Fed-Kommunikation Warshs Kurs treibt die Risikoprämien

Seite 2 / 3

Tritt beispielsweise ein milder Inflationsschock auf und kündigen die Währungshüter daraufhin eine leicht restriktivere Geldpolitik an, werden die Finanzmärkte einen flachen Zinserhöhungspfad antizipieren. In der Folge werden die Kapitalmarktrenditen moderat ansteigen und somit im Sinne der Notenbank die Inflationsgefahren dämpfen. Dieses Zusammenspiel von Geldpolitik und Finanzmärkten – mit jeweils vorhersehbaren Reaktionen auf beiden Seiten – dämpft die Volatilität der Vermögenspreise.

Damit aber nicht genug. Bei der Bildung der langfristigen Renditen spielt neben den Zinserwartungen noch eine zweite Komponente eine wichtige Rolle: die sogenannte Laufzeitprämie (Term Premium). Sie entschädigt die Investoren für das eingegangene Zinsänderungsrisiko. Auch hier gilt: Je transparenter und glaubwürdiger die Notenbankpolitik ist, desto niedriger wird die Laufzeitprämie ausfallen.

Ein besonders beeindruckendes Beispiel dafür sind die Jahre 2015 bis 2023 (siehe Abbildung oben). Aufgrund der niedrigen Inflation, des Einsatzes von Quntitative Easing, aber auch der Forward Guidance der Fed, die den Leitzins auf tiefem Niveau hielt, bestand aus Sicht der Investoren praktisch kein Zinsänderungsrisiko. Die Laufzeitprämie sank auf null und sogar ins Negative.

Für die Wirtschaft ist eine tiefe Laufzeitprämie – und damit ein niedriger Realzins – von Vorteil, weil sie für ein günstiges Investitionsumfeld sorgt. Besteht hingegen Unsicherheit über den künftigen Zinsausblick, wird die Laufzeitprämie und damit der Realzins ansteigen, was sich negativ auf das Investitionsklima auswirkt. 

Warshs Schweigegelübde schürt Unsicherheit 

Kevin Warsh ist nunmehr aber der Ansicht, dass die  Fed mit der Steuerung der Markterwartungen in den  vergangenen Jahren über das Ziel hinausgeschossen ist. Indem die Fed die künftigen Zinsschritte quasi avisiert hat, wurden die Investoren in falscher Sicherheit gewiegt und zu einseitigen Wetten animiert, was zur Blasenbildung an den Finanzmärkten beitrug. Auch sei die Fed zu einer Geisel ihrer Forward Guidance geworden.

Wenn sich die Wirtschaft anders entwickelte als gedacht, konnten die Währungshüter  nicht mehr zurück, ohne ihr Versprechen zu brechen. So wird der Fed vorgeworfen, sie habe 2021 zu lange an dem Mantra des "temporären" Inflationsschubs festgehalten und damit die rechtzeitige Zinswende verpasst. Warsh möchte jedenfalls wieder zum freien  Spiel der Marktkräfte zurückkehren. Die Investoren sollen sich möglichst unabhängig von der Fed ihre  Meinung bilden. 

Wie ernst es Warsh mit der neuen Verschwiegenheit meint, zeigte sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit. Das Fed-Statement zur Erklärung geldpolitischer Entscheide wurde auf ganz wenige Sätze zusammen gestrichen. Gleichzeitig ließ Warsh seine Präferenz für weniger Pressekonferenzen bzw. sogar deren Abschaffung durchblicken. Nach seinem Willen sollte es  auch keinen offiziellen Zinsausblick (sogenannte Dots) der Fed-Mitglieder mehr geben.

Schnell wurde überdies deutlich, dass nicht nur beim Zinsausblick, sondern auch bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Lage sein Schweigegelübde gilt. Fragen zur aktuellen Situation am Arbeitsmarkt und zum Inflationsumfeld beantwortete er stets ausweichend.