private banking magazin: Herr Klein, Sie haben First Private 2003 im Rahmen eines Management-Buyouts gegründet. Wenn Sie heute zurückblicken: Welche Schlüsselstationen fallen Ihnen ein?
Tobias Klein: Der Weg begann eigentlich schon bei meiner Zeit bei Salomon Brothers. Dort haben wir methodische Ansätze und Überzeugungen entwickelt, die bis heute den Kern unserer Investment-Philosophie ausmachen. Der Schritt in die Selbstständigkeit war eine Kombination aus sorgfältiger Vorbereitung und dem Mut, eine Gelegenheit zu ergreifen.
Entscheidend waren aber stets die Menschen: meine Gründungspartner aber auch Kollegen aus New York, die unsere Ausgründung unterstützt haben, sowie treue Kunden, die den Weg mitgegangen sind. Diese partnerschaftliche Haltung ist bis heute zentral.
Mir war von Anfang an klar, dass First Private nicht nur durch Performance und Prozesse überzeugen muss, sondern auch über Nähe und Persönlichkeit – systematisch und zugleich menschlich.
Wie stellen Sie sicher, dass dieser Spirit erhalten bleibt, auch wenn das Unternehmen wächst?
Klein: Nicht durch Regeln oder Satzungen – sondern durch die Auswahl der richtigen Menschen. Wir achten darauf, Mitarbeiter zu finden, die unsere Überzeugungen und Werte teilen, in der Lage sind, wissenschaftlich zu arbeiten und zugleich Freude daran haben, Qualität im Team zu liefern. Eine gute Balance aus Herz und Methode ist bei uns kein Slogan, sondern gelebte Realität.
Herr Preininger, Sie übernehmen nun die Führung. Wie haben Sie den Übergang organisiert?
Alexander Preininger: Unser Fokus lag von Anfang an auf Kontinuität, nicht auf schnellen Veränderungen um der Veränderung willen. In intensiven Gesprächen mit dem Team haben wir Vertrauen geschaffen, und wir haben uns bewusst eine längere Übergangsphase gegönnt, um zu zeigen, dass ein reibungsloser Wechsel möglich ist.
Kontinuität einerseits und eigene Impulse andererseits.
Preininger: Genau. Ich möchte nicht alles umkrempeln, aber an bestimmten Stellen Akzente setzen. Mut zu Neuerungen und Offenheit für frische Ideen gehören dazu. Entscheidend ist, dass Veränderungen überlegt und nachvollziehbar sind, nicht impulsiv oder dogmatisch.
Herr Klein, wie schwierig war es für Sie, Ihren Nachfolger zu wählen? Hatten Sie nicht das Verlangen, einen „Tobi 2.0“ finden zu wollen?
Klein: Genau das wäre falsch gewesen. Ich suchte keine exakte Kopie, sondern gezielte Komplementarität. First Private hatte sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt – man wächst immer an den Rändern, da kann man die Spitze nicht ausnehmen. Ich wusste, dass Alexander mit seiner Erfahrung in großen Strukturen und internationalen Märkten uns neue Perspektiven öffnen kann.
Die Kontinuität gewährleistet unser Rückgrat, unsere lange Erfolgshistorie im Partnerkreis um Martin Brückner, unseren CIO im Portfolio Management, und Richard Zellmann, der Vertrieb und Marketing führt. Als CEO kann Alexander auf Erfahrung, Einsatz und Vertrauen aller Leistungsträger von First Private bauen.
Herr Preininger, wie erleben Sie das Team in dieser Phase?
Preininger: Für mich ist es ein großes Privileg, Teil eines Unternehmens zu sein, in dem Kollegen wie Martin Brückner und Richard Zellmann bereits etabliert sind. Martin trägt mit tiefem Fachwissen zur Qualität der Investmentprozesse bei, Richard bringt Vertriebsstärke und internationales Gespür mit.
Auch den Rest des Teams darf man hier nicht vergessen. Die Verlässlichkeit und Kompetenz Aller machen es möglich, dass ich nicht allein starte, sondern mich auf ein erfahrenes Fundament stützen kann.
First Private ist stark in systematischen Strategien und quantitativen Ansätzen. Wie machen Sie solche Strategien international attraktiv?
Preininger: Indem wir nicht versuchen, die großen Häuser zu kopieren, sondern Nischenstrategien mit klarer Positionierung entwickeln. Ein Fokus liegt etwa auf Merger Arbitrage – eine Nische mit Wachstumspotenzial – sowie auf quantitativen europäischen Aktienstrategien mit Value- oder Dividendenfokus. Es geht darum, eigene Stärken zu definieren und auszubauen, aber auch an neuen Ideen zu arbeiten.
