Flossbach von Storch Research Institute Was ist die richtige Investitionshöhe für Deutschland?

Seite 2 / 2


Modernes Erwartungsmanagement

Unter Berücksichtigung dieser grundlegenden Zusammenhänge sind Aussagen über die richtige Investitionshöhe besonders problematisch. Denn die richtige Investitionshöhe hängt von den zukünftigen Erwartungen der Menschen und ihren subjektiven Bewertungen der zukünftigen Zahlungen aus möglichen Investitionen ab. Und obwohl niedrigste Zinsen ceteris paribus höhere Kapitalerwartungswerte der möglichen Investitionen bedeuten, bleibt die Investitionstätigkeit in unserer derzeitigen ökonomischen Situation schwach.

Offensichtlich unterscheiden heutige Investoren sehr genau, ob die derzeitigen Zinsen auf dem Markt wirkliche Marktzinsen sind, welche die subjektiven und individuellen Ziele und Präferenzen der Menschen und zukünftige wirtschaftliche Möglichkeiten widerspiegeln, oder ob es staatlich manipulierte Zinsen sind.

Würden die Investoren diese Unterscheidung nicht treffen und den niedrigen, staatlich manipulierten Zins für den Marktzins halten, bestünde für sie die Gefahr, in die Falle der Überinvestition zu laufen, die Friedrich August von Hayek beschrieben hat. Da die Investoren heute nicht in diese Falle laufen, probieren es die Zentralbanken sogar mit Negativzinsen.

Verpuffte Stimulierungsversuche

Die derzeitige Investitionsschwäche beruht also auf dem Fehlen eines Marktpreises für die intertemporale Kapitalallokation. Die daraus folgende Verunsicherung der Investoren führt zur Investitionszurückhaltung. Kredite können dann noch so günstig sein, die Investitionstätigkeit wird nicht nachhaltig angeregt werden. Sie verschiebt sich aber wahrscheinlich in konsumnähere, weil leichter zu kalkulierende Bereiche, woraus abermals zukünftige Wachstumseinbußen folgen werden.

Zum Teil ausgeglichen, wenn auch nicht gänzlich durchbrochen werden können diese Wirkungen nur durch unternehmerische Innovationen, die so überzeugend sind, dass Investoren auf jeden Fall in sie investieren.

In den USA ist dies in den vergangenen Jahren zum Beispiel im Energiesektor, aber nicht nur dort, gelungen. Ob in der richtigen Investitionshöhe kann natürlich auch niemand sagen.

In Deutschland wird die Umsetzung derartiger Innovationen indes von vornherein durch zahlreiche Auflagen und Interessengruppen erschwert und verhindert. Zudem wendet man sich gegen das Freihandelsabkommen TTIP, führt Frühverrentungen, Mindestlöhne und Geschlechterquoten ein und belastet vor allem Familienunternehmen durch eine Reform der Erbschaftssteuer.

Die negativen Effekte eines fehlenden Marktpreises für die intertemporale Kapitalallokation werden dadurch nicht ausgeglichen, sondern verstärkt. Zukünftige Meldungen über eine anhaltende Investitionsschwäche in Deutschland sollten uns deshalb nicht verwundern.

>>Zur weiteren Analysen des Flossbach von Storch Research Institutes geht es hier


Über den Autor:
Norbert F. Tofall arbeitet seit 2014 als Senior Research Analyst für das Flossbach von Storch Research Institute in Köln. Von 2004 bis 2011 war er Lehrbeauftragter der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder im Studiengang „Master im Internationalen Management” in Minsk (Belarus) und hat von 2008 bis 2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter für den FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler gearbeitet.