Interview mit Family-Office-Forscher „Family Offices sind die Gewinner der Finanzkrise“

Peter Schaubach

Peter Schaubach

private banking magazin: Sind Family Offices die Gewinner der Finanzkrise?

Peter Schaubach: Wenn es einen Gewinner dieser Krise gibt, dann die Family Offices, ja. 2009 habe ich eine Umfrage unter Family Offices durchgeführt. 52 Prozent haben gesagt, sie hätten wegen der Finanzmarktkrise Kunden hinzugewonnen. Gekommen sind sie hauptsächlich vom Private Banking und aus dem Wealth Management. Family Offices stehen für das Konzept, ehrlich mit dem Kunden zu reden, Entscheidungen transparent zu machen und das frei von Interessenskonflikten. Das kommt an, hat aber auch seine Schattenseiten.

private banking magazin: Welche?

Schaubach: Es ist mittlerweile schick geworden, sich ein Schild an die Tür zu hängen und zu sagen: Ich bin ein Family Office. Wenn alle, die das behaupten, nur einen Kunden hätten, wäre die Zahl der potenziellen Kunden in Deutschland schon weit übertroffen. Man muss also sehr genau hinschauen.

private banking magazin: Was zeichnet für Sie ein wahres Family Office aus?

Schaubach: Es handelt im Interesse des Vermögensinhabers, muss gesamthaft und langfristig agieren und ist dabei unabhängig. Aber nicht nur von den Gesellschaftern oder ähnlichen Spielern sondern auch von inneren Zwängen – die Akteure können frei im Sinne des Vermögensinhabers handeln.

private banking magazin: Aus welchem Bedarf heraus werden Family Offices gegründet? 

Schaubach: Auslöser für die Gründung eines Single Family Offices ist meist das sogenannte Cash Event – also der Verkauf des Unternehmens. Viele Vermögende wissen dann nicht recht, wem sie vertrauen können beziehungsweise wollen. Wen können sie fragen? Meist wählen sie den, der sich bisher auch immer um die Finanzen gekümmert hat – der Finanzchef des Unternehmens. Man sieht sehr oft bei diesen Neugründungen, dass einer der Vermögensträger auch der Geschäftsführer des Single Family Offices ist.

private banking magazin: Multi Family Office versus Vermögensverwalter – wer ist ertragreicher?

Schaubach: Bei Family Offices haben Sie keine Degression bei den Kosten, der Aufwand für einen Neukunden mit 10 Millionen Euro ist also genauso hoch wie für alle anderen Kunden. Bei der Vermögensverwaltung ist das anders: Ob sie da 100 Millionen Euro verwalten oder 110 Millionen, spielt auf der Kostenseite keine große Rolle. Die Verlockung ist groß, sich in der Form zu skalieren. Es findet also ein Zusammenwachsen zwischen Vermögensverwaltung und Family Offices statt. Die Trennschärfe wird geringer.

private banking magazin: Wie ist Ihr Ausblick für die Branche?

Schaubach: Ich denke, das Thema Family Office wird an Bedeutung deutlich zunehmen. Der Markt wird sich weiter professionalisieren, auch was den Wechsel von Family Officern angeht. Bisher ähnelte das System eher einer Einbahnstraße: Wer einmal bei einem Family Office gearbeitet hat, kommt so einfach nicht wieder heraus – und wenn, dann ist es nicht so einfach, bei einem neuen Family Office einen Vertrag abzuschließen. Das wird in Zukunft einfacher werden. Die ersten Entwicklungen haben wir da bereits gesehen.