Family Offices „Mehr Controlling, weniger Reporting“

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Stadtmüller: Auch wir bemühen uns, alle Geschäftsvorgänge nur einmal im Portfoliomanagement-System zu erfassen. Denn obwohl wir keine Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater sind, bereiten wir die Geschäftsvorgänge für den Steuerberater des Mandanten vor, sodass der die Werte direkt in der Steuererklärung nutzen kann. Ferner koordinieren wir in vielen Fällen die Abschlussprüfung der von uns betreuten rechtlichen Einheiten. Das erwarten die Mandanten. Zudem wäre es eine administrative Katastrophe, die Transaktionen in verschiedenen Systemen zu erfassen.

Steimel: Was wir aber nach wie vor machen. Wir wissen zwar, dass das einmalige Erfassen effizienter ist, haben aber die Erfahrung gemacht, dass das Ergebnis aus der Vermögensverwaltungs-Buchhaltung auf der handelsrechtlichen Seite sehr zu wünschen übrig lässt. 

Was ist eigentlich die Königsdisziplin im Vermögensreporting?

Steimel: Das Reporting von liquiden Vermögenswerten ist sicherlich vergleichsweise einfach. Herausfordernd wird das Erfassen von illiquiden Assets, vor allem, wenn der Vermögensträger die gleichen Reporting-Standards, die er vom liquiden Vermögen kennt, auf die illiquiden Werte übertragen haben möchte. Hinzu kommt, dass man stellenweise von den Reportings der Investments abhängig ist. Private-Equity-Fonds beispielsweise schicken in der Regel mit drei Monaten Zeitverzug ihre Berichte, die zudem nicht vollständig transparent sind. Die Private-Equity-Manager legen mitnichten alle Zielinvestments offen, sondern oft nur die zehn erfolgreichsten Beteiligungen. Und dann stellt sich die Frage, welche Kennzahlen der Vermögensträger sehen möchte, um seine Private-Equity-Investments überprüfen und einschätzen zu können.

Buchwald: Und es wird noch schwieriger. Die bekannten Risikokennzahlen aus der liquiden Investmentwelt kann man in der Regel nicht auf illiquide Vermögenswerte übertragen. Erstere basieren auf der Bewertung eines Wertpapiers durch den Markt. Diese fehlt im illiquiden Bereich. Zudem redet man immer von illiquiden Investments als Gruppe. Dahinter verbergen sich aber völlig verschiedene Investmentlogiken. Daher muss bereits vor der Investmententscheidung eine Risikoanalyse erfolgen. Was sind die wichtigsten Wert- und Risikotreiber, und wie kann ich diese laufend überwachen? Ein aktives Controlling ermöglicht eine Steuerung der Investments. Dazu muss ich die Anlageformen aber vollständig verstanden haben. Es gibt Investments wie Venture Capital, bei denen die Anteile, deren Bewertung und Liquidationspräferenzen erst durch künftige Geschäftsentwicklungen festgeschrieben werden. In diesem Fall sind der Abbildung im Vermögensreporting Grenzen gesetzt. Solche Themen müssen händisch erfasst werden.

Stadtmüller: Dem stimme ich zu. Bei illiquiden Investments ist es entscheidend, als Vermögenscontroller bereits während der Investmententscheidung involviert zu sein. Ist das Investment einmal getätigt, gibt es kaum noch Handlungsoptionen.

Eigelshoven: Vollständige Kontrolle erlangt man erst wieder, wenn ein Folgeinvestment ansteht. Dann meldet sich der Private-Equity-Manager, der Investoren für ein Folgeprodukt sucht. Der Vermögens-
controller kann dann aufzeigen, welche Versprechen beim Vorgängerfonds nicht eingehalten wurden. Man darf das Bild aber nicht allzu düster malen. Denn Family Offices werden zunehmend professioneller, was ihre Due Diligence bei der Auswahl von Private-Equity-Fonds und anderen illiquiden Investments angeht. Zum anderen verbessert sich seit einiger Zeit die Transparenz von Private-Equity-Fonds.

Haydu: Es wird aber immer ein hochgradig manuelles Geschäft bleiben, sowohl was die Buchhaltung als auch die Bewertung von illiquiden Vermögenswerten angeht.

Kirchner: Zudem wird man nie ausgelernt haben. Es wird im illiquiden Bereich immer wieder Entwicklungen geben, auf die man reagieren muss. Beispiel Schiffsfonds: Bei denen darf man die Ausschüttungen von unter Druck geraten Fonds nicht für gegeben nehmen, sondern muss eher mit Eventualverbindlichkeiten arbeiten.


Der Roundtable:
Es diskutieren (von links): Stephan Buchwald, Kontora Family Office; Michaela Steimel, Black Horse Investments; Jörg Eigelshoven, Warth & Klein Grant Thornton; Christian Stadtmüller, HQ Asset Servicing; Ralph Haydu, Inter-Concern-Revisions; Stefan Kirchner, Honestas Finanzmanagement; und Ansgar Neisius, private banking magazin


Zur Information:

Vermögensreporting und -controlling sind nicht ein und dasselbe. Ziel des Reportings ist die Konsolidierung eines Gesamtvermögens. Gerade bei vermögenden Personen und (Unternehmer-)Familien oder größeren Stiftungen ist das aufgrund der Menge und Komplexität der Vermögenswerte nicht ganz einfach – vor allem beim Erfassen von illiquiden Vermögenswerten. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an ein EDV-System. Die Family-Office-Bank Marcard, Stein & Co. hat dazu vor einiger Zeit einen Katalog von 600 Einzelanforderungen an ein IT-System zusammengetragen.

Am Ende beschreibt das Reporting den Ist-Zustand eines Vermögens. Ein Investment-Controller baut darauf auf. Im Vermögenscontrolling gleicht er den Ist-Zustand mit der strategischen Asset Allocation ab, führt Szenarioanalysen und Stresstests durch, steuert Risiken, überprüft die Einhaltung von Anlagegrenzen und hat die diversen Kosten und Gebühren im Blick. Ist das Vermögensreporting die Beschreibung des Ist-Zustands eines Vermögens, wird im Vermögenscontrolling mittels Interpretation der Daten geklärt, bei welchen Investments Handlungsbedarf besteht.

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