Der „Bond Guy“ Fixed Income – eine Zeitreise in die Vergangenheit

Seite 3 / 3

Der schlimmste Bärenmarkt in der Geschichte der Hochzinsanleihen

Wenn das Geschäft richtig brummt, lauert die nächste Krise oft im Verborgenen. 1987 war der Börsencrash am Schwarzen Montag spektakulär, verdeckte aber ein grundlegendes Problem am Rentenmarkt. High-Yield-Anlagen waren überhitzt und drohten zu kollabieren. „Als ich 1988 anfing, war das Marktumfeld volatil und tückisch.“, erinnert sich Mark Vaselkiv, der später CIO der Fixed-Income-Abteilung bei T. Rowe Price wurde.

Der Boom wurde unter anderem durch Michael Milken beim Konkurrenten Drexel Burnham Lambert vorangetrieben. Milken, der in den Medien als „König der Junk Bonds“ bekannt war, war eine der Inspirationen für die Figur des Gordon Gekko im legendären Film „Wall Street“, der Ende 1987 erschien. Nur zwei Jahre später war der High-Yield-Markt 189 Mrd. US-Dollar schwer.

 

Michael Milken: Vorlage für den Film „Wall Street“
Michael Milken: Vorlage für den Film „Wall Street“ © imago images / ZUMA Wire

 

Hinter den Kulissen erlebte der Markt jedoch eine schmerzhafte Phase der Umwälzungen. „Meine Lernkurve war extrem steil, beinahe vertikal. Wir durchlebten die schlimmste Baisse in der Geschichte des High-Yield-Markets.“, sagt Vaselkiv. Die damalige Savings-and-Loan-Krise in den USA hatte nachhaltige Auswirkungen auf die Wirtschaft und kostete den Steuerzahler Milliarden von Dollar. „Zu dieser Zeit wurde in den Büros noch geraucht. Wenn es sehr stressig war, sah man richtige Rauchwolken aufsteigen. Dann wusste man, dass es ein schlechter Tag an den Märkten sein musste.“

Eine neue Generation

Neben Vaselkiv startete in den 1980er Jahren eine ganze Generation an Mitarbeitern. Eine von ihnen war Mary Miller. Ihre Karriere begann 1983 als Kreditanalystin. Ende der 1980er Jahre wurde sie schließlich Portfoliomanagerin und verwaltete in dieser Rolle 20 Jahre lang erfolgreich zeitweise bis zu sechs Anleihefonds. In ihrer Laufbahn spielte sie eine Schlüsselrolle für die Entwicklung und das Wachstum der Fixed-Income-Abteilung.

Ein weiteres Beispiel ist Mike Conelius, der spätere Leiter des Bereichs Distressed Debt. Er startete im Jahr 1988. „Als ich als Analyst anfing, gab es das Internet noch nicht. Wir hatten einen Bloomberg-Monitor und einen Reuters-Rechner, aber das meiste Research erfolgte über klassische Papierlektüre und Tabellenkalkulationen“, sagt er rückblickend. Damals tauschte man noch Zeitungen und Zeitschriften untereinander aus. „Das Prozedere war simpel: Am Ende des Tages schnitten die Analysten die Geschichten aus, die sie wollten, und wir machten eine Kopie davon.“

Cheryl Mickel hat ebenfalls lebhafte Erinnerungen an ihre Anfangszeit. Die erfahrene Portfoliomanagerin wurde später Leiterin des US Taxable Low Duration Teams mit mehr als 100 Milliarden US-Dollar an verwalteten Vermögen. Sie war erst 22 Jahre alt, als sie 1989 als Handelsassistentin anfing. „Ich dachte, am Trading Desk wäre es laut und verrückt, aber das Gegenteil war der Fall. Ich war beeindruckt von der ruhigen Atmosphäre“, erinnert sie sich.

Ausblick auf Teil 3

Der Bondmarkt hat in den 1980er Jahren einen weiten Weg zurückgelegt. Er war nun ein globales Geschäft, das immer differenzierter wurde. Zudem hatte der Markt für Hochzinsanleihen seinen ersten Boom durchlebt und war bereits in den unweigerlichen Bust übergegangen, dessen Nachwirkungen bis in die 1990er Jahre hinein spürbar waren.

Festverzinsliche Anlagen machten zig Milliarden US-Dollar aus – Summen, die noch eine Dekade zuvor undenkbar gewesen wären. Lesen Sie im dritten Teil der Serie über den Marktzusammenbruch und darüber, was das nächste Jahrzehnt für den Fixed-Income-Bereich noch bereithalten sollte.


Über den Autor: 

Emily Davidson ist Brand Historian und Corporate Archivist bei dem US-amerikanischen Finanzdienstleistungsunternehmen T. Rowe Price. Sie beschäftigt sich mit Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte.

Emily Davidson, Brand Historian & Corporate Archivist bei T. Rowe Price.

 

 

 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen