Flossbach von Storch Research Institute Schutz der Freiheit durch Kapitalverkehrskontrollen?

Ist Senior-Research-Analyst bei der Denkfabrik der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch: Norbert F. Tofall

Ist Senior-Research-Analyst bei der Denkfabrik der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch: Norbert F. Tofall

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Die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Madelaine Odette Lagarde, zieht für die Zukunft eine „weichere und freundlichere“ IWF-Politik in Erwägung. Es müsse verhindert werden, dass in Ländern, in denen sich große Teile der Bevölkerung als Opfer der bisherigen „neoliberalen“ IWF-Politikempfehlungen verstehen, freiheitsfeindliche populistische Bewegungen entstehen.

Den Hintergrund dieser Erwägungen bildet zum einen die zunehmende politische und gesellschaftliche Polarisierung in vielen westlichen Ländern seit der nicht bereinigten Finanzkrise von 2007/2008. Zum anderen hat eine Veröffentlichung aus der Forschungsabteilung des IWF weltweit große Aufmerksamkeit hervorgerufen.

„Neoliberalism: Oversold?“

Unter der Überschrift „Neoliberalism: Oversold?“ führen Jonathan D. Ostry, Prakash Loungani und Davide Furceri  aus, dass zwei Forderungen der „neoliberalen“ Agenda – nämlich der freie grenzüberschreitende Kapitalverkehr und der Abbau der Staatsverschuldung – nicht ohne weiteres zum angestrebten Ergebnis eines nachhaltig höheren Wirtschaftswachstums und der Verbesserung der Lebensumstände aller führen würden.

Zwar sei ein Zusammenhang zwischen Kapitalimporten in Form von ausländischen Direktinvestitionen, mit denen der Transfer von Technologie und Humankapital einhergehe, und einem erhöhten langfristigen Wirtschaftswachstum feststellbar. Bei anderen Kapitalimporten – „such as portfolio investment and banking and especially hot, or speculative, debt inflows“ – sei dieser Zusammenhang indes nicht feststellbar.

Die Wachstumsvorteile insbesondere von „short-term debt flows“ seien höchst unsicher, während eine gestiegene ökonomische Volatilität und vermehrte finanzielle Krisen evident seien. Zudem gingen damit erhebliche Umverteilungseffekte einher, die zu einer erhöhten gesellschaftlichen Ungleichheit führen würden.

Schädliche Investitionsblasen

Aus diesem Grund würde heute eine steigende Anzahl von Politikern Kontrollen zur Limitierung der „short-term debt flows“ akzeptieren, denn: „capital controls are a viable, and sometimes the only, option when the source of an unsustainable credit boom is direct borrowing from abroad.“

Durch Kapitalverkehrskontrollen will man also schädliche Investitionsblasen und die ihnen folgenden Finanzkrisen eindämmen, die durch ausländische Kreditgeldproduktion verursacht werden könnten.

Leider erörtern Ostry, Loungani und Furceri in ihrem Aufsatz  nicht, dass gerade das für die interventionistische Kreditgeldordnung relevante Investment-Boom-Bust-Modell der „liberalen“ Ökonomen Knut Wicksell, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek die von Ostry, Loungani und Furceri empirisch festgestellten Phänomene voraussagt.