Fintechs Am Sandweg erfindet sich Frankfurts Finanzindustrie neu

Die Deutsche Bank hat ein eigenes Entwicklungszentrum für digitale Bankprodukte gestartet: In der sogenannten Digitalfabrik in Frankfurt entwerfen und programmieren rund 400 Mitarbeiter aus 14 Nationen.    | © Deutsche Bank, Mario Andreya

Die Deutsche Bank hat ein eigenes Entwicklungszentrum für digitale Bankprodukte gestartet: In der sogenannten Digitalfabrik in Frankfurt entwerfen und programmieren rund 400 Mitarbeiter aus 14 Nationen. Foto: Deutsche Bank, Mario Andreya

Es ist Herbst. Im Frankfurter Stadtteil Bornheim, im 19. Jahrhundert weithin bekannt als ’das fröhliche Dorf’ für seine Apfelweintradition, haben sich über 100 Banker und IT-Fachleute zu einer nüchternen Angelegenheit zusammengefunden: Sie erörtern Fragen zur Finanzierung von Fintech Start-ups mit Fremdkapital.

Der rund zwei Kilometer von der Innenstadt entfernte sogenannte Fintech Hub von Deutsche Börse AG am Sandweg in Bornheim, befindet sich in einem mehrgeschossigen Backsteinbau. Der Hub ist eines von mehreren Zentren in der Finanzmetropole am Main, die über die Stadt verteilt aus dem Boden schießen. Frankfurt will den Anschluss an größere Zentren bei der Digitalisierung des Finanzsektors, darunter London und Singapur, nicht verpassen.

Da Wagniskapital traditionell in Deutschland knapp ist, haben Banken und Börse die Initiative ergriffen. Deutsche Bank AG hat Unternehmen eingeladen, sich in der sogenannten Digitalfabrik im Frankfurter Stadtteil Sossenheim anzusiedeln, wo die Bank neue mobile Anwendungen entwickelt. Bei der Commerzbank ist die Finanzierung von elf Fintech Start-ups durch CommerzVentures und den sogenannten Main Incubator angelaufen.

In einem weiteren Vorhaben, dem sogenannten Tech Quartier, das mit Unterstützung der Stadt Frankfurt, des Landes Hessen und privater Unternehmen im Frankfurter Hochhaus Pollux nahe der Messe angesiedelt ist, erhalten Gründer ab dem 17. November eine Infrastruktur mit Zugang zu Mentoren.

„In Deutschland bauen wir unsere eigenen Akzeleratoren, es gibt wenige Optionen", sagt Oliver Bussmann, Gründer und geschäftsführender Partner der Fintech Beratungsfirma Bussmann Advisory und zuvor Chief Information Officer bei UBS AG und SAP SE. „Es ist ein Wettbewerb entstanden, ein Ökosystem von Start-ups, Banken, Universitäten und Aufsichtsbehörden zu schaffen - wem das gelingt, der kann die Branche verändern.“

Deutschland belegt den zweiten Platz bei Fintechs in Europa nach Großbritannien und hat 2015 Investitionen im Umfang von 524 Millionen Euro eingesammelt, verglichen mit 707 Millionen Euro in Großbritannien. Das belegt eine Studie von Ernst & Young LLP vom März. Während Wagniskapitalfinanzierungen für Fintechs weltweit im zweiten Quartal rückläufig tendierten, legten diese in Deutschland auf 186 Millionen Dollar und übertrafen damit jene in Großbritannien.

Im ersten Quartal waren es in Deutschland erst 107 Millionen Dollar gewesen, zeigt eine Studie von KPMG und CB Insights. Gleichwohl lag Frankfurt in einem im September veröffentlichten Ranking hinter London und Singapur. Gegenstand der Betrachtung war die Wahrscheinlichkeit, mit der Fintech Hubs an verschiedenen Standorten zum Wachstum beitragen.

„Ich sehe nicht viele erfolgreiche Fintechs in Deutschland“, sagte Eric Leupold, Head of Department Pre-IPO & Capital Markets, bei der Deutschen Börse. „Wenn wir es schaffen, aus Frankfurt einen Standort für Fintechs zu machen, dann profitieren wir auch.“