Interview mit der Spitze von First Private „Ich suchte keine exakte Kopie, sondern gezielte Komplementarität“

Tobias Klein und Alexander Preininger von First Private

Tobias Klein (l.) hat die Geschäftsführung von First Private an Alexander Preininger übergeben Bildquelle: First Private | Collage: private banking Magazin

private banking magazin: Herr Klein, Sie haben First Private 2003 im Rahmen eines Management-Buyouts gegründet. Wenn Sie heute zurückblicken: Welche Schlüsselstationen fallen Ihnen ein?

Tobias Klein: Der Weg begann eigentlich schon bei meiner Zeit bei Salomon Brothers. Dort haben wir methodische Ansätze und Überzeugungen entwickelt, die bis heute den Kern unserer Investment-Philosophie ausmachen. Der Schritt in die Selbstständigkeit war eine Kombination aus sorgfältiger Vorbereitung und dem Mut, eine Gelegenheit zu ergreifen.

Entscheidend waren aber stets die Menschen: meine Gründungspartner aber auch Kollegen aus New York, die unsere Ausgründung unterstützt haben, sowie treue Kunden, die den Weg mitgegangen sind. Diese partnerschaftliche Haltung ist bis heute zentral.

 

Mir war von Anfang an klar, dass First Private nicht nur durch Performance und Prozesse überzeugen muss, sondern auch über Nähe und Persönlichkeit – systematisch und zugleich menschlich.

Wie stellen Sie sicher, dass dieser Spirit erhalten bleibt, auch wenn das Unternehmen wächst?

Klein: Nicht durch Regeln oder Satzungen – sondern durch die Auswahl der richtigen Menschen. Wir achten darauf, Mitarbeiter zu finden, die unsere Überzeugungen und Werte teilen, in der Lage sind, wissenschaftlich zu arbeiten und zugleich Freude daran haben, Qualität im Team zu liefern. Eine gute Balance aus Herz und Methode ist bei uns kein Slogan, sondern gelebte Realität.

Herr Preininger, Sie übernehmen nun die Führung. Wie haben Sie den Übergang organisiert?

Alexander Preininger: Unser Fokus lag von Anfang an auf Kontinuität, nicht auf schnellen Veränderungen um der Veränderung willen. In intensiven Gesprächen mit dem Team haben wir Vertrauen geschaffen, und wir haben uns bewusst eine längere Übergangsphase gegönnt, um zu zeigen, dass ein reibungsloser Wechsel möglich ist.

Kontinuität einerseits und eigene Impulse andererseits.

Preininger: Genau. Ich möchte nicht alles umkrempeln, aber an bestimmten Stellen Akzente setzen. Mut zu Neuerungen und Offenheit für frische Ideen gehören dazu. Entscheidend ist, dass Veränderungen überlegt und nachvollziehbar sind, nicht impulsiv oder dogmatisch.

Herr Klein, wie schwierig war es für Sie, Ihren Nachfolger zu wählen? Hatten Sie nicht das Verlangen, einen „Tobi 2.0“ finden zu wollen?

Klein: Genau das wäre falsch gewesen. Ich suchte keine exakte Kopie, sondern gezielte Komplementarität. First Private hatte sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt – man wächst immer an den Rändern, da kann man die Spitze nicht ausnehmen. Ich wusste, dass Alexander mit seiner Erfahrung in großen Strukturen und internationalen Märkten uns neue Perspektiven öffnen kann.

Die Kontinuität gewährleistet unser Rückgrat, unsere lange Erfolgshistorie im Partnerkreis um Martin Brückner, unseren CIO im Portfolio Management, und Richard Zellmann, der Vertrieb und Marketing führt. Als CEO kann Alexander auf Erfahrung, Einsatz und Vertrauen aller Leistungsträger von First Private bauen.

Herr Preininger, wie erleben Sie das Team in dieser Phase?

Preininger: Für mich ist es ein großes Privileg, Teil eines Unternehmens zu sein, in dem Kollegen wie Martin Brückner und Richard Zellmann bereits etabliert sind. Martin trägt mit tiefem Fachwissen zur Qualität der Investmentprozesse bei, Richard bringt Vertriebsstärke und internationales Gespür mit.

Auch den Rest des Teams darf man hier nicht vergessen. Die Verlässlichkeit und Kompetenz Aller machen es möglich, dass ich nicht allein starte, sondern mich auf ein erfahrenes Fundament stützen kann.

First Private ist stark in systematischen Strategien und quantitativen Ansätzen. Wie machen Sie solche Strategien international attraktiv?

Preininger: Indem wir nicht versuchen, die großen Häuser zu kopieren, sondern Nischenstrategien mit klarer Positionierung entwickeln. Ein Fokus liegt etwa auf Merger Arbitrage – eine Nische mit Wachstumspotenzial – sowie auf quantitativen europäischen Aktienstrategien mit Value- oder Dividendenfokus. Es geht darum, eigene Stärken zu definieren und auszubauen, aber auch an neuen Ideen zu arbeiten.

Klein: Storytelling kann helfen, Vertrauen aufzubauen, aber Performance ist der Schlüssel. Wir haben früh darauf gesetzt, dass der Erfolg wissenschaftlich systematischer Arbeit langfristig mehr überzeugt als Narrative. Und das lassen wir unsere Kunden auch spüren – durch Transparenz bis in Details.

Was sind die nächsten Wachstumsschritte?

Preininger: Zunächst gilt es, internationaler zu werden – Partnerschaften zu nutzen, Regionen zu identifizieren, in denen wir Fuß fassen können. Intern heißt das: Team stärken, Vertrieb und Marketing internationaler ausrichten. Skalierung ist möglich, wenn wir konsequent an der Umsetzung bleiben.

Sie richten sich bisher vor allem an institutionelle Kunden. Gibt es Ambitionen ins Retail-Geschäft?

Preininger: Schwerpunkt bleibt institutionell, das liegt in unserer DNA. Dazu zähle ich auch Dachfonds und weniger regulierte Family Offices und Vermögensverwalter. Mit unserem Quantum-Produkt haben wir aber auch ein Produkt, dass potenziell den Retail-Bereich anspricht, versehen mit einem starken KI-Ansatz. Doch zu sehr auf den Massenmarkt zu setzen, wäre strategisch riskant und auch nicht vielversprechend.

Woran wird sich der Erfolg in den kommenden Jahren messen?

Preininger: Wachstum nicht nur in AuM, sondern auch in Reputation und Geschäftsbreite zu bemessen. Merger Arbitrage soll ein Erkennungsmerkmal sein – wir streben einen europäischen Leaderstatus an.

Gleichzeitig wollen wir mit unserer KVG-Lizenz weitere Geschäftsfelder erschließen: Fonds für neue Partner auflegen, innovative Dienstleistungen anbieten. Wir wollen hier ganz bewusst unser Geschäftsmodell breiter aufstellen. Für die kommenden zwei Jahre peilen wir über 2 Milliarden Euro im quantitativen Bereich an. Das ist ambitioniert, aber machbar.

Herr Klein, wie sehen Sie die Zukunft von Boutiquen in einem Markt, der zunehmend von Druck und Konsolidierung geprägt ist?

Klein: Konsolidierung ist kein neues Phänomen – und sie erzeugt immer auch Chancen. Wir profitieren davon, weil wir mit Spezialisierung und unserer KVG-Kompetenz anderen Anbietern Optionen bieten können. Unser Leitprinzip lautet: „Small enough to care, big enough to deliver.“ Wir müssen nicht riesig sein, sondern exzellent bleiben. Entscheidend bleibt: Nähe zu Kunden, exzellente Mitarbeiter und ein klarer Fokus.

 

Was wünschen Sie sich persönlich?

Klein: Vor allem Stabilität in unseren Kundenbeziehungen, geprägt durch enge Zusammenarbeit und beste Ergebnisse. Wichtiger denn je ist dabei aber auch die Fähigkeit, sich ständig neu zu erfinden – jedes Jahr wie ein Starttag, „Always Day One“.

Wenn wir in zehn Jahren auf First Private schauen – was sehen wir dann?

Klein: Eine Organisation, die sich kontinuierlich erneuert hat, ohne ihre Wurzeln zu verlieren – jung geblieben im Geist, aber gewachsen in Wirkung.

Herr Klein, jetzt wo Sie nicht mehr Vorstandsvorsitzender sind, sondern in den Aufsichtsrat wechseln – wie nutzen Sie die neu gewonnene Zeit?

Klein: Und das jüngste unserer drei Kinder ist nun auch gerade aus dem Haus. Aber nein, mir wird sicher nicht langweilig, ich bleibe auch Geschäftsführer unserer Firmenholding, die die re:cap und FP Lux umfasst. Über Lücken im Alltag würde ich mich aber durchaus freuen. Meine Frau und ich haben einiges auf der Liste…

Über Klein, Preininger und First Private 

Tobias Klein hat First Private über zwei Jahrzehnte als CEO geprägt. Unter seiner Führung entwickelte die Frankfurter Fondsboutique einen Fokus auf regelbasierte, quantitative Anlagestrategien. Klein wechselt im Rahmen des Managementwechsels in den Aufsichtsrat der Gesellschaft.

Alexander Preininger wurde im Januar 2025 Deputy CEO von First Private und übernahm nach der Bafin-Zustimmung im August die Geschäftsführung von Tobias Klein. Zuvor war Preininger in verschiedenen internationalen Führungspositionen bei DWS, Amundi und Robeco tätig. Er bringt umfangreiche Erfahrung im Asset Management mit und fokussiert sich auf nachhaltige Wachstumsstrategien sowie technologische Weiterentwicklung.

First Private ist eine 2003 gegründete Fondsboutique mit 26 Mitarbeitern, die sich auf regelbasierte, quantitative Strategien im Bereich Aktien und Liquid Alternatives spezialisiert hat. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 3,3 Milliarden Euro (Stand Mitte 2025) bedient die Gesellschaft institutionelle und private Anleger. First Private setzt auf modernste Technologien wie Künstliche Intelligenz und betreibt eine eigene KVG-Lizenz sowie eine Plattform für externe Asset Manager. Schwerpunkte liegen auf Merger-Arbitrage-Strategien und Multi-Strategy-Fonds.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
PRIVATE BANKING MAGAZIN PRIVATE MARKETS HUB

Private Markets im Fokus

Private Equity, Private Debt, Real Estate und Infrastructure: Für Entscheider im DACH-Raum analysieren wir Märkte, bewerten Strategien und identifizieren Chancen in nicht-börsengehandelten Anlageklassen.

Zum Private Markets Hub
PRIVATE BANKING MAGAZIN PRIVATE MARKETS HUB

Private Markets im Fokus

Private Equity, Private Debt, Real Estate und Infrastructure: Für Entscheider im DACH-Raum analysieren wir Märkte, bewerten Strategien und identifizieren Chancen in nicht-börsengehandelten Anlageklassen.
Jetzt Private Markets Hub entdecken