Fed-Kommunikation Warshs Kurs treibt die Risikoprämien

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Noch schwerer wiegt jedoch die mangelnde Erklärung der aktuellen Zinspolitik. Warum hat die Fed  zuletzt weiter pausiert, obwohl sie selbst die Inflation als „zu hoch“ ansieht? Warsh hätte einfach sagen können, man stehe zwar grundsätzlich bereit, wolle aber noch abwarten, weil die Juni-Inflationszahlen besser ausgefallen seien als gedacht. Davon sah er aber ab. 

Das Einzige, was er sich entlocken ließ, war die Aussage: „Höhere Zinsen könnten ein Teil der Antwort sein, wenn die Inflation überhöht bleibt.“ Dies ist je doch nicht mehr als ein Gemeinplatz. Auf jeden Fall hat er mit seinem Eiertanz der Glaubwürdigkeit der Fed in der Inflationsbekämpfung geschadet. 

Eine ganz entscheidende Rolle für die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik spielt schließlich ein klar definiertes Inflationsziel. Selbst daran ließ Warsh Zweifel aufkommen. Er bejaht zwar grundsätzlich den Fortbestand des 2-Prozent-Ziels und hält am PCE-Kerndeflator als Maßstab fest. Diese Zusicherung gilt allerdings nur für 2026. Für das kommende Jahr geht er davon aus, dass die von ihm eingesetzte Task Force einen Anpassungsvorschlag vorlegen wird.

Damit hat er zusätzliche Unsicherheit geschürt. Warshs Unzufriedenheit mit dem PCE-Kerndeflator ist bekannt. Er würde stattdessen den Trimmed Mean des PCE bevorzugen. Letzterer bewegt sich allerdings mit rund  2,2 Prozent deutlich unterhalb des PCE-Kerndeflators (3,3 Prozent). Viele Investoren fragen sich daher, ob die Fed künftig die überhöhte Inflation einfach wegdefinieren will. 

Insgesamt hat Kevin Warsh mit seiner intransparenten Kommunikation bislang vor allem Zweifel am stabilitätsorientierten Kurs der Notenbank geweckt. Dies zeigte sich in der Marktreaktion auf die jüngste Notenbanksitzung. Während die kurzfristigen Renditen gefallen sind – es fehlte das Signal für eine baldige Leitzinserhöhung –, machten die langfristigen Renditen einen Satz nach oben (siehe Abbildung 3 oben). Die Märkte preisen eine höhere Laufzeitprämie ein, da die Unsicherheit über den künftigen Zinsausblick zu genommen hat.

Die Notenbank muss wieder den Ball spielen

Zieht man ein Fazit, ist manche Kritik am Vorgehen der Fed in den vergangenen Jahren zwar durchaus berechtigt. Die Währungshüter mögen in der Forward Guidance zu weit gegangen sein. Dies ändert aber nichts daran, dass der künftige Zinspfad der Notenbank die entscheidende Stellgröße für die Finanzmärkte ist.

Je vorhersehbarer die Zinsschritte der Notenbank sind, desto besser ist dies für alle Beteiligten. Dies trägt zu geringerer Volatilität und niedrigeren Risikoprämien an den Finanzmärkten bei. Transparenz über die aktuelle Lageeinschätzung und eine klare Kommunikation der Reaktionsfunktion der Notenbank sind daher unerlässlich.

Es macht auch keinen Sinn, von den Finanzmärkten zu fordern, sie sollten selbst wieder den Ball spielen. Wie soll das funktionieren? Der wichtigste Inputfaktor für die Anleihenmärkte ist die Einschätzung über den künftigen Leitzinspfad. Die Märkte sind daher auf Informationen aus der Notenbank angewiesen. Wenn sie der Fed-Vorsitzende nicht mehr liefert, werden sie umso genauer die Reden der übrigen Mitglieder des Offenmarktausschusses studieren.

Sollte diesen der Mund verboten werden, keine Pressekonferenzen mehr stattfinden und die Dots abgeschafft werden, sähe es düster aus. Dann würden die Finanzmärkte bei den Leitzinserwartungen immer wieder in die eine oder andere Richtung überschießen, worauf die Notenbank sie wieder einfangen müsste. Diese Art der Intransparenz würde zwangsläufig in eine höhere Finanzmarktvolatilität münden.

Mit Blick voraus ruhen somit die Hoffnungen vor allem auf den übrigen Mitgliedern des Offenmarktausschusses: Sie sollten standhaft bleiben und weiterhin als Bollwerk der Transparenz fungieren. Von den Task Forces darf man dagegen nicht viel erwarten. Sie wurden eingerichtet, um Warshs Agenda umzusetzen.

Wenn Warsh unbeirrt an seinem Kurs festhält, wird dies über kurz oder lang in ein Desaster münden. Spätestens in der nächsten Krise, wenn die Leitzinsen kräftig gesenkt werden müssen, wäre es fatal, wenn dies nicht klar kommuniziert würde. Letztlich dürfte sich Warshs Ernennung als Bumerang für Trump er weisen: Statt niedrigerer Zinsen erhält er höhere Risikoprämien. Wie so vieles ist auch der Umbau der Fed ein unausgegorenes und in sich widersprüchliches Projekt der Trump-Regierung.


Über den Autor:

Daniel Hartmann ist Chefvolkswirt beim Bantleon. Hartmann begann 2005 nach seiner Promotion mit „summa cum laude“ an der Universität Stuttgart-Hohenheim bei dem Asset Manager und verantwortet die Finanzmarktprognosen wie Anleihenrenditen und Aktienkurse sowie die Analyse und Prognose der globalen Konjunktur- und Geldpolitik.

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