Zwischen Ölkrise und Vietnamkrieg Fixed Income – eine Zeitreise in die Vergangenheit

Seite 4 / 4

 

Von der Randnotiz zu 3,2 Milliarden US-Dollar

Eine besondere Geschichte ist die von dem bereits erwähnten George Collins. Er war 1971 einer von nur zwei Mitarbeitern der Fixed-Income-Abteilung im Jahr 1971. Der ehemalige Weltklasse-Schwimmer und Ex-Militärangehörige machte anfangs mit seiner Abteilung im Vergleich zur dominierenden Aktienseite keine fünf Prozent des verwalteten Vermögens bei T. Rowe Price aus. Collins scherzte, dass die schwierigste Entscheidung an manchen Tagen darin bestand, ob er nach dem Mittagessen noch zwei oder drei Runden Basketball spielen konnte. Er war jedoch maßgeblich am Wachstum des Fixed-Income-Geschäfts beteiligt.

George Collins, Analyst bei T. Rowe Price.
George Collins, Analyst bei T. Rowe Price. © T. Rowe Price

 

Der erste Durchbruch gelang 1972, als man Northwestern Bell als Kunde gewann. Es war ein für damalige Verhältnisse riesiger 25-Millionen-US-Dollar-Deal. 1973 startete der erste Anleihefonds und man gewann einen Kunden im Nahen Osten. Zu dieser Zeit verwalteten mittlerweile bereits zehn Mitarbeiter mittel- und langfristige Anleihen sowie Geldmarktobligationen im Gesamtwert von mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar. 

Die Nachfrage nach dem Fixed Income-Angebot übertraf selbst die Erwartungen von Collins. 1976 lancierte das Team einen High-Yield-Geldmarktfonds, der die Renditen seiner Wettbewerber übertraf und auch angesichts steigender Inflationsdynamik ein Verkaufsschlager wurde. Bis 1982 sollte das allein in diesem Fonds verwaltete Vermögen auf für damalige Zeiten extrem hohe 3,2 Milliarden US-Dollar steigen.

 

USA, 1974: Die Ölkrise macht sich bemerkbar, an vielen Orten fehlt Benzin.
USA, 1974: Die Ölkrise macht sich bemerkbar, an vielen Orten fehlt Benzin. © imago images/Circa Images

 

Anders als Wettbewerber ließ sich Collins nicht von den hohen Zinsen (1979 waren es zehn bis zwölf Prozent) dazu verleiten, im großen Stil auf langlaufende Anleihen zu setzen. Als die Zinsen kurzzeitig auf 20 Prozent anstiegen, wurden Manager, die sich zu früh zu stark engagiert hatten in diesem Markt gegrillt. Einen Vorteil, den Collins wiederholt ausnutze, war die genaue Beobachtung der Notenbank. Das „Fed-Watching“ gehörte damals noch nicht zum Standard.

 

Ausblick auf Teil 2

Ende der 1970er Jahre wuchsen die Anleihemärkte auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Zinsen waren einfach zu hoch, um ignoriert zu werden. Die Zentralbanken hatten erkannt, dass höhere Zinsen zur Bekämpfung der Inflation erforderlich waren.

Im August 1979 wurde schließlich der legendäre Paul Volcker zum Chef der US-Notenbank ernannt. Er setzte auf eine extrem restriktive Geldpolitik, um der Inflation der Garaus zu machen. Und das mit Erfolg, wenn auch zu einem hohen Preis. Lesen Sie im zweiten Teil dieser Serie, welche Folgen seine Geldpolitik hatte und wie sich das Fixed-Income-Geschäft daraufhin in den 1980er Jahren entwickelte.


Über den Autor: 

Emily Davidson ist Brand Historian und Corporate Archivist bei dem US-amerikanischen Finanzdienstleistungsunternehmen T. Rowe Price. Sie beschäftigt sich mit Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte.

Emily Davidson, Brand Historian & Corporate Archivist bei T. Rowe Price.

 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen