Novethos-Geschäftsführer „Family Offices werden mehr kooperieren“

Stephan Rupprecht (l.), seit Jahresanfang dritter Geschäftsführer bei Novethos, und Bernd Glönkler, der 2008 als geschäftsführender Gesellschafter eingesteigen ist.  | © Robert Pupeter

Stephan Rupprecht (l.), seit Jahresanfang dritter Geschäftsführer bei Novethos, und Bernd Glönkler, der 2008 als geschäftsführender Gesellschafter eingesteigen ist. Foto: Robert Pupeter

private banking magazin: Ganzheitlichkeit ist ein Modebegriff der Private-Wealth-Branche. Trügt der Eindruck, dass viele schon bei den Asset-Klassen nicht liefern können?

Bernd Glönkler: Den Eindruck teilen wir. Unsere Beobachtung ist, dass viele Vermögensmanager sich stark auf einzelne Anlageklassen, insbesondere Anleihen und Aktien, unmittelbar oder über Fondsstrukturen, konzentrieren. Investments in Private Equity, Immobilien oder alternative Investments hingegen erfordern eine intensive Beschäftigung mit der Vermögensstruktur des Kunden, und ferner benötigt man Experten mit langjährigen Erfahrungen und sehr guten Zugängen. Bei der Vielzahl der verschiedenen Dienstleistungen und Themen funktioniert dies nur im Zusammenspiel mit erfahrenen Spezialisten. Entsprechende Strukturen werden aber oft aus Kostengründen nicht vorgehalten.

Anleihen und Aktien sind für viele vermögende Familien mittlerweile besseres Cash. Der Fokus liegt auf Immobilien und Private Equity. Ist dafür allein das Niedrigzinsumfeld verantwortlich?

Glönkler: Generell erwarten unsere Familien eine generationenübergreifende Anlagestruktur mit starker unternehmerischer Prägung. Die nachfolgenden Generationen sind heute auch viel stärker in die Entscheidungsfindung mit eingebunden. Dann spielt Diversifikation in den einzelnen Anlageklassen eine erhebliche Rolle. Es geht also um eine professionelle Asset-Allokation mit individuellem Liquiditäts- und Risikomanagement. Das andauernde Niedrigzinsumfeld begünstigt die Entwicklung hin zu anderen Investments also nur zusätzlich.

Würde sich daran etwas ändern, wenn die Zinsen wieder auf ein auskömmlicheres Niveau steigen?

Stephan Rupprecht: Natürlich würde das die Attraktivität anderer Anlagesegmente wieder etwas relativieren. Eine wesentliche Änderung der Asset-Allokation würden wir allerdings nur bei deutlich steigenden Anleiherenditen erwarten.

Glönkler: Und in Europa sehen wir in naher Zukunft keine spürbar steigenden Zinsen.

Wie erklären Sie sich, warum in jüngerer Zeit so viele Family Offices gegründet werden?

Rupprecht: Hinter dem Begriff des Family Office verbirgt sich der klare Anspruch, nur dem Vermögensinhaber und seiner Familie verpflichtet zu sein. Mit langfristig verfügbaren Ansprechpartnern können ein individuelleres Vorgehen und eine breite Auswahl der Asset-Klassen gewährleistet werden. Eindimensionale, standardisierte Lösungen sind für eine gewisse Klientel schlichtweg nicht mehr angemessen und zeitgemäß.

Thema Vertrauen. Muss man eine Vermögensverwaltung vom Family Office kategorisch trennen, damit man als Family Office glaubwürdig ist?

Glönkler: Die Koexistenz von Vermögensverwaltung und Family Office unter einem Dach halten wir grundsätzlich für unproblematisch, kann ein Family Office doch das Know-how des Portfoliomanagements für Vergleiche externer Manager oder auch makroökonomische Einschätzungen nutzen. Eine aktive Verwaltungstätigkeit und damit eine Vermischung verbieten sich aber aus unserer Sicht. Damit wäre die objektive Leistungsbetrachtung gefährdet.

Strukturfragen sind für Familien und deren Vermögen enorm wichtig. Sind die Familien diesbezüglich auch gut aufgestellt?

Rupprecht: Wir sehen hier erheblichen Beratungsbedarf. Zum einen geht es um komplexere Themen wie Nachfolgeregelungen, eine generationsübergreifende Planung und Strategie. Zum anderen erfordert der Einbezug der einzelnen Familienmitglieder geeignete gesellschaftsrechtliche Strukturen.

Die Zahl der Single Family Offices, auch der kleineren mit einer zwei- oder dreiköpfigen Mannschaft, nimmt zu. Was können diese leisten, und wo stoßen sie an ihre Grenzen?

Glönkler: Die Frage ist, wer bietet welche Kernkompetenzen, und durch welche Maßnahmen ist die Leistungsfähigkeit gegeben? Novethos hat 30 Mitarbeiter, die sich rund um die Uhr um die verschiedenen Strategien und die Strukturen kümmern und ein klar definiertes Netzwerk an externen Spezialisten vorhalten. Dies ist der Grund, warum wir auch mit kleineren Family Offices gerne und erfolgreich zusammenarbeiten.

Wie wird sich die Zusammenarbeit zwischen Single Family Offices und Multi Family Offices einspielen?

Rupprecht: Single Family Offices können und werden in Zukunft vermehrt auf einige Multi Family Offices zugreifen, insbesondere, um spezielles Know-how und Investmentzugänge zu nutzen. Die Expertise hilft und ist Türöffner, um gemeinsame Transaktionen zu tätigen.


Über die Interviewten:

Stephan Rupprecht ist seit Jahresanfang neben Bernd Glönkler und Andreas Meißner dritter Geschäftsführer bei Novethos. Zuvor war Rupprecht bis Ende 2017 Private-Banking-Vorstand bei Hauck & Aufhäuser.

Bernd Glönkler stieg 2008 als geschäftsführender Gesellschafter bei Novethos Financial Partners ein. Zuvor war er Vorstand der früheren Merck Finck Vermögensbetreuung.