Flossbach von Storch China und Indien verdienen sehr viel Aufmerksamkeit

Smartphone-Nutzer in Peking: China ist weltweit Innovationsführer beim mobilen Bezahlen.  | © Getty Images

Smartphone-Nutzer in Peking: China ist weltweit Innovationsführer beim mobilen Bezahlen. Foto: Getty Images

Chinas Wirtschaft wächst weiter auf hohem Niveau. Vor allem Internet-Unternehmen überspringen dort häufig mehrere Entwicklungsstufen. Denn der Staat schützt sie nicht vor Wettbewerb; im Gegenteil. Die Konkurrenz ist so hart, dass Google (Alphabet) und Amazon den Markt freiwillig verlassen haben. Die Innovationskraft des Landes ist wirklich erstaunlich. Haben Sie zum Beispiel sonntagmorgens bei Ihrem Bäcker einmal versucht, mit dem Handy zu bezahlen? So ähnlich, wie die Verkäufer Sie bei einem solchen Vorhaben ansehen werden, schauen Händler in China ihre Kunden an, die immer noch mit Bargeld zahlen möchten.

Innovationsführer bei mobilem Bezahlen

China ist weltweit Innovationsführer in Sachen mobiles Bezahlen. So liegt der Anteil der Handynutzer, die in den vergangenen sechs Monaten mindestens eine Zahlungstransaktion per Handy oder Smartphone abgewickelt haben, bei mehr als 80 Prozent. In Deutschland sind es laut Umfragen etwa elf Prozent. Beispielsweise setzen hier die Plattformen von Tencent und Alibaba mit einem Marktanteil von 90 Prozent Maßstäbe. So werden über die Bezahl-Apps von Tencent auch Finanzprodukte wie Kredite oder Versicherungen vertrieben.

Super-Apps für alles

Die neuesten Entwicklungen sind Super-Apps, mit denen man nicht nur bezahlen, sondern auch Flüge buchen, Taxis bestellen, Termine bei Ärzten machen kann, oder, oder, oder. Auch im E-Commerce ist China Weltspitze. Über Alibaba-Plattformen wird inzwischen doppelt so viel Volumen abgewickelt wie über Amazon. Denn viele Chinesen sind sehr technikaffin. 800 Millionen Menschen sind aktive Internetnutzer. Von morgens bis abends nutzen sie Apps. Mehr als ein Viertel der Einkäufe werden online erledigt.

Indiens Wirtschaft im Fokus

China steht nicht alleine da. Mindestens ebenso interessant ist Indien, auch wenn die Wirtschaft zuletzt deutliche Abkühlungstendenzen zeigte. Das Bruttoinlandsprodukt ist im vergangenen Quartal nur um fünf Prozent gewachsen. Das war die schwächste Wachstumsrate seit sechs Jahren. Immer noch sind die Umsatzprognosen vor allem im Konsumbereich sehr vorsichtig. Denn zeitgleich ist die Kreditvergabe gesunken. Und Kredite sind der „Schmierstoff“ der Wirtschaft.

Herausforderung: Staatsbanken

Das Problem: In Indien vergeben etwa die Hälfte der Kredite Staatsbanken, die seit fast zehn Jahren im Krisenmodus sind. Stark gewachsen sind die Non-Bank-Financial-Corporations (NBFCs). Sie werden nicht von der Notenbank reguliert und refinanzieren sich teils über kurzlaufende Anleihen. In diesem Sektor ist im September 2018 ein großer Infrastruktur-Finanzierer zusammengebrochen. Das führte zu einer Krise des NBFC-Marktes, die wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass das Kreditwachstum rückläufig ist.

Indiens Notenbank handelt besonnen

Damit nicht genug: Unlängst ging noch eine kleine Genossenschaftsbank pleite. Das sorgte für Schlagzeilen, weil die Einlagensicherung in Indien nur bei umgerechnet 1.500 US-Dollar pro Kopf liegt. Um einen Bank-Run zu verhindern, musste die Notenbank eingreifen. Wir glauben dennoch, dass es in Indien keine systemische Bankenkrise geben dürfte. So hat die Notenbank in fünf Schritten die Zinsen um insgesamt 135 Basispunkte gesenkt und große Player konnten sich wieder leichter refinanzieren. Privatbanken haben bereits 15 bis 20 Prozent mehr Geld verliehen. Dennoch ist das Kreditwachstum in Indien unterm Strich noch schwach.