Antje Biber verlässt Feri Das SDG Office geht in der Next Generation auf

Antje Biber, (v. l.) scheidende Leiterin SDG bei Feri Asset Management, und Marcel Lähn, Vorstandsmitglied und Chief Investment Officer (CIO)

Von links: Antje Biber, scheidende Leiterin SDG bei Feri Asset Management, und Marcel Lähn, Vorstandsmitglied und Chief Investment Officer (CIO) Bildquelle: Feri Asset Management

private banking magazin: Der Abschied von Ihnen, Frau Biber, und die Integration des SDG Office in ein Next-Gen-Setup markieren einen Einschnitt. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt?

Antje Biber: Aus meiner persönlichen Sicht entwickelt sich das Thema Nachhaltigkeit im Moment sehr stark weiter. Der Markt hat sich einfach verändert. Wir bewegen uns weg von einer rein Compliance-orientierten Herangehensweise hin zu einer viel stärker wirkungsorientierten Anlage. Und genau darin sehe ich auch großes Potenzial, weil sich dadurch neue, viel umfassendere Perspektiven eröffnen.

Der Fokus der Investoren hat sich nach diesem Backlash, der den Markt ja wirklich sehr stark konsolidiert hat, deutlich verändert. Meines Erachtens sind heute nur noch die Player übrig, die das Thema wirklich ernsthaft nach vorne treiben wollen. Und auch die Investoren definieren und erweitern Nachhaltigkeit jetzt viel umfangreicher – viel mehr in Richtung Wirkung, viel mehr in Richtung ganzheitlicher Anlage.

 

Für mich bedeutet das, dass ich mich durch mein internationales Netzwerk viel stärker einbringen und teilhaben möchte. Dieses Netzwerk ist mittlerweile sehr ausgeprägt im Ausland – europäisch, aber eben auch global, mit einem klaren Footprint in den USA und in Asien. Und genau dieser globale Footprint ermöglicht mir, an dieser Neuorientierung der Investoren aktiv mitzuwirken. Das ist eine spannende Zeit. Ich sehe da sehr viel Potenzial, gerade für internationale Kooperationen und darauf möchte ich mich konzentrieren.

Marcel Lähn: Zunächst möchte ich betonen, dass Antje bei Feri über 20 Jahre hinweg sehr erfolgreiche und prägende Arbeit geleistet hat. Sie hat das SDG Office 2019 auch aus persönlicher Überzeugung heraus gegründet, um dem Nachhaltigkeitsgedanken in unserem Unternehmen und in unseren Investmententscheidungen Ausdruck zu verleihen. Für diese langjährige, engagierte Arbeit und ihren diesbezüglichen wesentlichen Beitrag zur strategischen Entwicklung des Hauses möchte ich ihr ausdrücklich danken. Ihre Expertise und ihr Einsatz haben das Thema Nachhaltigkeit bei Feri maßgeblich geprägt, und dafür gebührt ihr große Wertschätzung.

Nach dem erfolgreichen Aufbau und Ausbau des Bereichs – auch unter Berücksichtigung sämtlicher regulatorischer Anforderungen – kann ich den persönlichen Schritt, den Wunsch von Antje, sich zu verändern und sich nochmals anderen beruflichen Herausforderungen zu stellen, sehr gut nachvollziehen, wenngleich ich ihr Ausscheiden persönlich bedaure.

Ist diese Veränderung eher als personeller Übergang zu verstehen – oder als strategische Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsarchitektur bei Feri?

Lähn: Grundsätzlich ist es sowohl ein personeller Übergang als auch eine strategische Weiterentwicklung. Auf der einen Seite möchte Antje künftig einen größeren Part auf der internationalen Bühne der Nachhaltigkeit einnehmen. Auf der anderen Seite werden wir unsere Nachhaltigkeitsstrategie natürlich weiterhin unter dem bekannten und bewährten SDG Office‑Setup fortführen.

Dass das Thema Nachhaltigkeit sowohl in unserem eigenen Investmentprozess als auch für unsere Kunden und für die gesamte Unternehmung heute so fest verankert ist, ist vielfach auf Antje Bibers Arbeit zurückzuführen. Sie hat diesen Bereich über viele Jahre hinweg auf‑ und ausgebaut, sodass unser SDG Office marktweit große Beachtung fand. Durch ihren besonderen Einsatz hat sie zudem dazu beigetragen, international anerkannte Formate wie das Global Asset Owner Meeting ins Leben zu rufen.

Bei diesem Treffen sind international aktive Investoren zusammengekommen, um deutlich zu machen, wie tatsächlicher Impact durch Investments mit einem üblichen Rendite‑Risiko‑Blickwinkel vereinbar ist.

Was sagt diese Entscheidung über den Reifegrad von ESG- und SDG-Themen im Haus aus?

Lähn: Antje hat damals ganz bewusst in enger Rücksprache mit dem Management – kein ESG Office, sondern ein SDG Office gegründet. Hintergrund war, deutlich zu machen, dass die für uns ausgewählten SDGs auf gesamter Unternehmensebene als Leitlinien für den Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit verankert sind und damit den Reifegrad unseres Ansatzes widerspiegeln.

Bereits bei der Gründung und dem anschließenden Aufbau des SDG Office wurde sehr klar, dass wir Nachhaltigkeit nicht nur regulatorisch erfüllen wollten, sondern strategisch im Unternehmen verankern. Antje hat diesen Bereich von Beginn an so strukturiert, dass das SDG Office weit über klassische ESG‑Standards hinausging und eine inhaltlich tiefere, wirkungsorientierte Perspektive verfolgt hat. Genau diese Ausrichtung – verbunden mit der bewussten Auswahl und Verankerung der relevanten SDGs als Leitlinien – hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ESG- und SDG‑Themen heute fest in unseren Prozessen, in unseren Kundenlösungen und in der gesamten Unternehmung integriert sind.

Frau Biber, Sie haben das SDG Office seit seiner Gründung 2019 geprägt. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigste Errungenschaften dieser Arbeit – intern wie extern?

Biber: Das Wichtigste war für mich immer, das Thema im gesamten Konzern zu vertreten – also weg von einer Sonderlösung oder einer speziellen Abteilung hin zu etwas, das wirklich in allen Bereichen verankert ist. Und genau das haben wir erreicht: Nachhaltigkeit ist heute in allen Bereichen integriert, vom Privatkundengeschäft über das Risikomanagement bis hin zum Portfoliomanagement. Es ist im Haus mittlerweile wirklich verankert. Für mich war das interne Verweben in die gesamte Dienstleistungspalette von Feri ein ganz wesentlicher Erfolg.

Extern war es natürlich die Reputation, die wir aufgebaut haben – die Auszeichnungen, die Vergleiche mit Wettbewerbern, die klar zeigen, wie wir uns positionieren. Und es waren die Formate und Meetings, die wir ins Leben gerufen haben, allen voran das Global Asset Owner Meeting, das wir zweimal erfolgreich durchgeführt haben. Dieses Format spiegelt genau das wider, was ich vorhin gesagt habe: dass es international einen stetigen und wachsenden Bedarf an wirkungsorientierten Investmentansätzen gibt.

Dass wir dafür internationale Anerkennung bekommen haben – von der Europäischen Kommission über die UN bis hin zu großen globalen Asset Ownern –, das sehe ich persönlich als einen sehr wichtigen Meilenstein. Es zeigt, dass unsere Arbeit und unser Ansatz für die Weiterentwicklung dieser Thematik wirklich Relevanz haben.

Wo ist es Ihnen besonders gelungen, Investoren Nachhaltigkeit nicht nur als Wertefrage, sondern als Kapital- und Risikothema zu vermitteln?

Biber: Für mich war der wichtigste Punkt immer, deutlich zu machen, dass Nachhaltigkeit eben nicht etwas ist, das man „on top“ betrachtet, sondern dass es ein zentrales Kapital‑ und Risikothema ist. Besonders gelungen ist uns das überall dort, wo wir Nachhaltigkeit wirklich in die bestehenden Strukturen und Entscheidungswege integriert haben – also nicht als Zusatz, sondern als Teil der DNA des Unternehmens. Diese Verwebung durch das gesamte Unternehmen, vom Privatkundengeschäft über das Risikomanagement bis hin zum Portfoliomanagement, war entscheidend.

Und genau in diesem Kontext hat sich gezeigt, wie ernsthaft die Investoren das Thema angehen und wie groß der Wille ist, gemeinsam daran zu arbeiten. Das wurde besonders deutlich beim Global Asset Owner Meeting. Eines der großen Themen in diesem Jahr war die Teilnahme der Europäischen Zentralbank – und das ist ein starkes Zeichen. Die EZB treibt diese Entwicklung selbst aktiv voran und schaut in die gleiche Richtung wie wir. Das zeigt sehr klar, dass Nachhaltigkeit längst ein strategisches Kapital‑ und Risikothema geworden ist, das von führenden Institutionen weltweit ernsthaft vorangetrieben wird.