3 Fragen an Prof. Dr. Klemens Fischer „Nordamerika bleibt eine sichere Bank – unabhängig von der Regierung“

Klemens Fischer

Klemens Fischer ist promovierter Völkerrechtler und Professor für Internationale Beziehungen und Geopolitik. Bildquelle: Alexander Conrads

private banking magazin: Herr Professor Fischer, die EU hat sich mit den USA auf 15 Prozent Zölle geeinigt, Trump droht mit weiteren Erhöhungen. Wohin fließt das Kapital, wenn klassische Anker wie die transatlantische Partnerschaft wackeln?

Klemens Fischer: Die transatlantische Partnerschaft ist ein Kind des Kalten Kriegs. Heute steht sie auf drei Pfeilern: Sicherheitspolitik, Wirtschaft und Wertegemeinschaft. Keiner davon scheint noch so stabil wie früher. Kapitalmärkte reagieren zwar kurzfristig auf Veränderungen. Die Basis bildet aber die langfristige Kapitalpolitik. Geopolitisch ist der Aufstieg der Indo-Pazifik-Region seit Jahren erkennbar – heute ist er real. Südamerika gewinnt durch Mercosur massiv an Bedeutung, Indien durch den EU-Handelsdeal. Die europäischen Kapitalanleger sollten diesen Chancen folgen, ohne den nordamerikanischen Markt zu vernachlässigen. Der stellt unabhängig von Washingtoner Regierungen stets eine sichere Bank dar.

Europa hat das Mercosur-Abkommen nach über 20 Jahren endlich umgesetzt. Bietet Südamerika jetzt eine echte Diversifikation gegenüber Nordamerika?

Fischer: Es geht nicht darum, eine Entweder-oder-Situation zu schaffen. Der Mercosur-Markt ist keine Alternative zu Nordamerika. Eines schließt das andere nicht aus. Eine Kapitalbewegung vom Norden in den Süden wird aber mittelfristig dazu führen, dass auch der Norden versuchen wird, an Attraktivität zurückzugewinnen. So sehr Mercosur lockt: Die relative Instabilität des südamerikanischen Marktes durch innenpolitische Unsicherheiten muss eingepreist werden.

 

Überschätzen wir Trumps Einfluss auf die globalen Kapitalmärkte?

Fischer: Diese Frage lässt sich kurz und bündig beantworten: Ja. Bislang waren die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Trump-Regierung kurzfristiger Natur. Es gab keine langfristigen Abkommen, die einen Kurswechsel erkennen ließen. Die europäische politische Schnappatmung auf jede Äußerung Trumps sollte nicht auf die Wirtschaft übertragen werden.


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