Kevin Warsh sollte Donald Trump vor allem eins liefern: tiefere Leitzinsen. Diesem Ansinnen hat sich der neue Notenbankpräsident in den ersten elf Wochen seiner Amtszeit noch widersetzt. In einem anderen Punkt folgt er jedoch seinem Förderer. Er möchte die Fed um bauen – ganz im Sinne von Project 2025, das die intellektuelle Basis der Trump-Präsidentschaft bildet. Demnach sei die Fed zu mächtig geworden und greife zu stark in die Finanzmärkte ein.
Warsh stört sich vor allem am Aktivismus und der hohen Transparenz der Notenbank. Der Ansatz der Währungshüter, alles im Detail zu erklären und selbst den künftigen Zinspfad zu kommunizieren, habe dazu geführt, dass die Finanzmärkte nur noch ein Spiegelbild der Notenbankmeinung seien. Eigenständige Informationen könnten daraus nicht mehr abgeleitet werden.
„Umbau der Fed ist ein unausgegorenes und widersprüchliches Projekt der Trump-Regierung“
Das will Warsh nunmehr ändern, was er plastisch mit einer Fussball-Analogie zum Ausdruck brachte: Die Märkte sollen wieder lernen, den Ball zu spielen und nicht den Schiedsrichter, das heißt, sie sollen wieder eigenständig auf realwirtschaftliche Daten reagieren und nicht nur auf Fed-Signale wetten.
Transparenz macht die Geldpolitik effizienter
Kevin Warsh schwebt offenbar eine Rückkehr in die 1970er- und 1980er-Jahre vor, als die Notenbanken noch als Hort der Geheimniskrämerei und Verschwiegenheit galten. William Greider beschrieb dieses Vorgehen der Fed in seinem 1987 erschienenen Bestseller „Secrets of the Temple“, wobei er die Fed als eine noch geheimnisvollere Institution als die CIA schildert.
Damals befürchteten die Notenbanker, dass zu viel Offenheit in der Geldpolitik unerwünschte und übertriebene Marktreaktionen hervorrufen könnte. Selbst Alan Greenspan gehörte zu Beginn seiner Amtszeit noch zu den Anhängern einer nebulösen Geldpolitik. 1987 äußerte er den berühmten Satz: „Sollte ich Ihnen ungewöhnlich klar erscheinen, müssen Sie mich missverstanden haben“.
Spätestens in den 1990er-Jahren setzte sich dann aber die Erkenntnis durch, dass ein transparentes und berechenbares Vorgehen die Wirksamkeit der Geldpolitik steigert, statt ihr zu schaden. Die neukeynesianische Schule arbeitete klar heraus, dass alle Vermögenspreise maßgeblich von den Erwartungen über den künftigen Leitzinspfad abhängen.
Die Rendite einer 10-jährigen Staatsanleihe ergibt sich vereinfacht gesagt aus dem geometrischen Durchschnitt des heutigen kurzfristigen Zinssatzes und der für die nächsten zehn Jahre erwarteten kurzfristigen Zinssätze.
In der Praxis hat sich diese Theorie bestätigt, wie Abbildung 1 eindrücklich veranschaulicht. In der Regel bestimmen bereits die Leitzinserwartungen der kommenden drei Jahre die 10-jährigen Renditen. Dies liegt daran, dass nach drei Jahren die Leitzinserwartungen zumeist gegen das derzeit als "neutral" eingeschätzte Niveau konvergieren (in der Eurozone aktuell rund 3,00 Prozent, in den USA rund 4,00 Prozent).
Gelingt es der Notenbank nunmehr, die Erwartungen über den künftigen Zinspfad in die von ihr gewünschte Richtung zu lenken, werden sich gleichzeitig die Vermögenspreise ganz im Sinne der Währungshüter anpassen. Geldpolitik und Finanzmärkte ziehen sozusagen an einem Strang und machen die Notenbankpolitik damit effizienter.