Nachhaltige Fonds Finanzwende prangert Greenwashing an

Braunkohlekraftwerk Niederaußem von RWE

Braunkohlekraftwerk Niederaußem von RWE: „Überraschend deutlich in der fossilen Welt“ Foto: Imago Images / Future Image

Die Organisation Finanzwende Recherche wirft der Fondsbranche vor, ihre Produkte viel nachhaltiger darzustellen, als sie eigentlich sind. In vielen Fonds mit sogenanntem ESG-Ansatz steckten Aktien von Unternehmen, die dort eigentlich nichts zu suchen hätten, schreiben die Volkswirtinnen Alison Schultz und Magdalena Senn in ihrer Studie mit dem Namen „Greenwashing im großen Stil“. Das Wort Greenwashing bedeutet wörtlich „Grünwaschen“, sinngemäß also etwa: „Etwas grün anmalen“.

Hintergrund: Für die Studie besahen sich die Autorinnen 314 Fonds, die in der Datenbank von Morningstar Direct als nachhaltig eingestuft sind. Aus den Daten zum Portfolio errechneten sie, wie viel Geld aus diesen nachhaltigen Fonds in einzelnen Unternehmen steckt. Als Vergleichsmaßstab für konventionelle Geldanlagen nahmen sie den Aktienindex MSCI World. Außerdem schätzten sie ab, wie viel nachhaltiges Geld seit 2019 zusätzlich in Unternehmen floss und wie viel abgezogen wurde. Den Zeitraum wählten sie, weil sie seit 2019 besonders massive Zuflüsse in nachhaltige Fonds beobachteten.

Das Ergebnis in einem Satz: „Nachhaltiges Geld wird kaum anders angelegt als konventionelles.“ Freilich handelt es sich dabei um durchschnittliche Werte über alle Fonds hinweg. Einzelfälle können also sehr wohl nachhaltig sein. Es ist deshalb wichtig, beim Fondskauf genau hinzuschauen.

Um ihren Vorwurf zu untermauern, gehen die Autorinnen speziell auf die Branchen Transport und Energie ein. So stellen sie fest, dass 3 Milliarden nachhaltige Euro in Firmen liegen, die ihr Geld hauptsächlich über Autos mit Verbrennungsmotoren verdienen. In Elektro- und Wasserstofftechnik seien hingegen nur 340 Millionen Euro untergebracht.

Nun könnte man dagegenhalten, dass die Fonds Verbrennungsaktien kaufen, um die Unternehmen anschließend auf Hauptversammlungen in die grüne Richtung zu beeinflussen. Dazu heißt es in der Studie: „Dazu gibt es aber für den Großteil der von uns untersuchten Fonds keine überprüfbaren Belege.“

Was Energie betrifft, verorten die Autorinnen nachhaltige Fonds „überraschend deutlich in der fossilen Welt“. Sie könnten für rund 3 Milliarden angelegte Euro eine bei den Unternehmen hauptsächlich genutzte Energiequelle ausmachen. Bei fast 2 Milliarden Euro seien das aber Erdöl und Erdgas. Zudem liegen laut Studie weitere 98 Millionen nachhaltige Euro in Kohleunternehmen. Dagegen lägen 828 Millionen Euro in Erneuerbaren Energien.

Als weitere exemplarische Beispiele für Greenwashing nennt die Studie:

  • Amazon, mit 563 Millionen Euro das am stärksten vertretene Unternehmen aus dem Einzelhandel, steht immer wieder wegen seiner Arbeitsbedingungen und dem Kampf gegen Gewerkschaften in der Kritik
  • Apple und dessen Zulieferer Foxconn gehen nicht immer zimperlich mit ihren Leuten, aber auch Geschäftspartnern um
  • Deutsche Wohnen, auf Platz 7 unter den Immobilienunternehmen. Dabei wird dem Konzern vorgeworfen, immer wieder Mieter rücksichtslos zu behandeln, um den eigenen Gewinn zu steigern

Die gesamte Studie können Sie hier herunterladen.