienkäufer starten ab Kaufdatum mit einem Malus von minus zehn Prozent. Denn: Rund zehn Prozent der Kaufsumme entfallen nicht auf den Wert der Immobile, sondern auf Grunderwerbsteuer, die Maklerin, den Notar…

Unternehmensanalyse statt Aktientipps

Aus unserer Sicht bleiben vor allem Aktien, sämtliche Krisen zum Trotz, gerade für Anleger, die Zeit haben. Die Gewinnrendite guter Unternehmen liegt, nach vorne blickend, bei etwa sechs Prozent – und das ist deutlich mehr als das Sparkonto bietet. Die Frage ist, welche Aktien für Anleger interessant sind?

Wie Sie mittlerweile wissen, dürfen wir keine Aktientipps geben. Wollen wir aber auch nicht. Solche, meist „heiße“ Tipps sind für die langfristig erfolgreiche Geldanlage ohnehin nicht hilfreich: Denn es kommt auf Dauer nicht auf einzelne Aktientipps an, sondern auf die Auswahl geeigneter Unternehmen. Ganz unabhängig davon, welcher Branche ein Unternehmen angehört (ja, im Moment schauen alle auf die Tech-Titel…) oder in welchem Land es beheimatet ist, zeichnet sich ein sehr gutes Unternehmen durch folgende Attribute aus: Es verfügt über ein erprobtes Geschäftsmodell, eine sauber finanzierte Bilanz, es wächst robust, ist global aufgestellt und hat nicht zuletzt ein erstklassiges Management. Covid-19 unterscheidet sehr deutlich zwischen robusten und anfälligen Geschäftsmodellen.

Aktien entfalten ihre Wirkung nicht über Nacht

Anleger, die Aktien ebendieser Qualitätsunternehmen in ihrem Depot haben, erreichen damit zweierlei: Sie erhöhen ihr langfristiges Renditepotenzial und reduzieren dabei das Risiko ihrer Anlagen. Manch Wissenschaftler mag vermutlich einwenden, dies widerspreche den Grundsätzen der Portfoliotheorie; höhere Renditen müssten stets mit höheren Risiken erkauft werden.

Ein Blick auf die Aktienkursentwicklung von Top-Konzernen beweist jedoch das Gegenteil – und dafür gibt es gute Gründe. Wächst das Unternehmen durch seine globale Präsenz und hervorragende Wettbewerbsposition stärker als die Wirtschaft, schlägt sich dies zusätzlich in höheren Erträgen nieder. Insofern verwundert es nicht, dass die Aktien einiger großer Konsumgüterhersteller nicht nur weniger riskant sind als die eines konjunkturanfälligen Stahlkonzerns, sondern sich langfristig auch deutlich besser entwickeln.

Aber: Ein wenig Geduld sollten Anleger allerdings haben. Qualitätsaktien entfalten ihre Wirkung nicht über Nacht, sondern langsam und stetig. Eine wichtige Rolle kommt dabei der Dividende zu, die zwar nicht die höchste sein muss (was eher ein Warnsignal wäre für Anleger!), aber verlässlich, über viele Jahre gezahlt und Stück für Stück erhöht werden sollte.

Der berühmte Albert Einstein soll einmal gesagt haben, dass der Zinseszns-Effekt das achte Weltwunder sei. Einsteins Erben würden, da der Zins verschwunden ist, wohl eher vom Dividenden-Dividenden-Effekt sprechen.

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