Social Media Family Offices entdecken Technologie-Investments

Family Offices entdecken einen neuen Investmentsektor für sich: Technologie – und genauer Social Media. So investierte zuletzt ein Family Office 15 Millionen US-Dollar in das Hamburger Social-Media-Marketingunternehmen Facelift. Doch der Geldgeber für die Hanseaten kam nicht aus Deutschland – Nein: Erst eine arabische Vermögensverwaltung zückte den Scheck. Mit 15 Millionen ist es das größte bekannte Investment in ein europäisches Unternehmen für Social-Media-Technologie.

Damit unterstützen die Araber die Geschäftsidee von Benjamin Schroeter und Teja Töpfer. Mit Facelift bilden sie die Schnittstelle von Unternehmen zum sozialen Online-Netzwerk Facebook. Sie erarbeiten den jeweiligen unternehmerischen Auftritt auf der Plattform. Mittlerweile hat das Startup über 50 Mitarbeiter und mehr als 5.000 Kunden wie Bayer, Deutsche Bahn, o2/Telefonica und Philips.

„Wir werden mit dem aufgenommenen Kapital unser Wachstum massiv beschleunigen“, sagt Schroeter. „In den nächsten 18 Monaten planen wir unser Team auf 150 Mitarbeiter zu verdreifachen, die Internationalisierung voranzutreiben und noch schneller Produktinnovationen auf den Markt zu bringen.“

In Europa haben die beiden Gründer noch wenig Konkurrenz. Es sind vor allem US-Unternehmen wie Wildfire (Google), Salesforce (Buddy Media) oder Social (Adobe), die auf dem Markt mitmischen. Doch der Markt wächst schnell.

Das hat auch Eran Davidson erkannt. Er managte jahrelang das Family Office Hasso Plattner Ventures. Jetzt bietet er mit seinem Finanzdienstleister Davidson Technology Growth Dept Technologie-Startups Kredite an. Sie liegen meist zwischen zwei und fünf Millionen Euro über eine Laufzeit von 18 bis 36 Monaten. Dabei hat er ein Fondsvolumen von 100 Millionen Euro im Blick. Er führt ein Finanzmodell in Deutschland ein, das die Bundesrepublik so noch nicht gesehen hat.

Ein Blick über den großen Teich zeigt aber, dass es durchaus erfolgreich ist. Unter anderem Facebook und das Internet-Telefon Skype haben so ihre Finanzen aufgebessert. „In den USA und in Israel ist das Finanzmodell gang und gäbe“, sagt Davidson.

Dabei sprechen die neusten technologischen Entwicklungen vor allem die jüngere Zielgruppe an. Etablierten deutschen Firmen fehlen da oft das Verständnis und der Bezug zur Branche. Diese feiert häufig zunächst unnötig erscheinende Entwicklungen. Mittlerweile drängen deshalb vermehrt US-amerikanische Finanzinvestoren auf den deutschen Markt.

In den USA gibt es bereits viele Investoren, die den Technologie-Sektor als Nische entdeckt und eingenommen haben. Der amerikanische Markt ist abgegrast. Da kommen die deutschen Startups mit ihren Ideen gerade recht, die vergeblich unter einheimischen Investoren nach Geldgebern suchen. Neben den US-Investoren schauen sich vor allem Family Offices aus Asien und Nahost nach aufstrebenden Tech-Unternehmen in Deutschland um.

Doch langsam scheinen auch deutsche Wohlhabende diese Branche für sich zu entdecken. Besonders unter großen Unternehmerfamilien aus dem Mittelstand spricht sich die Kunde von den attraktiven Investments rum.