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Fixed Income Die Erholung stellt vor Herausforderungen

Trump-Anhänger in Ohio: Die US-Wahlen dürften zunächst als Bremse für Unternehmensinvestitionen wirken.

Trump-Anhänger in Ohio: Die US-Wahlen dürften zunächst als Bremse für Unternehmensinvestitionen wirken. Foto: imago images / ZUMA Wire

Die erste Phase der wirtschaftlichen Erholung der USA hat sich als stärker erwiesen als erwartet. Die Erholung wurde dann bald durch eine zweite Ansteckungswelle im Juli auf die Probe gestellt. Konjunkturentwicklung und Beschäftigungsaufbau verlangsamten sich, ohne jedoch den Rückwärtsgang einzulegen. Es zeigte sich: Die Bereitschaft der Amerikaner zu shoppen, zu reisen und an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, wurde durch das Wiederaufflammen der Ansteckung nicht beeinträchtigt, zeigte unsere Anfang August durchgeführte Franklin-Templeton-Gallup-Studie.

Die zweite Ansteckungswelle verläuft demnach vergleichsweise harmlos: Verglichen mit dem Anstieg der Neuinfektionen erhöhten sich die Krankenhauseinweisungen, die Belegung der Intensivstationen und die Todesfälle in weitaus geringerem Maße als im Frühjahr. Infolgedessen waren die politischen Entscheidungsträger in den meisten Fällen in der Lage, mit örtlich begrenzten und punktgenauen Maßnahmen zu reagieren, anstatt die gefürchteten Lockdowns zu verhängen.

Aber die Herausforderungen sind weiterhin immens. Das Kräftemessen zwischen Virus und Wirtschaft und Gesellschaft wird wahrscheinlich so lange andauern, bis wirksame Impfstoffe in globalem Maßstab zur Verfügung stehen.

Starke Erholung des US-BIP erwartet

Insgesamt erwarten wir für das dritte Quartal eine starke Erholung des US-Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorquartal, gefolgt von einer langsameren Erholung im vierten Quartal. Die Wirtschaftsleistung wird wahrscheinlich durch zwei miteinander verquickte Faktoren gebremst. Erstens sind die US-Wahlen im November mit erheblicher Unsicherheit für den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs behaftet, und dies wird wahrscheinlich als Bremse für Unternehmensinvestitionen wirken. Zweitens bringt der Zeitpunkt der Wahlen vor dem Jahreswechsel mit sich, dass der US-Kongress wahrscheinlich nicht in der Lage sein wird, eine Verlängerung der fiskalischen Unterstützungsmaßnahmen vor Anfang 2021 zu verabschieden.

Wir sehen ein ähnliches Bild im Euroraum, wo fiskalische Anreize insbesondere im dritten Quartal zu einer Erholung der Verbraucherausgaben und der Geschäftstätigkeit beitragen. Wie in den Vereinigten Staaten gehen wir davon aus, dass Europa in der Lage sein dürfte, der zweiten Ansteckungswelle mit gezielten Maßnahmen entgegenzuwirken, ohne erneut landesweite Lockdowns verhängen zu müssen.

Weiterhin breite Unterstützung durch die Zentralbanken

Die globalen Zentralbanken bieten ihren Volkswirtschaften nach wie vor maximale Unterstützung. Die US-Notenbank (Fed) kündigte im August an, ihr Inflationsziel anzupassen. Sobald die Inflation wieder auf den Zielwert von 2 Prozent angestiegen ist, soll sich die Inflation für einige Zeit „moderat“ über 2 Prozent hinaus bewegen können, um den langen Zeitraum einer unter 2 Prozent liegenden Inflation auszugleichen. Dies gibt den Märkten zunächst die Gewissheit, dass die Fed keine voreilige Straffung der Geldpolitik vornehmen will, sobald die Inflation das gewünschte Niveau erreicht. Da die Fed in ihren eigenen Prognosen davon ausgeht, dass die Inflation erst im Jahr 2023 auf 2 Prozent ansteigen wird, deutet dies darauf hin, dass die Zentralbank, sofern sich ihre Prognosen bestätigen, mehr als drei Jahre lang nicht an der Zinsschraube drehen würde.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) ist nach wie vor fest entschlossen, die Erholung mittels negativer Zinssätze und des umfangreichen Pandemie-Notkaufprogramms zu unterstützen.

Insgesamt dürfte die weltweit akkommodierende Geldpolitik die Renditekurven in den nächsten drei bis sechs Monaten innerhalb einer engen Spanne verankern; sobald die Erholung jedoch etwas an Fahrt gewinnt, dürfte die Nullzinspolitik zusammen mit der geldpolitischen quantitativen Lockerung und der lockeren Fiskalpolitik der Inflation etwas mehr Leben einhauchen, so dass die Renditekurven steiler werden könnten.

Aktives Engagement bleibt entscheidend

In den Vereinigten Staaten wird die bestehende Unsicherheit im Zusammenhang mit den Wahlen im November noch verstärkt werden. Demokraten und Republikaner haben substanziell unterschiedliche wirtschaftspolitische Pläne vorgelegt, sodass das steuerliche und ordnungspolitische Umfeld je nach Wahlergebnis stark variieren könnte. Auswirkungen der unterschiedlichen Wahlprogramme würden nicht nur die Gesamtwirtschaft, sondern auch bestimmte Schlüsselsektoren treffen, darunter Energie, Gesundheitswesen, Finanzen und Technologie. Infolgedessen würden sich auch veränderte Chancen bei Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen ergeben.

Insgesamt werden sich die Bewertungen von Risikoanlagen wahrscheinlich gebremst entwickeln, während das Nullzinsumfeld die Herausforderungen für Fixed Income-Anleger ebenfalls nicht einfacher macht. Wir sehen derzeit keine offensichtlichen Bereiche von Unterbewertung. Im Gegenteil: Einige Sektoren wie gewerbliche Immobilien bleiben anfällig. In diesem Umfeld kommt der aktiven Auswahl von Vermögenswerten mit Blick auf die einzelnen Länder, Anlageklassen, Branchen und Unternehmen eine noch höhere Bedeutung zu. Da eine Reihe von Staaten wahrscheinlich die Steuern erhöhen müssen, um ihre Finanzen auf eine stabilere Grundlage zu stellen, wird der Sektor der steuerfreien Kommunalanleihen wahrscheinlich eine noch wertvollere Quelle von Anlagemöglichkeiten werden.

Was die Konjunkturaussichten betrifft, sind wir optimistisch. Wir werden die Pandemie und die Unsicherheiten im Zuge der US-Wahl überstehen. Im Jahr 2021 werden die USA und die Weltwirtschaft wahrscheinlich einen Großteil des verlorenen Bodens zurückgewinnen. Aber es wird ein schrittweiser Prozess sein, mit vielen Risiken und einer Reihe von Hindernissen, die es zu überwinden gilt. Einige Wirtschaftsbereiche werden bei ihrer Erholung länger brauchen, und die Pandemie wird eine Reihe von strukturellen Veränderungen in Gang setzen. Engagierten Fondsmanagern bietet diese Phase viele Chancen für die Suche nach qualitativ hochwertigen Kapitalanlagemöglichkeiten.