Die MBaer Merchant Bank wird liquidiert. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma gab am Freitag bekannt, dass die Zürcher Privatbank ihre Beschwerde gegen das laufende Finma-Enforcementverfahren zurückgezogen hat – womit der Lizenzentzug und die Liquidationsanordnung der Behörde sofort wirksam werden. Als Liquidatoren hat die Finma Daniel Staehelin sowie Lukas Bopp, beide von der Kanzlei Kellerhals Carrard in Basel, eingesetzt
Der Schritt erfolgt nur einen Tag, nachdem die US-Behörde Fincen die MBaer Merchant Bank als primäres Geldwäscherisiko eingestuft und den Ausschluss aus dem US-Finanzsystem vorgeschlagen hatte. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen – namentlich der Sanktionsandrohung durch das amerikanische Financial Crimes Enforcement Network (Fincen) – hatte der Verwaltungsrat der Bank beschlossen, die Beschwerde zurückzuziehen. Damit wurden Bewilligungsentzug und Auflösung rechtskräftig und vollstreckbar, wie auch das Institut selbst mitteilte.
Die Bank befindet sich nunmehr in Liquidation und wird ausschließlich durch die Liquidatoren vertreten. CEO Annett Viehweg führt ihre Funktion unter der Aufsicht und nach Weisung der Liquidatoren fort; der Verwaltungsrat ist zurückgetreten. Nach Angaben der Bank sind ausreichend Vermögenswerte vorhanden, um Kunden und Gläubiger vollumfänglich zu befriedigen. Aufgrund der US-Intervention und des Bewilligungsentzugs unterliegt die Bank jedoch Beschränkungen im Zahlungsverkehr: Vorerst können pro Kunde maximal 100.000 Franken und ausschließlich in Schweizer Franken ausgezahlt werden. Ansprechpartner für Kunden bleibt der jeweilige Kundenberater. Aktionäre erhalten ihre Einlagen erst nach Befriedigung aller Gläubiger und Abschluss der Liquidation.
Systematische Mängel nicht mehr korrigierbar
Die Finma war 2024 tätig geworden, nachdem bei der Bank Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Russland-Sanktionen festgestellt worden waren. Eine von der Behörde eingesetzte Untersuchungsbeauftragte zeichnete das Bild eines Instituts, das fast ausschließlich risikoreiche Geschäfte betrieb: 80 Prozent der Geschäftsbeziehungen wiesen erhöhte Risiken auf; zuletzt stammten 98 Prozent der entgegengenommenen Vermögen von Hochrisikokunden.
Die Untersuchung ergab zudem, dass die Bank wiederholt Empfehlungen ihrer eigenen Compliance-Abteilung ohne nachvollziehbare Begründung übersteuerte. Hintergründe von Geschäftsbeziehungen und Transaktionen wurden systematisch nicht hinreichend abgeklärt; der gesetzlichen Meldepflicht nach dem Geldwäschereigesetz kam die Bank teilweise gar nicht oder deutlich zu spät nach. In mehreren Fällen führte sie Transaktionen für Kunden aus, die auf Sanktionslisten standen oder deren Vermögen von inländischen Strafbehörden gesperrt worden waren. Darüber hinaus liegen der Finma konkrete Hinweise vor, dass MBaer Kunden aktiv dabei unterstützt hat, behördliche Vermögenssperren zu umgehen.
Die Behörde stuft den Fall als außerordentlich schwer ein. Die systematischen Mängel in der Organisation und im Risikomanagement seien unter den gegebenen Umständen nicht mehr korrigierbar gewesen, teilte die Finma mit. Damit seien die Bewilligungsvoraussetzungen für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit nicht mehr erfüllt. Zusätzlich hat die Finma in vier Fällen Verfahren gegen natürliche Personen eröffnet, die im Zusammenhang mit den untersuchten Sachverhalten möglicherweise für Verstöße gegen das Aufsichtsrecht verantwortlich waren.
Kundengelder unter Liquidatorenverwaltung
Per Ende 2025 verwaltete die MBaer Merchant Bank nach Angaben der Finma Kundenvermögen von insgesamt 4,9 Milliarden Franken, unterhielt knapp 700 Kundenbeziehungen und beschäftigte über 60 Mitarbeiter. Die Bank war im Privatkundengeschäft sowie im Transaction Banking tätig und richtete sich an Unternehmer und ihre Familien, Stiftungen, Finanzintermediäre sowie Family Offices.
Die MBaer Merchant Bank – die trotz des ähnlichen Namens keinerlei Verbindung zur Julius Bär Gruppe hat – wurde von Michael Bär gegründet, einem ehemaligen Mitglied der Konzernleitung von Julius Bär. Ab 2015 baute Bär das Institut zu einer vollwertigen Bank auf; im Dezember 2018 erteilte die Finma die Banklizenz. In einem im Oktober 2023 veröffentlichten Interview mit dem Schweizer Finanzportal „Finews" hatte Michael Bär angegeben, die Bank verwalte Vermögen in Höhe von 3,5 Milliarden Franken – ein Wert, der sich bis Ende 2025 laut Finma auf 4,9 Milliarden Franken erhöht hatte.